Druckmaschinenbauer

Mit Zerschlagung von Manroland fallen 2200 Jobs weg

Gläubiger beschließen die Zerschlagung und den Teilverkauf von Manroland an die Lübecker Possehl-Gruppe. In Deutschland droht ein herber Abbau von Arbeitsplätzen.

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Es soll ein Zeichen sein, ein kräftiges Signal der Arbeiter an die Banker und Manager. Also strömen die Beschäftigten des Druckmaschinenbauers Manroland aus den Werkshallen und Büros noch einmal in den Innenhof des Werkes in Augsburg. An den Wänden haben sie Transparente und Spruchbänder aufgehängt.

Die Gläubiger sollen sie sehen, bevor sie in das Bürogebäude gehen, um dort über das Schicksal Manrolands zu entscheiden. "Es ist allen klar, was hier auf dem Spiel steht" sagt Manroland-Betriebsratschef Jürgen Bänsch wenige Minuten vor dem Beginn der Verhandlungen.

Zumindest die Mitarbeiter in Augsburg können mit dem Ergebnis zufrieden sein. Nach mehrstündigen Verhandlungen sprachen sich die Gläubiger für die Wunschlösung der dortigen Mitarbeiter aus: Sie beschlossen den Verkauf des Augsburger Werkes von Manroland an den Lübecker Mischkonzern Possehl.

Possehl bislang unerfahren mit Druckmaschinen

Das Unternehmen ist auch im Maschinenbau tätigt, hat mit Druckmaschinen bislang aber keine Erfahrung. Die zwei anderen Manroland-Werke in Offenbach und Plauen sollen in separate Gesellschaften ausgegliedert werden und in die Hände der Führungskräfte sowie des vorläufigen Insolvenzverwalters Werner Schneider gehen. Manroland wird also zerschlagen.

Der Entscheidung war eine dramatische Suche nach einem neuen Investor vorausgegangen. Schneider sprach seit November unter anderem die deutschen Wettbewerber Heidelberger Druck sowie König & Bauer an, verhandelte aber auch mit branchenfremden Betrieben und Finanzinvestoren. Dabei stand er unter massivem Zeitdruck: Nur bis Ende Januar zahlt die Arbeitsagentur die Gehälter für die Beschäftigten. Danach wird es teuer für Manroland.

Druckindustrie in der Dauerkrise

Die neuen Eigner müssen die Sanierung unter denkbar ungünstigen Bedingungen stemmen. Die deutsche Druckindustrie ist weltweit zwar noch immer führend, doch sie steckt in einer Dauerkrise. Während andere Maschinenbauer in Deutschland in den vergangenen zwei Jahren ihre Auftragsbücher füllten, klagt die Druckerbranche über ein maues Geschäft.

Werbeetats etwa werden immer mehr zu Gunsten von Internet und neuen Medien umgeschichtet, bedrucktes Papier verliert an Bedeutung. Wie schlimm die Situation ist, zeigt ein Blick auf den Branchenprimus Heidelberger Druck. Das Unternehmen gab am Dienstag bekannt, nur zwei Jahre nach einem radikalen Konzernumbau weitere 2000 Arbeitsplätze zu streichen, 1200 davon in Deutschland.

Dass die Gläubiger am Ende für eine Zerschlagung des Unternehmens stimmten, erklärte Schneider mit dem Zeitdruck. "Wir hatten nur noch beschränkte Zeit, die Transaktion über die Bühne zu bringen. Die Abschlusssicherheit war ein ganz wesentlicher Punkt", sagte er.

Mitarbeiter müssen mit Gehaltskürzungen rechnen

Zwar hatte der US-Finanzinvestor Platinum Equity ein Angebot für die gesamte Gruppe vorgelegt, doch er konnte nicht in der vorgesehen Zeit ein unterschriftsreifes Angebot vorlegen. Ein alternatives Angebot des Rivalen König & Bauer habe darüber hinaus keine Chance gehabt – das Unternehmen hat angeboten, gerade einmal 700 Mitarbeiter zu übernehmen, berichtet Schneider. Das war zu wenig.

Die Possehl-Gruppe hingegen handelte schnell. Das Unternehmen hat sich offenbar bereits eine Kreditlinie eines Bankenkonsortiums rund um die Deutsche Bank gesichert, die sich im mittleren zweistelligen Millionenbereich bewegt.

Damit soll das Werk Augsburg finanziert werden. Darüber hinaus hat sich Possehl mit den Gewerkschaften im Prinzip auf Gehaltskürzungen verständigt. Als Gegenleistung sollen die Mitarbeiter später dann am Gewinn beteiligt werden.

Arbeitsplatz-Abbau droht in drei Monaten

In den drei Werken von Manroland droht allerdings ein herber Abbau von Arbeitsplätzen. Die Stellen in Deutschland werden von 4700 auf etwa 2500 reduziert. Darüber hinaus könnte es auch bei der internationalen Vertriebs- und Serviceorganisation Kürzungen geben. Hierüber soll mit den Gewerkschaften diskutiert werden.

Schneider ist zuversichtlich, dass er für das Werk im hessischen Offenbach einen Käufer finden wird. Er verwies darauf, dass chinesische Investoren "allerhöchstes" Interesse an einer Übernahme von Manroland gezeigt hätten, allerdings nicht schnell genug reagieren konnten. Die könnten jetzt in Ruhe ein Gebot prüfen. Mit Bürgschaften des Landes Hessens soll versucht werden, das Werk in der Zwischenzeit mit frischem Kapital zu versorgen.

Der Standort im sächsischen Plauen soll über seine Lieferbeziehungen zu Augsburg und Offenbach gesichert werden. Darüber hinaus sei das Werk aufgerufen, sich jetzt "intensiv um Drittaufträge", also Geschäft mit anderen Firmen zu bemühen.