Weltbank-Bericht

"Weltwirtschaft ist in gefährliche Phase getreten"

Die neue Konjunkturprognose der Weltbank ist düster. Sie sieht ein Abrutschen der Euro-Zone in die Rezession. Auch Deutschland dürfe sich nicht zu sicher fühlen.

Foto: Infografik WELT Online

Schlechte Nachrichten aus Washington: Die Weltbank warnt vor einem Absturz der Weltwirtschaft in diesem Jahr . Grund ist vor allem die Krise der Euro-Zone. Für den gemeinsamen europäischen Währungsraum erwarten die Experten der Weltbank einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,3 Prozent in diesem Jahr.

Nächstes Jahr könnte die Euro-Konjunktur dann um 1,1 Prozent leicht zulegen – vorausgesetzt, die Euro-Krise eskaliert nicht. Die Schwellenländer werden dem Bericht zufolge in diesem und im nächsten Jahr langsamer wachsen als bislang erwartet. Unter dem Strich dürfte die Weltwirtschaft nicht mehr um 3,1, sondern nur noch um 2,5 Prozent wachsen. Das gilt als wenig. „Die Weltwirtschaft ist in eine gefährliche Phase eingetreten“, warnte die Washingtoner Institution deshalb.

Und das ist noch die schönere Seite dieser Wirtschaftsprognose. Unumwunden geben die Experten in ihrem Bericht zu, dass die Vorhersage eher eine Art Schön-Wetterbericht ist. Denn es könnte alles noch viel schlimmer kommen. Europas Krise und die Probleme der Schwellen- und Entwicklungsländer könnten sich gegenseitig verstärken.

Euro-Zone ist ein großer Gefahrenherd

Auch wenn die Euro-Zone versucht, die unmittelbaren Gefahren ihrer Probleme durch den vorübergehenden Euro-Rettungsschirm EFSF, seinen Nachfolger ESM und den Einsatz der Europäischen Zentralbank als Bankenretter zu bannen, gilt der Erfolg dieser Maßnahmen keineswegs als sicher. „Das Risiko eines weit umfangreicheren Einfrierens der Kapitalmärkte und eine globale Krise vom Ausmaß der Lehman-Krise bleibt bestehen“, orakelt die Weltbank.

Sollten nach Griechenland, Portugal und Irland noch andere Länder den Zugang zum Kapitalmarkt verlieren, ist auch eine weitere schwere Bankenkrise weltweit nicht mehr auszuschließen. Die Folge wäre eine Rezession, mindestens so schlimm wie in den Jahren 2008/2009 oder sogar schlimmer, glaubt die Weltbank in ihrem Bericht.

Deutsche mögen sich denken: Diese Krise ging auch vorbei. Und für uns noch dazu recht schnell. Doch die Weltbank warnt vor einer Fehleinschätzung: Weil die Staaten 2008 und 2009 so viel zur Bewältigung des Desasters ausgegeben haben, fehlt jetzt die Finanzkraft, um noch einmal entsprechend zu reagieren. Anders als damals dürfte sich die Weltwirtschaft von einem neuerlichen Schock so schnell nicht wieder erholen.

Bundesregierung glaubt, der Rezession zu entgehen

Deutschland, so glaubt die Bundesregierung, kommt zumindest in diesem Jahr noch einmal recht glimpflich davon: Dem Absturz in die Rezession wird die Bundesrepublik vermutlich entgehen können. Für dieses Jahr wird ein Wirtschaftswachstum von 0,7 Prozent erwartet. Für 2013 von 1,6 Prozent. „Unsere Wirtschaft ist robust“, sagte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP).

Von Rezession könne keine Rede sein. Allerdings – und das ist für Deutschland eine seltene Situation – wird sich angesichts der angespannten Weltlage das Wachstum in diesem Jahr nicht aus den Exporten der deutschen Industrie speisen, sondern aus der Binnennachfrage. Die günstige Entwicklung am Arbeitsmarkt und die Reallohnzuwächse sollen dem Konsum Auftrieb geben.

Im laufenden Jahr rechnet die Bundesregierung mit einer Arbeitslosenquote von 6,8 Prozent. So wenig Menschen ohne Job gab es in Deutschland seit 20 Jahren nicht mehr. Auch die Erwerbstätigkeit von 41,3 Mio. Menschen ist ein Rekord. In kaum einem anderen EU-Land ist die Lage derzeit so rosig. Staaten wie Griechenland oder Spanien leiden unter einer hohen Arbeitslosigkeit. Die Sparprogramme dort dürften die Probleme sogar noch vergrößern, weil diese auf das Wachstum drücken.

Merkel und Sarkozy machen Vorschläge zur Wachstumsstärkung

Seit Wochen kritisieren daher renommierte Ökonomen ja auch die einseitige Konzentration der europäischen Rettungspläne auf Sparmaßnahmen für die angeschlagenen Länder. Immer wieder wiesen sie darauf hin, dass sich nicht die gesamte Euro-Zone gleichzeitig aus der Krise sparen könne, weil dann europaweit das Wirtschaftswachstum einbrechen würde. Die Botschaft scheint mittlerweile in der europäischen Politik angekommen zu sein.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy planen deshalb offenbar, beim kommenden EU-Gipfel Vorschläge zur Stärkung des Wachstums vorzulegen. Unter anderem überlegen beide, für strukturschwache Länder wie Griechenland einen „Fonds für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit“ aufzulegen. Auch soll versucht werden, die gefährlich hohe Jugendarbeitslosigkeit in Ländern wie Spanien zu mildern.

Gleichzeitig aber suchen Merkel und Sarkozy nach Möglichkeiten, die Steuersysteme der einzelnen Euro-Zonenländer zu harmonisieren und halten auch an ihrem Plan einer Finanztransaktionsteuer fest. Wenn in wachstumsschwachen Ländern durch eine Angleichung der Gesetze aber die Steuersätze stiegen, dürfte das zu neuen Problemen für die Wirtschaft führen.