Ratingagentur

Frankreich und Österreich vor Verlust der Top-Bonität

Die Finanzkrise hat sich weiter verschärft. Offenbar will die US-Ratingagentur Standard & Poor's Frankreich und Österreich die Bestnote AAA entziehen. Der Euro-Kurs sank.

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Die Bewertungsagentur Standard & Poor's (S&P) wollte laut Dow Jones Newswires Frankreichs Schulden noch am späten Abend herabstufen , laut „Financial Times“ auch Österreich. Das könnte nicht nur höhere Zinsen für die beiden Staaten bedeuten, sondern auch für weitere Länder. Der Euro-Rettungsschirm EFSF könnte dadurch ebenfalls seine Top-Bonität verlieren, wodurch sich seine Ausleih-Kapazität deutlich verringern könnte.

Auf dem Zweitmarkt stiegen die Zinsen für italienische und spanische Papiere stark. Deshalb kaufte die Europäische Zentralbank (EZB) erneut Anleihen dieser Staaten. Gespräche über einen Schuldenschnitt Griechenlands mussten ergebnislos vertagt werden. Deutschland behält nach Angaben aus EU-Kreisen seine Top-Bonitätsbewertung. „Deutschland ist nicht dabei“, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person Dow Jones Newswires. Weder von der Bundesregierung noch vom EFSF war zunächst eine Stellungnahme zu erhalten.

Regierungen, die von einer Heruntersetzung ihrer Kreditwürdigkeit betroffen sind, erhalten im Regelfall sechs bis zwölf Stunden zuvor eine Vorwarnung. Im Dezember hatte S&P bereits öffentlich eine Herabstufung der Eurozone angedroht.

Nachdenken über Freiwilligkeit

Auch die Verhandlungen Griechenlands mit Vertretern privater Banken über einen Schuldenschnitt blieben ohne Ergebnis. Es werde erwartet, dass sie am Mittwoch wieder aufgenommen würden, verlautete aus Regierungskreisen in Athen. Die Gespräche seien in angespannter Atmosphäre verlaufen, hieß es zuvor in Verhandlungskreisen. Der Internationale Bankenverband (IIF) bestätigte die Unterbrechung der Verhandlungen, „um über den Nutzen eines freiwilligen Ansatzes nachzudenken“, wie es in einer vom IIF verbreiteten Erklärung hieß.

Die von den Banken bei der EZB geparkten Gelder erreichten in der Nacht auf Freitag einen neuen Höchststand. Nach Mitteilung der EZB waren bei der Zentralbank gut 490 Milliarden Euro zum minimalen Zinssatz von 0,25 Prozent angelegt. Die Einlagen der Banken in dieser „Angstkasse“, deren Stand als Indikator des gegenseitigen Misstrauens der Geldinstitute gilt, sind damit sei Jahresbeginn kontinuierlich gestiegen.

Italien nimmt frisches Geld auf zu niedrigeren Zinsen

Dabei hatte Italien noch am Morgen zu niedrigeren Zinsen dreijährige Papiere über 4,75 Milliarden Euro verkauft. Der Eurokurs sank nach der Auktion dennoch, die Berichte über mögliche Herabstufungen von Euroländern drückten ihn später weiter unter 1,27 Dollar.

In Italien sank am Morgen der Zins für im November 2014 fällige Anleihen gegenüber der letzten Auktion von 5,66 auf 4,83 Prozent. Für bis 2018 laufende Staatspapiere zog der Zinssatz dagegen im Vergleich zur letzten Auktion leicht von 5,62 auf 5,75 Prozent an.

Nach den Berichten über eine bevorstehende Herabstufung von Eurostaaten durch die Ratingagentur Standard and Poor's verlor die Gemeinschaftswährung weiter und sank am Nachmittag unter 1,27 US-Dollar. Nach den beiden sehr guten Anleiheauktionen von Italien und Spanien mit nachgebenden Zinssätzen am Donnerstag hätten Anleger auf ein ähnlich gutes Ergebnis gehofft, sagten Händler. Nach der Auktion sei die gute Stimmung aus dem Markt gewichen.

Westerwelle will nach Athen

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) wollte am Sonntag zu politischen Gesprächen nach Athen reisen. Am Montag wollte die Troika aus EU-Kommission, EZB und Internationalem Währungsfonds in Athen über das neue Rettungsprogramm beraten. Das Team muss die Umsetzung der griechischen Reformen prüfen und analysieren, ob die bisher geplante Hilfe von 130 Milliarden Euro aus den Euro-Staaten und ein Verzicht von 100 Milliarden Euro seitens der Banken und Fonds zur Vermeidung eines Staatsbankrotts ausreichen.