Gewinnrückgang

Schuldenkrise plagt US-Großbank Citigroup

Die US-Großbank Citigroup leidet unter der Schuldenkrise. Der Gewinn fiel im Schlussquartal verglichen zum Vorjahreszeitraum um 11 Prozent auf unterm Strich knapp 1,2 Milliarden Dollar (940 Mio Euro). Dagegen verdient Privatkunden-Spezialist Wells Fargo soviel Geld wie noch nie.

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Ihre starke Abhängigkeit von den Finanzmärkten rächt sich für die Wall-Street-Häuser. Nach JPMorgan Chase hat mit der Citigroup nun die zweite US-Großbank im Schlussquartal einen Gewinnrückgang verbucht. Grund sind wegbrechende Einnahmen im Investmentbanking angesichts der brodelnden Schuldenkrise. Im Unterschied dazu blühte Privatkunden-Spezialist Wells Fargo regelrecht auf.

Die Citigroup strich im vierten Quartal noch einen Gewinn von unterm Strich 1,2 Milliarden Dollar (940 Mio Euro) ein, wie die Bank am Dienstag in New York erklärte. Das waren 11 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das einst so profitable Geschäft rund um die Finanzmärkte schrieb wegen der von Europa ausgehenden Turbulenzen sogar rote Zahlen. Beispielsweise zögern Firmen bei Übernahmen, und der Citigroup entgehen so Beratungsgebühren.

Einer der wenigen Lichtblicke in der Bankenwelt ist momentan das Privatkundengeschäft. In den USA profitieren die Finanzkonzerne von geringeren Zahlungsausfällen bei Krediten. Denn die Arbeitslosigkeit ist zurückgegangen, und die Hausbesitzer begleichen ihre Raten wieder pünktlicher.

Diese Entwicklung kommt Wells Fargo zugute. Die Bank, die weit entfernt von der Wall Street in San Francisco sitzt, konzentriert sich aufs Privatkundengeschäft und betreibt nur am Rande Investmentbanking. Das zahlt sich nun aus: Im Schlussquartal stieg der Gewinn um 20 Prozent auf den Rekordwert von 4,1 Milliarden Dollar. „Ich bin sehr zufrieden mit unserer Leistung 2011“, sagte Firmenchef John Stumpf.

Investmentbanking hat noch immer seinen Reiz

Wells Fargo hatte in der Finanzkrise den Rivalen Wachovia übernommen und war damit zum größten Kreditgeber für Wohnimmobilien in den USA aufgestiegen. Die Citigroup indes, die in den düsteren Jahren 2008/2009 vom Staat aufgefangen werden musste, ist auf Schrumpfkurs. Chef Vikram Pandit will sich auf lange Sicht ebenfalls eher aufs klassische Bankgeschäft besinnen.

Doch das Investmentbanking hat noch immer seinen Reiz. Denn wenn das Geld an den Finanzmärkten einmal sprudelt, dann richtig. In der ersten Jahreshälfte war die Welt für die Wall-Street-Banker auch noch in Ordnung. Dank dieses Polsters konnte die Citigroup ihren Gewinn im Gesamtjahr um 6 Prozent auf unterm Strich 11,3 Milliarden Dollar hochschrauben.

Die Erträge – die Einnahmen der Bank – sind dagegen auch aufs Jahr gesehen um 10 Prozent auf 78,4 Milliarden Dollar gesunken. Pandit steuert wie andere Bankchefs mit einem Sparkurs dagegen. So fallen bei der Citigroup in den kommenden Quartalen etwa 4500 Jobs weg.

Wells Fargo steht da wesentlich besser da. Von Januar bis Dezember verdiente das Institut unterm Strich 15,9 Milliarden Dollar (12,4 Mrd Euro) und damit 28 Prozent mehr als im Vorjahr. Das war neuer Rekord. Im frühen Handel stieg die Aktie um 3 Prozent, während das Citigroup-Papier um den gleichen Wert nachgab.

US-Branchenprimus JPMorgan Chase hatte die sogenannte Bilanzsaison am Freitag mit einem Gewinnrückgang im Schlussquartal eröffnet. In den kommenden Tagen legen nun weitere Großbanken ihre Zahlen vor. An diesem Mittwoch ist es Goldman Sachs, am Donnerstag folgen die Bank of America und Morgan Stanley. Die Deutsche Bank ist am 2. Februar an der Reihe.

Konjunkturdaten treiben Wall Street an

Die Wall Street ist am Dienstag mit Gewinnen in den Handel gestartet. Nach einem verlängerten Wochenende wegen des Martin-Luther-King-Feiertags sorgten vor allem Konjunkturdaten für gute Stimmung. Der New Yorker Konjunkturindex gewann im Januar deutlich an Fahrt. Auch Nachrichten aus Fernost gaben Auftrieb: Chinas Wirtschaft wuchs im vierten Quartal so langsam wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr. Börsianer erwarten nun mehrheitlich, dass die Regierung in Peking Schritte zum Ankurbeln des Wachstums einleitet. Die Erwartungen seien in Bezug auf China immer etwas irrational, sagte Peter Kenny von Knight Capital. Fakt sei, dass das Land Wachstumsmotor bleibe. Die enttäuschenden Quartalszahlen der Citigroup richteten am Parkett zunächst wenig aus.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte in den ersten Minuten um 0,9 Prozent auf 12.535 Punkte zu. Der breiter gefasste S&P-500 stieg ebenfalls 0,9 Prozent auf 1301 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gewann 0,9 Prozent auf 2736 Punkte.

Die Probleme in der Euro-Zone rückten leicht in den Hintergrund. Die Massen-Herabstufungen von Euro-Staaten durch die Ratingagentur Standard & Poor's seien eingepreist, sagte Andre Bakhos von Lek Securities. „Es hätte schlimmer kommen können.“ Die Anleger knüpften ihre Hoffnungen an verbesserte Wirtschaftsnachrichten sowie an eine moderate Bilanzsaison.