Technologieriese

Siemens bringt seinen Aktionären Hiobsbotschaften

Dax-Schwergewicht Siemens bekommt konjunkturellen Gegenwind zu spüren. Besonders das Windpark-Projekt in der Nordsee macht Sorgen.

Foto: dapd

Europas größter Technologiekonzern Siemens stimmt die Aktionäre auf schwierigere Zeiten ein. Das Geschäft der Münchener hat sich in den vergangenen Monaten wegen der schwierigen wirtschaftlichen Großwetterlage merklich eingetrübt. Im ersten Geschäftsquartal legten die Einnahmen dank des hohen Auftragsbestands zwar noch zu, Neubestellungen und Gewinne gerieten jedoch unter Druck.

Vorsichtige Töne der Führungsriege gab es am Dienstagmorgen kurz vor Beginn der Hauptversammlung erneut mit Blick auf das Gesamtjahr 2011/12 zu hören: "Auch wenn in der zweiten Jahreshälfte eine Erholung erwartet wird, müssen wir hart arbeiten, um unsere Ziele zu erreichen", sagte Vorstandschef Peter Löscher.

Finanzvorstand Joe Kaeser hatte bereits vorletzte Woche in einem Interview mit dem Wall Street Journal Deutschland die Erwartungen entsprechend gedämpft und von einem rauer gewordenen Gegenwind gesprochen. Obwohl zuletzt vor allem die Nachfrage aus der Industrie abflaute, hat Siemens die gültigen Jahresziele bekräftigt.

Die Münchener wollen ihre Einnahmen 2011/12 dank des Rekord-Auftragsbestands moderat steigern, die Neubestellungen sollen deutlich höher liegen. Beim Ergebnis aus dem fortgeführten Geschäft rechnet Siemens mit einem konstanten Gewinn von etwa 6 Milliarden Euro. Im Vorjahr hatte Siemens rund 7 Milliarden Euro verdient, dabei aber von einem gut eine Milliarde schweren Einmalertrag profitiert.

An den Erstquartalszahlen, die unter den Analystenerwartungen liegen, ist die Abschwächung bereits abzulesen: Der Auftragseingang sank um 5 Prozent auf 19,8 Milliarden Euro, während der Umsatz noch um 2 Prozent auf 17,9 Milliarden Euro zulegte. Der für die Prognose relevante Gewinn aus dem fortgeführten Geschäft schrumpfte um gut ein Viertel auf knapp 1,36 Milliarden Euro, netto verblieben 1,44 nach fast 1,72 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. "Die Unsicherheiten der anhaltenden Schuldenkrise haben auch in der Realwirtschaft Spuren hinterlassen", sagte Löscher mit Blick auf die Monate Oktober bis Dezember.

Auf den Erträgen des Dax-Konzerns lasteten im ersten Quartal einmal mehr Sondereffekte: Sorgen bereiten den Münchenern zur Zeit vor allem Windpark-Großprojekte in der Nordsee . Siemens baut im Auftrag des niederländischen Netzbetreibers TenneT vier von insgesamt sieben Umspannplattformen vor der deutschen Küste, durch die der in Windparks erzeugte Strom in die Netze eingespeist wird.

Da das Projekt nur langsam vorankommt, wurde im Auftaktquartal eine Belastung von 203 Millionen Euro gebucht. Zudem schlugen Verzögerungen beim ICE-Nachfolger Velaro D mit 69 Millionen Euro sowie Kosten aus der Sanierung der Medizintechnik-Sparte mit 72 Millionen Euro zu Buche.

Lesen Sie diesen Artikel im Original beim Wall Street Journal Deutschland.