Einkommensreport

Berlin - von bayrischen Gehältern weit entfernt

Das Online-Portal Stepstone hat 60.000 Arbeitnehmer zu ihrem Gehalt befragt. Der Report zeigt, Berliner verdienen viel weniger als Angestellte in Süddeutschland. Welche Branchen und Regionen lukrativ sind.

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Über Geld redet man nicht, Geld hat man: Die meisten Deutschen haben sich diesen Spruch zu Herzen genommen. So ist die Höhe des Gehalts in Deutschland immer noch ein Tabuthema. Das bestätigt eine Umfrage der Online-Jobbörse Stepstone unter 7120 Fach- und Führungskräften. Ein Drittel der Befragten gab an, mit niemandem, ein weiteres Drittel nur mit den engsten Freunden und der Familie über ihren Lohn zu sprechen. Lediglich 16 Prozent antworteten, dass sie ganz offen – also auch mit ihren Kollegen – über ihr Einkommen reden.

Die Deutschen sind damit verschwiegener als die meisten ihrer europäischen Nachbarn. Im europäischen Durchschnitt spricht immerhin jeder vierte offen über sein Gehalt. Die Österreicher sind Stepstone zufolge die Europameister in Sachen Diskretion. Zwei von drei Befragten sprechen überhaupt nicht über ihr Gehalt, nicht einmal mit den engsten Freunden. Am freizügigsten gehen die Franzosen mit dem Thema um, jeder zweite spricht offen über sein Einkommen.

Mehr Transparenz könnte der neue Stepstone-Gehaltsreport bringen, für den das Online-Portal die Angaben von 60.000 Fach- und Führungskräfte ausgewertet hat. Demnach gibt es große Verdienstunterschiede, teilweise von bis zu 40 Prozent. In den Bundesländern mit den niedrigsten Arbeitslosenquoten, Bayern (51.900), Baden-Württemberg (50.200) und Hessen (51.100) werden die höchsten Gehälter bezahlt. In Berlin hingegen liegt das das durchschnittliche Jahreseinkommen nur bei 39.900 Euro. Am niedrigsten sind die Gehälter aber in den ostdeutschen Flächenländern. In Brandenburg sind es nur 35.400 Euro im Jahr, beim Schlusslicht Mecklenburg-Vorpommern sogar nur 32.000 Euro.

Wirtschaftliche Teilung

Das Ranking spiegelt wie auch andere Bestenlisten die wirtschaftliche Teilung der Bundesrepublik mit einem kraftstrotzendem Süden, solidem Westen und Norden sowie schwachem Osten. Wobei Berlin unter den Ostländern noch den besten Wert hat. Warum das so ist, zeigt auch ein Blick in die Branchen, die am besten beziehungsweise schlechtesten zahlen. So können Arbeitnehmer in der Pharma-, Chemie- und Autoindustrie mit Durchschnittgehältern zwischen 55.700 und 57.700 Euro (ohne variables Gehalt) rechnen. Deren größte Unternehmen sitzen vor allem in Bayern und Baden-Württemberg sowie Hessen.

Aller Aufregung um hohe Bankergehälter zum Trotz landen Banken und Finanzdienstleister mit Durchschnittsgehältern von 54.900 und 53.900 Euro im Branchenvergleich erst auf dem sechsten und siebten Platz. Auch der Maschinenbau, eine der deutschen Vorzeigebranchen, liegt mit Platz zehn und 53.400 Euro nur im Mittelfeld. Dies mag aber auch an der mittelständischen Struktur der Branche liegen: Denn je größer das Unternehmen, desto mehr wird auch gezahlt – durch alle Branchen hinweg.

Berlins Wirtschaft wird von kleinen Unternehmen geprägt, zudem dominieren in der Hauptstadt Dienstleister. Dort wiederum werden die geringsten Gehälter gezahlt, wie die Studie zeigt. Schlusslichter unter den Branchen ist die Gastronomie gefolgt vom Handwerk. Auch bei Gesundheit und sozialen Diensten sowie Werbung und Marketing klaffen große Gehaltsabstände zur Pharma- und Autoindustrie. Doch gerade in solchen Servicebetrieben arbeiten viele Berliner.

Einmal mehr wird außerdem deutlich: Gute Ausbildung zahlt sich aus. So liegt das Bruttojahresgehalt eines habilitierten Professors bei 83.000 Euro an der Spitze der Einkommensskala. Eine Promotion bringt 66.800 Euro, und damit rund 11.000 Euro mehr als ein Diplomabschluss. Sechs besonders gefragte Berufsfelder hat die Online-Börse detailliert untersucht. An der Spitze liegen danach Mediziner mit einem Durchschnittsgehalt von 61.700 Euro, gefolgt von IT-Entwicklern mit 61.300 Euro und Ingenieuren mit 59.300 Euro. Auf Platz vier liegen Fachleute für Finanz und Rechnungswesen mit 52.400 Euro, knapp dahinter Marketing und Vertrieb mit 52.300 Euro und schließlich Personalberater mit 50.000 Euro. Das sind allerdings nur Durchschnittswerte, je nach Berufserfahrung, Verantwortung und Unternehmensgröße können die Gehälter stark variieren. So liegt das Einstiegsgehalt eines Mediziners im Schnitt bei 39.000 Euro. Ein erfahrener Arzt mit hoher Verantwortung kommt dagegen auf 97.700 Euro. In diese Gehaltshöhen stoßen dem Report zufolge noch nicht einmal die Investmentbanker (89.000 Euro) vor.

Je größer die Berufserfahrung, desto höher das Gehalt. Aber nach zehn Jahren ist Schluss. „Das Gehalt von Akademikern steigt bis zum zehnten Arbeitsjahr kontinuierlich, danach sind erst einmal nur noch kleine Gehaltserhöhungen drin“, heißt es im Report. Wer in den ersten Berufsjahren gut verhandele, schaffe eine gute Basis für sein zukünftiges Einkommen.

Europaweit beteiligten sich 14.000 Kandidaten an der Umfrage des Online-Portals. Stepstone, das zur Axel-Springer AG („Bild“, Berliner Morgenpost) gehört, ist mit mehr als sieben Millionen Besuchen im Monat eines der führenden Online-Stellenmärkte in Deutschland.