"Mein Unterricht.de"

Online-Schreibtisch soll Lehrern Arbeit erleichtern

Zwei Studenten wollen mit einem Online-Portal Lehrern bei der Arbeit helfen. Vor allem junge Lehrer hätten positiv auf die Idee eines Online-Schreibtisches reagiert.

Foto: WON / WON/Günther Lachmann

Weil Lehrer so oft Ferien haben, schimpfte Ex-Kanzler Gerhard Schröder sie einst "faule Säcke" - und erhielt dafür reichlich offenen und noch mehr heimlichen Applaus. Sowohl in der Beschimpfung als auch im Beifall schwang das Vorurteil mit, Lehrer hätten nicht nur mehr Urlaub als jeder andere Abreitnehmer, sie arbeiteten im Grunde auch nur halbtags, nämlich dann wenn sie unterrichten.

Solche Fälle mag es geben, in der Regel aber sieht der Arbeitsalltag von Lehrern eben doch ein wenig anders aus. Denn wenn sie nicht unterrichten, korrigieren Lehrer Klassenarbeiten, Tests oder Hausaufgaben, sie beraten besorgte Eltern und sitzen in unzähligen Konferenzen. Vor allem aber bereiten sie den Unterricht vor. Und das ist, nicht nur in den ersten Jahren des Berufslebens, eine aufwendige Arbeit. Wenn Lehrer ihre Aufgabe ernst nehmen, verbringen sie auch nach Jahrzehnten im Schulalltag unzählige Stunden mit der auf jede Klasse individuell zugeschnittenen Vorbereitung des Unterrichts, weiß Stefan Appelhans als Sohn einer Lehrerin nur zu gut.

Irgendwann während seines Studiums der Wirtschaftswissenschaften kam ihm gemeinsam mit Benjamin Wüstenhagen die Idee, wie er Lehrern diese Arbeit erleichtern und für sich ein Geschäft daraus machen könnte. "Wir wollen den Lehrern einen Online-Schreibtisch einrichten, auf dem sie alles finden, was sie für den Unterricht brauchen“, sagt Appelhans.

Derzeit planen die Wirtschaftswissenschaftler gemeinsam mit den fünf Mitarbeitern ihres Unternehmens " K-lab “ ein Internetportal mit eigener Suchfunktion, einem umfangreichen Fundus an Unterrichtsmaterialien und persönlichen Ordnern. Heißen soll es "Mein Unterricht.de“. "Unser Ziel ist es, Lehrern die Arbeit mit dem klugen Einsatz moderner Technologie leichter zu machen und dabei vielleicht sogar die Qualität der Unterrichtsvorbereitung erhöhen“, sagt Wüstenhagen.

Im vergangenen Jahr haben sie an allen Schulformen hierzu ausführliche Gespräche mit Lehrern über Schwierigkeiten und Wünsche im Zusammenhang mit der Unterrichtsvorbereitung geführt. "Die Lehrer suchen ständig nach brauchbaren Projektor-Folien, Handbüchern oder Arbeitsheften“, sagt Wüstenhagen. "Immer müssen sie sich das Material zeitaufwendig in Bibliotheken oder in Buchläden zusammensuchen. “

Vor allem junge Lehrer hätten positiv auf die Idee eines Online-Schreibtisches reagiert. Sie hätten sofort die vielfältigen Möglichkeiten erkannt, die sich aus dem geplanten Online-Angebot ergäben. Die älteren Pädagogen seien erwartungsgemäß zurückhaltender gewesen. "Abgelehnt hat die Idee jedoch niemand“, sagt Appelhans.

Mindestens so wichtig sie die Einschätzung der Lehrer war den Jungunternehmern die Bewertung ihrer Geschäftsidee durch die Verleger von Unterrichtsmaterialien. Denn ohne die Verleger ist das Geschäft schlichtweg unmöglich. Schließlich sollen die Verleger ihre Lehrmittel künftig auch über den Online-Schreibtisch der beiden Jungunternehmer vertreiben.

Funktionieren soll das so: Sucht ein Lehrer etwa nach einem Grammatik-Arbeitsheft, findet er eine Vielzahl verfügbarer Angebote über die Suchfunktion im Fundus des Schreibtisches. Mit einem Klick wählt er das passende Exemplar aus. Aus verschiedenen Arbeitsheften kann der Lehrer an seinem Computer schnell ein gezielt auf das Lernniveau seiner Klasse abgestimmte Unterrichtsvorlage erarbeiten. Er speichert sie auf dem Schreibtisch in seinen Unterlagen. Weil das Portal im Internet steht, also überall verfügbar ist, kann er in der Schule daran weiterarbeiten und es dort für die Klasse ausdrucken.

Auch Schüler mit einbeziehen

Anders als die meisten Angebote im Internet kann "Mein Unterricht.de“ soll nicht kostenlos sein. "Damit wir und die Verlage etwas daran verdienen, benötigen wir 5000 Lehrer, die bei uns ein Monats-Abo zu einem zweistelligen Euro erwerben“, sagt Wüstenhagen. Wer ein solches Abo kauft, hat dann freien Zugriff auf alle Materialien, die die Verlage über das Internetportal anbieten.

Auf der Bildungsmesse "Didacta“ am 15. Februar 2012 in Hannover wollen die Jungunternehmer ihre Idee erstmals dem Fachpublikum öffentlich präsentieren. In den Büroräumen in Berlin-Kreuzberg wird jedoch schon über diesen Termin hinaus gedacht. "Unsere Vorstellungen für die Zukunft beziehen die Schüler mit ein“, sagen die beiden. "Wir gehen davon aus, dass Lehrer und Schüler bald ganz selbstverständlich primär mit diesen neuen Technologien arbeiten. Lehrer werden die Leistung ihrer Schüler individuell auf dem Laptop einem Tablet-PC oder gar auf dem Smartphone nachverfolgen und bewerten können.“

Bis es an deutschen Schulen soweit ist, dürfte allerdings wohl noch einige Zeit vergehen.