Deutsche Börse und NYSE

EU-Wettbewerbskommissar will Börsenfusion stoppen

Die Fusion von Deutscher Börse und der New Yorker Nyse Euronext steht auf der Kippe. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia befürchtet eine Monopolstellung des dann weltweit größten Börsenplatzes.

Die Mega-Fusion von Deutscher Börse und der New Yorker Nyse Euronext droht zu platzen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia habe den Börsenbetreibern signalisiert, den neun Milliarden Dollar schweren transatlantischen Zusammenschluss blockieren zu wollen, wie die Nachrichtenagentur Reuters aus gut informierten Kreisen erfuhr.

Deutsche-Börse-Chef Reto Francioni und Nyse-Chef Duncan Niederauer wollen nun versuchen, dass Ruder mit einer Lobby-Offensive in letzter Minute herumzureißen und die Fusion zum weltgrößten Börsenbetreiber doch noch abzuschließen.

Die Börsen wollen in einem neuen Konzern aufgehen, aus dem der größte Börsenbetreiber der Welt mit Handelsplätzen in Frankfurt, New York, Paris, Lissabon, Amsterdam und Brüssel entstünde. Die US-Regierung hatte für die Pläne kurz vor Weihnachten grünes Licht gegeben; die Zustimmung der EU-Kommission steht noch aus.

Die EU fürchtet aber eine mögliche Dominanz der neuen Börse auf dem Derivatemarkt. Im November hatten beide Börsenbetreiber den Wettbewerbsbehörden in Brüssel bereits Zugeständnisse vorgeschlagen und unter anderem angeboten, Teile ihres Derivatehandels abzutreten und ihn weiter als ursprünglich geplant für Wettbewerber zu öffnen. Im Dezember erweiterten sie ihre Zugeständnisse noch.

Die Erfolgsaussichten sind nach Ansicht von Experten aber gering. „Die Wahrscheinlichkeit, dass der Deal noch durchgeht, sinken damit auf 20 Prozent“, erklärte UBS-Analyst Arnaud Giblat. Deutsche-Börse-Aktie notierten am Mittwoch dennoch kaum verändert – die meisten Analysten haben den Zusammenschluss in ihre Berechnungen bisher noch nicht einkalkuliert.

Die zuständigen Beamten von Almunia, das sogeannte Case-Team, hatte bereits im Dezember erhebliche Bedenken gegen den Zusammenschluss angemeldet und will Insidern zufolge nun zusammen mit dem Wettbewerbskommissar für ein Veto gegen die Fusion plädieren. Theoretisch könnte das Kollegium der 27 EU-Kommissare Almunia überstimmen, dies wäre allerdings sehr ungewöhnlich. Das Kollegium wird Insidern zufolge wohl Anfang Februar entscheiden.

Den EU-Wettbewerbshütern ist besonders die Marktmacht des fusionierten Unternehmens im Handel mit Optionen und anderen Derivate-Papieren ein Dorn im Auge. Die Deutsche-Börse-Tochter Eurex und die zur Nyse gehörende Londoner Liffe kämen im Derivate-Handel an europäischen Börsen zusammen auf einen Marktanteil von über 90 Prozent. Den außerbörslichen Handel (OTC), der einen Großteil des Marktes ausmacht, blendete die Behörde dagegen aus.

Diese – aus Sicht der Börse falsche - Betrachtungsweise wollen die Unternehmen nun in den Gesprächen mit den übrigen Kommissaren und der Politik thematisieren, wie einer der Insider Reuter sagte. Die EU-Kommission will in den nächsten Jahren Teile des Handels und der Abwicklung an die regulierten Börsen zurückbringen.

Lobby-Offensive geplant

Die Börsen-Chefs Francioni und Niederauer wollen nun unter anderem in der Politik um Unterstützung werben, die sich Insidern zufolge in Brüssel bisher kaum für den Zusammenschluss eingesetzt hat. In den nächsten Wochen seien Treffen mit Regierungsvertretern aus verschiedenen europäischer Länder geplant, sagte ein Insider. Zudem wollten Francioni und Niederauer am Weltwirtschaftsforum in Davos Ende Januar teilnehmen, um dort bei einflussreichen Wirtschaftsführern für ihre Sache zu werben.

