Energieversorger

Gazprom senkt Preise für Kunden in Europa

Einige Gasanbieter haben Nachlässe beim russischen Energieversorger erhalten. Doch auch andere Gazprom-Kunden könnten in den Genuss der Konditionen kommen.

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Nach einem monatelangen Streit um hohe Gaskosten hat der staatliche russische Energieriese Gazprom für mehrere europäische Unternehmen die Preise gesenkt . Entsprechende Dokumente zu den langfristigen Lieferverträgen seien mit dem deutschen Versorger Wingas (Kassel) sowie mit GdF Suez (Frankreich), SPP (Slowakei), Econgas (Österreich) und Sinergie Italiane unterzeichnet worden. Das teilte Alexander Medwedew, Chef der Gazprom-Tochter Gazprom Export, in Moskau mit. Die Kunden hatten immer wieder eine Preissenkung gefordert.

Gazprom sprach selbst von einer „Anpassung“ der Preise infolge eines Überangebots an Erdgas in Europa wegen des warmen Winters. Traditionell hält der Konzern die genauen Gaspreise geheim. Medwedjew zufolge nehmen die fünf Konzerne rund 35 Mrd. Kubikmeter Gas pro Jahr ab – fast ein Viertel aller russischen Gasexporte nach Europa.

Wingas bestätigte neue Importkonditionen mit Gazprom, ohne Details mitzuteilen. Das Unternehmen setze auf langfristige Verträge. „Sie sorgen für einen verlässlichen Bezug der nötigen Erdgasmengen.“

Die Vereinbarungen mit den fünf europäischen Kunden seien nicht als Abrücken von der Ölpreisbindung zu verstehen, hieß es bei Gazprom Export. Eine flexiblere Preisgestaltung bedeutet lediglich, dass einige Koeffizienten in den Preisformeln korrigiert worden sind. Was das für die Preise genau bedeutet, sei Betriebsgeheimnis.

Der Grund, warum man sich nur mit fünf Konzernen geeinigt habe, liege darin, dass man mit ihnen in letzter Zeit unmittelbar verhandelt habe. Insbesondere mit der Gazprom-Beteiligung Wingas gebe es „Berührungspunkte“. Mit anderen Konzernen werde auch verhandelt: „Verhandlungen sind ein ständiger Prozess“, hieß es bei Gazprom.

Gazprom hat bereits Rücklagen gebildet

Zu der von Moskovskije Novosti Ende Dezember angegebenen Summe von sieben Mrd. Dollar, die Gazprom angeblich für Rückzahlungen an europäische Konzerne reserviert hat, heißt es bei Gazprom, es handle sich nicht um Rücklagen, „sondern um eine theoretisch errechnete maximale Summe von Forderungen seitens der Partner“.

Die Zeitung „Moskovskije Novosti“ hatte berichtet, dass im Gazprom-Budget für 2012 rund 300 Mrd. Rubel (knapp zehn Mrd. Dollar) für vorzeitige Schuldentilgung vorgesehen seien, davon zwei Drittel für Rückzahlungen an Kunden in Europa.

Zahlreiche westliche Konzerne hatten nach Beginn der Finanzkrise und angesichts des Überangebotes auf dem Gasmarkt um eine Revidierung der Langfristverträge bei Gazprom ersucht. Zum Teil klagen sie vor dem Internationalen Schiedsgericht in Stockholm. Deshalb habe Gazprom die bilanziellen Reserven gebildet. Nach Einschätzung der US-Großbank JPMorgan wird man über die genaue Verwendung der Reserven erst am 10.Februar mehr erfahren, wenn Gazprom die Zahlen für das dritte Quartal 2011 vorlegen werde.

Unklar sei, für welche Kunden und für welchen Zeitraum das Geld zurückgelegt werde. Ausgehend vom vorjährigen Absatz in Europa (rund 60 Mrd. Dollar) würden die reservierten sieben Mrd. Dollar jedenfalls einen Preisnachlass von 45 bis 50 Dollar je 1000 Kubikmeter bedeuten.