Insolvenz

Druckmaschinenbauer Manroland droht Zerschlagung

Für den Druckmaschinenbauer Manroland läuft die Zeit ab. Gespräche mit Investoren können die Angst der Mitarbeiter nicht zerstreuen.

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Der Raureif liegt noch auf den Dächern im sächsischen Plauen, es ist bitterkalt. Doch das hält die Beschäftigten von Plamag, einer Tochter des insolventen Druckmaschinenherstellers Manroland, nicht davon ab, zu Hunderten auf die Straße zu gehen.

In grünen Neonwesten gekleidet ziehen sie durch die Innenstadt bis zur örtlichen Arbeitsagentur. Einige halten Schilder in die Höhe, die so bunt sind, dass sie an Pop-Art von Andy Warhol erinnern. „Platt machen geht nicht“, steht darauf geschrieben – so knallbunt kann nur demonstrieren, wer bei einem Druckmaschinenhersteller arbeitet.

Es sind entscheidende Tage für Manroland . Insolvenzverwalter Werner Schneider steckt in der Schlussphase von Verhandlungen über einen Verkauf des Traditionsunternehmens. Am kommenden Dienstag möchte er die Belegschaften in Augsburg, Offenbach und Plauen über den Sanierungsplan informieren. Doch schon am Montag könnten Details durchsickern. Wie es heißt, verhandelt Schneider mit mehreren Interessenten, von denen einer aus Deutschland kommt. Eine Zerschlagung der Gruppe mit 6200 Mitarbeitern gilt als wahrscheinlichstes Szenario.

Manroland war im November in die Insolvenz gerutscht, nachdem Verkaufsgespräche mit der Schweizer Beteiligungsgesellschaft Capvis gescheitert waren. Da sich die Eigner, Allianz Capital Partners und der Münchener Lastwagenbauer MAN, weigerten, ein weiteres Mal frisches Geld in das Unternehmen zu stecken, musste die Geschäftsführung den Insolvenzantrag stellen .

Die Zeit drängt nun. Schneider hat sich nur bis Ende Januar Zeit gegeben, einen Investoren zu präsentieren. Zum einen trägt die Arbeitsagentur nur noch bis dahin die Personalkosten. Zum anderen dürfte Schneider auch fürchten, dass die anhaltende Unsicherheit über die Zukunft des Unternehmens, Kunden verschreckt.

Vor allem im Geschäft mit teuren Rollendruckmaschinen, die etwa zum Druck von Tageszeitungen verwendet werden, sind Käufer auf Zusagen angewiesen, dass Maschinen über Jahrzehnte hinweg gewartet werden können.

Branche in Dauerkrise

Einfache Verhandlungen dürften es nicht sein. Die Druckmaschinenbranche steckt in einer ernsten Dauerkrise. Zeitungen und Zeitschriften werden immer häufiger online gelesen. Manroland-Konkurrenten wie Marktführer Heidelberger Druck sowie das Würzburger Unternehmen König & Bauer spüren diesen Druck bereits. Die Branche beklagt massive Überkapazitäten in der Produktion.

Käufer dürften es darum weniger auf die Produktionskapazitäten von Manroland abgesehen haben als auf die Kundenbasis. Verdienen könnte man etwa am laufenden Servicegeschäft, etwa mit Wartungsarbeiten. Darüber hinaus hätte ein Investor bessere Chancen, Neuaufträge von bestehenden Manroland-Kunden zu erhalten. Das Unternehmen unterhält ein teils engmaschiges globales Vertriebs- und Servicenetzwerk.

Als ein möglicher Interessent für den Rollendruck in Augsburg wurde immer wieder König & Bauer gehandelt. Das Würzburger Unternehmen hatte vor einem Monat grundsätzliches Interesse an Gesprächen mit Insolvenzverwalter Schneider signalisiert. Für eine Stellungnahme war das Unternehmen am Freitag nicht erreichbar. Als möglicher Interessent gilt auch Shanghai Electric. Der chinesische Konzern, der unter anderem mit Siemens in der Windkraft kooperiert, kaufte bereits vor Jahren von Heideldruck den US-Druckmaschinenhersteller Goss, einen Spezialisten für Rollendruck.

