Aareal Bank

Gallisches Dorf unter den Banken trotzt der Krise

Die aus der DePfa hervorgegange Aareal Bank schreibt seit 2006 stets Gewinne, wenn auch eher kleine. Ihr Zaubertrank heißt Vorsicht.

Foto: pa/obs/Aareal Bank / Pictures Alliance/dpa

In seiner Freizeit fängt er Fische mit bloßen Händen, zu seinen Lieblingsanwendungen auf dem Smartphone zählt die Rolling-Stones-App. Wer dem Mann mit dem hünenhaften Äußeren einmal die Hand geschüttelt hat, ahnt, dass Wolf Schumacher kein gewöhnlicher Bankmanager ist. Weder im Privatleben, noch im Geschäft.

Seit 2005 steht Schumacher der Aareal Bank vor. Der Wiesbadener Immobilienfinanzierer ist nach der Deutschen Bank und der Commerzbank die dritte börsennotierte Bank Deutschlands. Doch während die beiden anderen unter der Schuldenkrise stöhnen, meldet die Aareal Bank eine Jubelbotschaft nach der anderen.

Die Ergebnisse zum Halbjahr waren so erfreulich, dass das Institut das Gewinnziel für das Gesamtjahr kurzerhand nach oben revidiert hat. Im dritten Quartal steigerte sie das Ergebnis im Vergleich zum Vorjahr um satte 42 Prozent: Unter dem Strich blieben 24 Millionen Euro in der Kasse. Anstatt Risiken zu verringern, wie das sämtliche Banken landauf, landab tun müssen, zeichnen die Wiesbadener munter Neugeschäft: Von Juli bis September schloss die Aareal Bank neue Verträge mit einem Gesamtvolumen von drei Milliarden Euro ab – im Vorquartal waren es noch 1,8 Milliarden Euro gewesen.

Was war der Zaubertrank?

„Wir sind wie ein gallisches Dorf in der Bankenlandschaft“, sagt ein Mitarbeiter und grinst. Doch aus welchem Zaubertrank hat Schumacher einen kräftigen Schluck genommen? Wie kann eine Bank so erfolgreich sein, die noch wenige Jahre zuvor ein Sanierungsfall war?

Rückblende: Anfang 2009 machte die Bank große Schlagzeilen, allerdings negative. Denn die Aareal war die erste Bank in Deutschland, die nach der damaligen Verschärfung der Finanzkrise beim Rettungsfonds SoFFin Hilfe holte. Insgesamt stützte der Staat die Bank mit 525 Millionen Euro in der Form stiller Einlagen und vier Milliarden Euro an Garantien. Das sei vor allem mit Blick auf die Zukunft als Absicherung gedacht, hieß es zur Begründung.

Der Aktienkurs der Aareal hatte durch die Immobilien- und Finanzkrise stark gelitten – wie die gesamte Branche. Das Risiko, dass der Markt dem Institut Liquidität verweigern könnte, war Schumacher zu heiß. Nur keinen falschen Stolz zeigen, war sein Motto – in einer Zeit, als etwa Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann jegliches Staatsgeld ablehnte.

Strategie der Vorsicht

Die Aareal Bank reagierte damals mit ihrer Strategie der Vorsicht auf die Tatsache, dass sich die ersten Krisenfolgen in der Bilanz bemerkbar machten: Das Eigenkapital ging trotz Gewinn im Geschäftsjahr 2008 um 13 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro zurück. Die Bank nahm Wertberichtigungen vor, die am Eigenkapital zehrten. Und dennoch: In jedem Quartal der Finanzkrise lieferte die Bank einen Gewinn ab. Das hat noch nicht einmal Branchenprimus Deutsche Bank geschafft, die im Vergleich zu anderen Instituten ebenfalls relativ souverän durch die Krise gekommen ist.

Verluste hatte es bei der Aareal zum letzten Mal 2005 geben. Damals, als Schumacher an die Spitze des Instituts wechselte, war die Bank ein Sanierungsfall: Das Institut, das bis 2002 noch DePfa Deutsche Bau-und Boden Bank, geheißen hatte, fuhr 2004 ein Minus von 195 Millionen Euro ein, auch 2005 stand noch ein Minus von 90 Millionen Euro in den Büchern.

