Emnid-Umfrage

Deutsche glauben der Arbeitslosenstatistik nicht

72 Prozent der Bürger vertrauen den offiziellen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit nicht. Besonders hoch ist das Misstrauen in Ostdeutschland.

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Drei von vier Bürgern in Deutschland misstrauen der monatlich von der Bundesagentur für Arbeit veröffentlichten Arbeitslosenstatistik. Nach einer Emnid-Umfrage im Auftrag der "Bild am Sonntag" glauben 72 Prozent den Zahlen nicht, nur 27 Prozent halten sie für glaubwürdig.

Besonders groß ist das Misstrauen in Ostdeutschland, wo gerade einmal 9 Prozent die Zahlen für seriös halten. Im Westen sind es hingegen 31 Prozent. Vor kurzem war bekannt geworden, dass mehr als 100.000 ältere Menschen bei der Bundesagentur für Arbeit registriert sind, ohne in der Arbeitslosenstatistik mitgezählt zu werden.

Aus der Statistik der Bundesagentur verschwinden aber viele Jobsuchende, die den 58. Geburtstag bereits hinter sich haben. Das liegt an einer Sonderregelung, die 2008 von der großen Koalition eingeführt wurde: Wer mindestens 58 Jahre alt ist und wenigstens zwölf Monate Arbeitslosengeld II (Hartz IV) bezieht, ohne ein Jobangebot bekommen zu haben, gilt nicht als arbeitslos.

Im November 2011 waren dies bereits knapp 105.000 Personen, wie das Arbeitsministerium im Dezember in seiner Antwort auf die Grünen-Anfrage mitteilt. Das sind nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) 16 Prozent mehr als vor einem Jahr – und so viele wie noch nie.

Nach den offiziellen Zahlen war die Lage am Arbeitsmarkt im November ungewöhnlich gut. Im Vergleich zum Oktober nahm die Zahl der arbeitslos gemeldeten Menschen um 24.000 auf 2,713 Millionen ab , wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg Ende Novemember mitgeteilt hatte. Das ist der niedrigste November-Wert seit 1991. Der Index der offenen Stellen stieg auf einen Rekordwert. Die Arbeitslosenquote verringerte sich auf 6,4 Prozent. Mit seiner Robustheit zeigt sich der deutsche Arbeitsmarkt auch deutlich stabiler als der gesamteuropäische.