Denkbar ist auch, dass ein branchenfremder Maschinenbauer einsteigt. Die bayerische Landesregierung erklärt, sie stehe im „engen Austausch“ mit Schneider, Bürgschaften seien „nach derzeitigem Stand“ aber nicht vorgesehen. In Augsburg beschäftigt Manroland knapp 2220 Mitarbeiter .

Zukunft tausender Mitarbeiter ist ungewiss

Die Zukunft des Werks im hessischen Offenbach ist ebenfalls ungewiss. Hier stellen knapp 1780 Mitarbeiter Maschinen für den Bogendruck her. Solche Maschinen werden zwar häufiger benötigt als etwa die Rollendruckmaschinen, allerdings herrscht hier ein mörderischer Wettbewerb. Wie es in der Branche heißt, hat Manroland wichtige Investitionen verschlafen und hinkt technologisch den Rivalen hinterher.

Der Marktanteil war auch deswegen in den vergangenen zehn Jahren um die Hälfte auf sieben bis neun Prozent eingebrochen. Gewerkschaften und Oppositionspolitiker riefen die schwarz-gelbe Landesregierung dazu auf, stärker um den Standort zu kämpfen. SPD-Oppositionsführer Thorsten Schäfer-Gümbel war der Regierung auf einer Kundgebung „Schlafmützigkeit“ vor.

Verhandlungen über eine Zukunft des Werks im sächsischen Plauen dürften sich indes am längsten hinziehen. Hier sondiert Schneider derzeit noch die Interessenten. Am Freitag etwa führte er informierten Personen zufolge ein Gespräch mit einem deutschen Mittelständler. Das Werk stellt Komponenten für den Rollendruck in Augsburg her, arbeitet aber auch für Drittfirmen. Sachsens Wirtschaftsstaatssekretär Hartmut Fiedler (FDP) möchte Investoren mit umfangreichen Finanzhilfen locken. Es könnten großzügig Bürgschaften vergeben werden, erklärte er gegenüber der „Welt“. Bedingung dafür sei allerdings ein nachhaltiges Geschäftskonzept.

Dass ein Verkauf ohne Jobkürzungen einhergeht, ist nicht zu erwarten. Planspielen zufolge könnte jeder zweite Job bei Manroland wegfallen. Um diesen Jobabbau möglichst sozialverträglich zu gestalten, sagten Allianz Capital Partners sowie MAN zu, eine Auffang- und Transfergesellschaft mit 24 Millionen Euro zu finanzieren. Die Allianz wird davon knapp 17 Millionen Euro beisteuern, den Rest MAN.

Fiedler erklärte indes, mit den Alteignern zusammen über ein möglicherweise größeres Engagement verhandeln zu wollen. Manroland bemüht sich unterdessen um das Vertrauen der Kunden. „Die Produktion an den deutschen Standorten läuft ohne Einschränkungen weiter“, heißt es in Augsburg. Zwei große Rollendruckmaschinen seien kürzlich in Betrieb genommen worden, eine weitere stehe vor der Auslieferung.

Bis Ende Januar werde man 29 Bogendruckmaschinen im vorläufigen Insolvenzverfahren ausgeliefert haben. Zudem reiche der Auftragsbestand aus, die Werke über ein Jahr hinaus auszulasten. Die Mitarbeiter beruhigt das kaum. Stefan Kademann, Bezirksbevollmächtiger der IG Metall Zwickau warnte vor den schlimmen Folgen eines Endes der Produktion in Plauen und mahnte eine schnelle Lösung an: „Uns läuft allmählich die Zeit davon.