Parallel arbeiten die Lobbyisten von Deutscher Börse und Nyse bei den Kommissaren in Brüssel mit Hochdruck für die Fusion. Die meisten Kommissare haben bisher keinerlei Präferenz erkennen lassen. Lediglich EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier zeigte bisher öffentlich Sympathien für den Zusammenschluss. „Wir möchten, dass die europäischen Börsenplätze stark sind, dass sie eine globale Dimension haben und dass sie ihre Rolle spielen“, hatte er in einem Reuters-Interview im April 2011 gesagt.

Entscheidung bis zum 9. Februar

Beide Unternehmen hatten in zähen Verhandlungen in Brüssel versucht, die Bedenken zu zerstreuen, und eine Reihe von Zugeständnissen gemacht. Sie boten an, überlappende Derivate-Bereiche in Europa sowie das Liffe-Derivategeschäft auf europäische Einzelaktien zu verkaufen. Zudem hätten Konkurrenten ihre Derivate-Geschäfte über die Börsen-Tochter Eurex Clearing abwickeln dürfen. Den Kunden versprachen die Börsen, die Preise für Derivate-Kontrakte drei Jahre lang konstant zu halten.

Die EU will spätestens bis 9. Februar eine Entscheidung fällen. Davor könne man nichts kommentieren, bestätigen oder dementieren, erklärte die Kommission. Deutsche Börse und NYSE haben nach eigenen Angaben noch keine Entscheidung der Kommission erhalten. „Und zu Spekulationen äußern wir uns grundsätzlich nicht.“ Auch die „Financial Times“ hatte berichtet, dass Almunia und seine Expertengruppe gegen die Fusion votieren will.

(Reporter: Andreas Kröner und Edward Taylor in Frankfurt, Paritosh Bansal in New York, John O'Donnell und Illona Wissenbach in Brüssel)

REUTERS

111122 Jan 12

Fusion Deutscher Börse mit NYSE Euronext droht an EU zu scheitern

– Kommission will Pläne bis spätestens 9. Februar prüfen =

Brüssel, 11. Januar (AFP) – Die Zustimmung der EU-Kommission zur geplanten Fusion der Börsenbetreiber Deutsche Börse und NYSE Euronext ist ungewiss. Es sei „nicht sicher“, dass die Kommission die Pläne in ihrer derzeitigen Form akzeptiere, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Quelle am Dienstagabend in Brüssel. EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia habe gegen die geplante Fusion noch immer Vorbehalte. Die Börsen wollen in einem neuen Konzern aufgehen, aus dem der größte Börsenbetreiber der Welt mit Handelsplätzen in Frankfurt, New York, Paris, Lissabon, Amsterdam und Brüssel entstünde.

Die US-Regierung hatte für die Pläne kurz vor Weihnachten grünes Licht gegeben; die Zustimmung der EU-Kommission steht noch aus. Die EU fürchtet aber eine mögliche Dominanz der neuen Börse auf dem Derivatemarkt. Im November hatten beide Börsenbetreiber den Wettbewerbsbehörden in Brüssel bereits Zugeständnisse vorgeschlagen und unter anderem angeboten, Teile ihres Derivatehandels abzutreten und ihn weiter als ursprünglich geplant für Wettbewerber zu öffnen. Im Dezember erweiterten sie ihre Zugeständnisse noch. Die EU will die Pläne nun bis spätestens 9. Februar prüfen.

Die EU-Kommission äußerte sich selbst am Dienstag nicht zu der geplanten Fusion. Die Deutsche Börse und NYSE Euronext erklärten, noch keine Informationen über die Position der Kommission erhalten zu haben. Spekulationen würden sie nicht kommentieren.