In einem Sechs-Punkte-Programm versuchte Schumacher die Bank auf ein neues Fundament zu stellen. Konsequent baute er das Portfolio an notleidenden Krediten ab, er verschlankte die Organisationsstruktur der Bank, löste ganze Abteilungen auf und gliederte sie anderen Einheiten ein. Er stellte sämtliche Beteiligungen auf den Prüfstand und verkaufte davon letztendlich 20 Prozent.

Keine Schrottimmobilien

Erste Ergebnisse zeigten sich schnell: Schon 2006 verzeichnete die Bank wieder ein positives Betriebsergebnis, der Prozentsatz der wackligen Kredite sank von über zehn Prozent 2004 auf knapp zwei Prozent 2007.

Dadurch startete die Aareal Bank besser in die Finanzkrise als Mitbewerber wie Eurohypo oder Hypo Real Estate. „Aareal hat auch in guten Zeiten nie mehr Risiko genommen als sie sollte“, sagt Dirk Becker, Bankenexperte beim Analysehaus Kepler Capital Markets.

Während andere sich 2007 die Bücher mit fraglichen Immobilienkrediten voll luden, hielt die Aareal Bank ihr Portfolio besenrein. „Die Aareal ist ihrem konservativen Profil treu geblieben. Davon profitiert sie bis heute“, so Becker weiter. Kaum eine andere Immobilienbank sei so gut im Management von Großkrediten wie Aareal.

Verlässlichkeit vor Rendite

Doch die konservative Ausrichtung hat auch eine Kehrseite: Eine vergleichsweise niedrige Verzinsung des eingesetzten Kapitals. Traumrenditen wirft die Aareal nicht ab. Allerdings ist sie daran auch gar nicht interessiert. Sie sieht ihre Rolle vielmehr als verlässlicher Bankpartner. Das soll auch die harte Kernkapitalquote spiegeln: Überdurchschnittliche 11,5 Prozent beträgt sie derzeit. Doch darin stecken noch immer stille Einlagen vom Bankenrettungsfonds SoFFin. Im Sommer hat die Bank die ersten 150 Millionen Euro zurückbezahlt.

Dass der Rest nicht im gleichen Atemzug beglichen wurde, hängt Analysten zufolge vor allem mit den Ratingagenturen zusammen: Sie würden die Bank möglicherweise herabstufen, wenn die staatlichen Millionen fehlen. So würde es für die Bank teurer, sich zu refinanzieren, was Aareal-Chef Schumacher verhindern will.

Expansion in der Schuldenkrise

Zwar kann sich die Aareal zumindest zum Teil mit direkten Kundeneinlagen finanzieren, da sie Miet- und Kautionseinnahmen aus der Wohnungswirtschaft erhält. Doch das allein reicht nicht aus. Letztlich hat die Aareal einen wunden Punkt: Sie ist auf das Vertrauen der Kapitalmärkte angewiesen. Verspielt sie es, trocknet ihr Geldfluss aus.

Dafür gibt es derzeit allerdings keine Anzeichen. Noch fließt der Bank so viel Geld zu, dass sie mitten in der Staatsschuldenkrise expandieren kann. Einstige Konkurrenten haben in der Finanzkrise deutlich an Schlagkraft eingebüßt. Die Landesbanken wurden von der EU-Kommission eingebremst, die Hypo Real Estate ist vollverstaatlicht, die Eurohypo kann aufgrund des Kapitalproblems der Konzernmutter Commerzbank kein Neugeschäft mehr zeichnen – und so bleiben die Sahnehäubchen des Geschäfts für die Aareal Bank.

Wenn Schumacher also keine Fehler in der Pflege macht, wird er in ein paar Jahren nicht nur in seiner Freizeit fette Fische an Land ziehen. Denn so gut gerüstet für die wohl weiter stürmischen Zeiten scheint kaum eine Bank zu sein.