Bonität

Standard & Poor's stuft gleich neun Euro-Länder ab

Die gute Nachricht zuerst: Deutschland behält seine Topbonität. Die schlechte Nachricht: Frankreich und Österreich verlieren ihr "AAA". Und die Ratingagentur Standartd & Poor’s setzte sieben weitere Euro-Länder herab, manche gleich um zwei Stufen.

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Die Ratingagentur Standard & Poor's hat an neun Euroländer, darunter Frankreich, Italien und Spanien, schlechtere Noten für ihre Kreditwürdigkeit vergeben. Deutschland behält sein Top-Rating „AAA“, Frankreich verliert erstmals diese Bestnote, was bereits zuvor offiziell geworden war. Dies gilt als problematisch, weil die Herabstufung der Bonität der zweitgrößten Euro-Volkswirtschaft auch Auswirkungen auf den Rettungsfonds EFSF für Krisenstaaten haben könnte.

Frankreich und Österreich wurden von der Bestnote „AAA“ um je eine Stufe auf „AA+“ herabgesetzt. Die Bonität von Italien, Spanien, Portugal und Zypern ging gleich um zwei Stufen in den Keller. Malta, die Slowakei und Slowenien büßten eine Stufe ein. Als Grund wurde von S&P genannt, dass die bisherigen politischen Maßnahmen unzureichend seien, um die anhaltenden Spannungen in der Eurozone wie etwa schwaches Wachstum zu beseitigen. Deutschland behielt nicht nur sein Spitzenrating, auch der Ausblick ist stabil. Das heißt, dass keine Herabstufung in nächster Zeit zu erwarten ist.

S&P hatte im Dezember fast die gesamte Eurozone, darunter auch Deutschland, sowie den EFSF unter „verschärfte Beobachtung“ gestellt. Eine Veröffentlichung neuer Ratings war deshalb für dieses Jahr erwartet worden.

In der Eurozone haben damit außer Deutschland nur noch Finnland, Luxemburg, und die Niederlande ein Top-Rating, weltweit sind es abgesehen von Hongkong 13 Staaten. Erwartet wird, dass auch die Ratingagenturen Moody's und Fitch in nächster Zeit neue Bewertungen veröffentlichen werden.

Abstufung "keine Katastrophe"

Die Herabstufung Frankreichs" sei keine Katastrophe, betonte Wirtschaftsminister François Baroin am Freitagabend im französischen Fernsehen. „Es sind nicht die Ratingagenturen, die Frankreichs Politik diktieren.“

Die Abstufung dürfte es für die betroffenen Länder schwerer und teurer machen, sich frisches Geld am Kapitalmarkt zu leihen. Damit steigt der Druck auf ganz Europa.

Das Hauptproblem: Frankreich ist eine zentrale Figur in den Rettungsbemühungen für die gesamte Eurozone. Doch Glück im Unglück: Die Ratingnote geht nur um eine Stufe zurück auf ein immer noch sehr gutes „AA+“. Die mächtige Ratingagentur Standard & Poor's hatte ursprünglich eine Absenkung um gleich zwei Stufen erwogen.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte zuvor gelassen auf die drohende Herabstufung reagiert: „Wir haben uns ja in den letzten Monaten zunehmend weltweit darauf verständigt, wir sollten die Rating-Agenturen auch nicht überschätzen in ihren Beurteilungen“, sagte er dem Fernsehsender RTL. Dass es eine große Verunsicherung bei den Finanzmärkten gegenüber der Eurozone insgesamt gebe, sei ja nicht neu. Bundeskanzlerin Angela Merkel wollte sich erst Sonnabend äußern.

Auch die französische Budgetministerin Valérie Pécresse bemühte sich um beruhigende Worte. „Frankreich ist ein sicherer Wert, es kann seine Schulden zurückzahlen und das Defizit hat sich zuletzt besser entwickelt als erwartet“, sagte sie dem Fernsehsender BFMTV. Spitzenvertreter der französischen Regierung trafen sich am Abend zu Beratungen im Elyséepalast.

