Binnenkonjuktur

Methode Münchhausen untauglich in der Euro-Krise

Ökonomen fordern höhere Löhne für deutsche Arbeitnehmer, damit die anderen Euro-Länder wieder wettbewerbsfähiger werden. Doch das ist ein Trugschluss.

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Kann ein Land zu exportstark sein, zu wettbewerbsfähig, schlicht zu erfolgreich? Es kann, sagen einige Ökonomen und stellen Deutschland an den Pranger: Dank jahrelanger Lohnzurückhaltung könne Deutschland billiger produzieren als seine Nachbarn und drücke diese an die Wand.

Die Deutschen sollten doch weniger exportieren und dafür lieber die Löhne erhöhen und mehr konsumieren, lautet ihr Rezept gegen die Krise der Euro-Zone. Gerade die Gewerkschaften hören das vor den anstehenden Tarifrunden im Öffentlichen Dienst, der Metall- und Chemieindustrie, gern.

Am eigenen Schopf aus dem Rezessionssumpf

Mit höheren Löhnen könne die Binnenkonjunktur belebt werden und sich die Wirtschaft wie Baron Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Rezessionssumpf ziehen. Hohe Löhne als Konjunkturprogramm, so begründen Gewerkschafter ihre Lohnforderungen.

Wenn die Münchhausen-Methode wirklich wirken würde, müssten Italien, Spanien oder Griechenland heute blendend dastehen. Tun sie aber nicht, obwohl die Arbeitskosten, sprich Löhne, im Vergleich zu Deutschland kräftig gestiegen sind.

Nein, wenn es um die Wettbewerbsfähigkeit geht, kann sich Deutschland nicht an den Lahmsten in der Euro-Zone orientieren. Nicht die Deutschen müssen ihre Kosten erhöhen, sondern die Krisenländer ihre Kosten senken, zweifellos ein schmerzhafter Prozess.

Anzumerken bleibt: In kaum einem Land werden höhere Löhne in der Industrie gezahlt als in Deutschland, von „Lohndumping“ keine Spur. Der Exporterfolg ist eben nicht nur mit dem Preis zu erklären, er hat auch was mit der Qualität der Produkte zu tun.