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S&P vergibt Spitzennote an Deutschland

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Foto: REUTERS

Die Ratingagentur Standard &'Poor's stufte mehrere Staaten der Euro-Zone in ihrer Kreditwürdigkeit herab. Nur noch vier Länder besitzen nun den AAA-Status. Deutschland wird für seine Wirtschaft gelobt.

Für Frankreich und Österreich wurde Freitag, der 13., seinem schlechten Ruf gerecht: Die amerikanische Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) entzog den beiden Euro-Ländern am späten Freitagabend erstmals die Spitzenbewertung für ihre Kreditwürdigkeit. Auch sieben weitere Mitgliedsstaaten der Euro-Zone, darunter Italien, Portugal und Spanien, wurden herabgestuft. Das dürfte die Kreditaufnahme für diese Länder tendenziell weiter verteuern.

Ganz anders Deutschland: Die Bundesrepublik zählt weiter zu den – nunmehr nur noch vier – Euro-Staaten, die die Spitzennote, das sogenannte Triple A, bekommen. Und mehr noch: Während den drei anderen AAA-Ländern, also Finnland, Luxemburg und den Niederlanden, weiter eine Herabstufung droht, nennt S&P Deutschlands Ausblick „stabil“. Das bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit, das AAA bis Ende 2013 zu verlieren, bei weniger als einem Drittel liegt – selbst wenn Deutschland in diesem Jahr in eine Rezession rutschen sollte.

In einer Stellungnahme preist S&P „Deutschlands moderne, in hohem Maße diversifizierte und wettbewerbsfähige Wirtschaft sowie die umsichtige Fiskalpolitik und Ausgabendisziplin der Regierung“. Die Wirtschaft habe zudem eine große Widerstandskraft bewiesen. Man erwarte, „dass die Staatsfinanzen weiterhin potenziellen finanziellen und ökonomischen Belastungen standhalten werden“. Erst wenn die Staatsverschuldung von netto knapp 80 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf 100 Prozent steigen sollte, sei mit einer Herabstufung der deutschen Kreditwürdigkeit zu rechnen.

Standard & Poor's begründet die Abwertung anderer Euro-Länder vor allem damit, dass es noch immer „keinen ausreichenden Durchbruch“ zur Lösung der Euro-Krise gebe. Konkret konzentrierten sich die Regierungschefs zu einseitig auf den Abbau von Haushaltsdefiziten; demgegenüber werde der Frage, wie die Wettbewerbsfähigkeit der Krisenländer wiederhergestellt werden könne, zu wenig Beachtung geschenkt.

Die Forderung nach entschlosseneren Maßnahmen kommt auch von anderen namhaften Institutionen. Europa sei „die größte Gefahr für die Weltwirtschaft“, sagte James Dimon, Chef der amerikanischen Großbank JP Morgan Chase, Morgenpost Online. Nun müsse „dringend“ eine Lösung gefunden werden: „Je länger sich das Problem hinzieht, desto geringer werden die Chancen für einen glimpflichen Ausgang.“ Robert Zoellick, der Präsident der Weltbank, sieht dabei nicht zuletzt die Deutschen in der Pflicht. „Deutschland sollte anderen Ländern Anreize bieten, wenn sie Reformen erfolgreich umsetzen“, sagte Zoellick am Mittwoch. Diese Reformen müssen nach Ansicht von Rainer Brüderle angesichts der Neubewertungen durch S&P beschleunigt werden. „Um im Wettbewerb mit anderen Regionen weiter mithalten zu können, müssen wir jetzt einen klaren Wachstumskurs einschlagen“, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende. Tatsächlich ist aber fraglich, wie weit der Reformeifer der Euro-Partner reicht. Nach Informationen von Morgenpost Online droht der geplante europäische Stabilitätsvertrag in zentralen Punkten verwässert zu werden.

Demonstrativ gelassen reagierte am Sonnabend Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie fühle sich in ihrer Auffassung bestätigt, dass „wir in Europa noch einen längeren Weg vor uns haben“, sagte die CDU-Chefin. Die Euro-Zone solle den Fiskalpakt jetzt „noch schneller“ fertigstellen und nicht versuchen, ihn „an allen Ecken und Enden“ wieder aufzuweichen.

Die Spitzen der Euro-Zone versuchten, Diskussionen um die Topbonität für den Rettungsschirm im Keim zu ersticken. „Die Teilhaber der EFSF bekräftigen ihre Entschlossenheit, die Möglichkeiten für die Bewahrung des AAA-Ratings zu prüfen“, sagte Euro-Gruppen-Präsident Jean-Claude Juncker.

Die Kreditwürdigkeit von Unternehmen, Banken oder Staaten wird von Ratingagenturen bewertet. Sie sind damit äußerst einflussreiche, aber auch umstrittene Akteure auf dem Finanzmarkt. Dabei fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit bedeutendsten Ratingagenturen sind: Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.

Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. AAA ist die Bestnote Beispielsweise bei Standard & Poor's und bei Fitch; Moody's bezeichnet sie mit Aaa. Es folgen AA, A, BBB, BB, B, CCC, CC, C. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab BB+ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ genannt wird. Die Skala reicht bis D, das bedeutet, dass die Zahlungsunfähigkeit, also die Pleite, des Schuldners eingetreten ist.