Auch Deutschland unter Beobachtung

S&P hatte im Dezember insgesamt 15 Eurostaaten unter verschärfte Beobachtung gestellt, darunter auch Deutschland. Die Abstufung kommt insofern überraschend, als sich die Lage zuletzt entspannt hatte. Europas Staaten waren am Kapitalmarkt wieder leichter und günstiger an frisches Geld gelangt; die Börsenkurse hatten sich von ihren Tiefständen erholt.

Warum S&P nun ausgerechnet an einem Freitag dem 13. mit einer Herabstufung herauskommen ist, ist unklar. Die Agentur lehnte vorerst jeden Kommentar ab. Ratingagenturen sind jedoch verpflichtet, ihre Schritte im Vorfeld den betroffenen Regierungen zu melden. Deshalb wusste Frankreichs Wirtschaftsminister auch bereits im Vorfeld Bescheid.

Kursrutsch an den Börsen

Erste Gerüchte über eine bevorstehende Abstufung hatten am Freitagnachmittag an den europäischen Börsen einen Kursrutsch ausgelöst. Bis zum Börsenschluss beruhigte sich die Lage aber wieder etwas. Der deutsche Leitindex Dax schloss 0,58 Prozent tiefer bei 6143,08 Punkten. Der französische Aktienindex CAC 40 verlor am Ende 0,1 Prozent. Auch der Euro gab deutlich nach und fiel zwischenzeitlich um zwei Cent auf bis zu 1,2624 Dollar.

Die Konsequenzen insbesondere aus einer Herabstufung Frankreichs könnten fatal sein. Die „Financial Times“ zitierte einen namentlich nicht genannten Amtsträger, dass dies die gesamte Konstruktion des Euro-Rettungsfonds EFSF in Frage stellen könnte. Auch dessen Bonitätsnote steht unter verschärfter Beobachtung.

Investoren flüchteten sich am Freitag in die als sicher geltenden deutschen Staatsanleihen. Marktanalyst Robert Halver von der Baader Bank riet allerdings, die Eurozone solle sich „nicht kirre machen lassen“. Eine Bonitätsabstufung hält er für „absolut ungerechtfertigt“. Die Europäische Zentralbank habe zuletzt entschlossen gehandelt und für eine Entspannung an den Märkten gesorgt. Auch führende Volskwirte reagierten gelassen.

Den Informationen zufolge blieben neben Deutschland nur noch die kleineren Staaten Niederlande, Finnland und Luxemburg mit einem sogenannten Triple-A-Rating übrig. Ein „AAA“ bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit eines Staatsbankrotts faktisch ausgeschlossen wird. Investoren leihen den Ländern ihr Geld deshalb zu besonders günstigen Konditionen.

Sarkozy unter Druck

Frankreich steht wegen seines hohen Staatsdefizits seit Monaten unter erheblichem Druck der Märkte. Angesichts der sich eintrübenden Wirtschaftslage musste die Regierung innerhalb weniger Monate zwei Sparprogramme ankündigen, um die Ziele beim Schuldenabbau einhalten zu können.

Die Herabstufung könnte auch die Chancen des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy beeinträchtigen, bei der bevorstehenden Präsidentschaftswahl eine zweite Amtszeit zu gewinnen. Die französische Opposition nutzte die Nachrichten 100 Tage vor den Wahlen für heftige Kritik. „Letztendlich wird diese Präsidentschaft die des Verfalls von Frankreich sein, des finanziellen Verfalls, des sozialen Verfalls und des moralischen Verfalls“, sagte der sozialistische Senatsabgeordnete François Rebsamen.

Nach Angaben aus dem französischen Wirtschaftsministerium dürfte die Herabstufung dem Land Mehrkosten von zwei Milliarden Euro pro Jahr bescheren. S&P hatte jüngst allerdings betont, dass es keine systematische Korrelation zwischen dem Rating eines Landes und den Zinsen gebe, die es an den Finanzmärkten zahlen müsse.

In der Tat müssen die USA heute trotz des Verlusts ihrer eigenen Topbonität im Sommer eher geringere Zinsen berappen – was aber in erster Linie daran liegt, dass viele Investoren sich aus Europa zurückgezogen haben und einen sicheren Hafen für ihr Geld suchten.