US-Banken

Trotz Rekordgewinns trüben sich die Aussichten ein

JP Morgan Chase erwirtschaftet einen Jahresgewinn von 19 Milliarden Dollar. Das wird in diesem Jahr aber nicht mehr zu schaffen sein.

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Es will etwas heißen, wenn selbst der stets gutgelaunte Jamie Dimon zugibt, dass der Gewinn seiner Bank im vierten Quartal „etwas enttäuschend“ ausgefallen ist. Nach 4,83 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum strich J.P. Morgan Chase in den letzten drei Monaten des Jahres 2011 gut 20 Prozent weniger ein: Der Gewinn der größten Bank der Vereinigten Staaten belief sich auf 3,73 Milliarden Dollar.

J.P. Morgan gilt in der Bankenbranche derzeit als das Vorzeigeinstitut schlechthin: Die Bank hat in der Finanzkrise in keinem einzigen Quartal einen Verlust ausgewiesen. Dimon nutzte die Gunst der Stunde und kaufte die angeschlagenen Konkurrenten wie Bear Stearns oder Washington Mutual zu einem günstigen Preis auf.

Gepaart mit einer erfolgreichen Geschäftspolitik gelang dem 55-jährigen Star der Wall Street ein Meisterstück: Seine Bank wurde in der Finanzkrise immer stärker und stärker. Konkurrenten wie Bank of America oder Citigroup hat er längst abgehängt.

Genau deshalb schaute die Branche gespannt auf die Zahlen, die J.P. Morgan nun vorlegte. Das Resultat ist ernüchternd: Gleich zu Börsenbeginn verlor nicht nur J.P. Morgan 4,5 Prozent, sondern zog auch gleich andere Papiere der Branche mit nach unten.

Zwar lag der Gewinnrückgang im Rahmen der Analystenschätzungen. Die Ergebnisse zeigten jedoch, dass die Banken mit starkem Gegenwind zu kämpfen hätten, sagte Rick Meckler von Libertyview Capital Management. Die Schuldenkrise und die abkühlende Konjunktur hinterließen ihre Spuren in den Bankbilanzen.

JP Morgan steht noch am besten da

Auch die Analysten der Schweizer Bank UBS warnen vor einem „schwierigen Umfeld“ für Banken in den nächsten sechs Monaten. J.P.Morgan sehen sie dabei aber im Branchenvergleich noch am besten positioniert. Doch auch bei der Vorzeigebank brachen im Investmentbanking die Erträge um über die Hälfte ein. Der Hauptgrund: Investoren halten sich bei dem volatilen Marktumfeld zurück.

Dass Jamie Dimon dennoch nicht ganz das Lachen vergeht, hat er dem guten ersten Halbjahr zu verdanken. J.P. Morgan Chase verdiente in diesen Monaten so gut, dass es im Gesamtjahr für ein Rekordergebnis reichte: Satte 19 Milliarden Dollar (14,9 Milliarden Euro) Gewinn schrieb die Bank in ihre Bücher. So viel hatte sie nie zuvor verdient. „Ich bin stolz auf die Arbeit unserer 260.000 Mitarbeiter“, erklärte Dimon.

Während im vergangenen Jahr die Banken weltweit Tausende Stellen abbauten , schuf J.P. Morgan 20.000 neue Jobs. Jedoch nicht im Investmentbanking: Hier schrumpfte die Mitarbeiterzahl leicht von 26.300 auf 26.000. In dieser volatilen Sparte musste J.P. Morgan einen Rückgang der Einnahmen von rund 30 Prozent hinnehmen.

Weniger Boni für Investmentbanker

Das spüren die gut bezahlten Investmentbanker direkt auf ihrem Konto, denn der Großteil des Gehalts ist direkt an den Erfolg oder Misserfolg des Arbeitgebers geknüpft. Und so schrumpften die Boni bei J.P. Morgan Chase im vergangenen Jahr merklich: Statt rund 370.000 Dollar wie im Vorjahr bekamen die Investmentbanker nun im Schnitt noch einen Scheck über annähernd 342.000 Dollar (267.000 Euro).

Am Dienstag nächster Woche legen Wells Fargo und die Citigroup ihre Zahlen vor, am Mittwoch Goldman Sachs und am Donnerstag schließlich die Bank of America und Morgan Stanley. In Europa beginnt die sogenannte Bilanzsaison etwas später: Den Auftakt macht Anfang Februar die Deutsche Bank.