Ernst&Young-Studie

Deutsche haben kaum Angst vor Jobverlust

Der Euro-Krise zum Trotz: Nur Geringverdiener machen sich etwas Sorgen. Konsumenten könnten eine wichtige Säule der Konjunktur werden.

Foto: Infografik Welt Online

Die Deutschen blicken optimistisch ins neue Jahr. Trotz Euro-Schuldenkrise und trüber Konjunkturaussichten machen sich die Bundesbürger kaum Sorgen um ihren Arbeitsplatz, zudem sind sie mit ihrer finanziellen Situation und ihrem allgemeinen Lebensstandard überwiegend zufrieden.

Das geht aus einer aktuellen Verbraucherumfrage der Wirtschaftsberatungsgesellschaft Ernst&Young hervor, die Morgenpost Online exklusiv vorliegt. „Die Verbraucher in Deutschland stemmen sich tapfer gegen den Schwall düsterer Konjunkturprognosen“, kommentiert Studienleiter Thomas Harms. Drei von vier Deutschen sehen die Zukunft positiv, zitiert er aus der Umfrage. Von einer Krise sei derzeit im Alltag der Menschen nichts zu spüren.

Geringverdiener haben die größte Angst vor Arbeitslosigkeit

Denn fast 90 Prozent der insgesamt 2000 befragten Verbraucher halten den eigenen Arbeitsplatz für sicher. Damit bleibt das gute Gefühl aus dem konjunkturstarken Vorjahr erhalten. 2008 und 2009 dagegen hatte noch jeweils jeder fünfte Bundesbürger Angst um seinen Arbeitsplatz.

Am unsichersten sind derzeit noch Geringverdiener mit einem Haushaltseinkommen von weniger als 25.000 Euro pro Jahr. In dieser Gruppe haben mit 19 Prozent mehr als drei Mal so viele der Befragten Angst vor einem Jobverlust als bei den Besserverdienern mit mindestens 50.000 Euro Jahreseinkommen.

Diesem Sicherheitsgefühl entsprechend liegt auch die Bewertung der eigenen finanziellen Lage aktuell auf einem hohen Niveau. 37 Prozent der Verbraucher bezeichnen sie als positiv, 51 Prozent als zumindest gleich und nur zwölf Prozent beklagen eine schlechte finanzielle Situation.

Vor allem junge Verbraucher rechnen mit Gehaltssteigerungen

Für die kommenden Monate rechnet die Mehrheit der Verbraucher dann mit einem gleichbleibenden Haushaltseinkommen . Immerhin jeder Fünfte aber geht davon aus, dass ihm im neuen Jahr mehr Geld zur Verfügung stehen wird. Dabei rechnen zum einen die jungen Verbraucher unter 35 Jahren überdurchschnittlich oft mit Gehaltssteigerungen.

Zum anderen erwarten Personen mit einem Nettoeinkommen von über 50.000 Euro häufig weitere Zuwächse. „Der private Konsum könnte also im Jahr 2012 eine wichtige Stütze der deutschen Wirtschaft sein“, sagt Harms mit Verweis auf die anstehende Rentenerhöhung und merklich steigende Reallöhne.

Allerdings gibt es auch erste Anzeichen, dass die Verbraucher bereits vorsichtiger werden. So zeigt die Befragung, dass jeder Zweite bei größeren Einzelanschaffungen sparen will, also etwa beim Kauf eines Autos oder einer Küche. Kürzer treten wollen die Deutschen zudem bei den Ausgaben für Urlaubsreisen und die Freizeitbeschäftigung sowie bei Restaurantbesuchen.

Während zehn Prozent der Befragten mehr Geld in der Gastronomie ausgeben wollen, planen 31 Prozent Budgetkürzungen beim Essengehen. Dafür zeigen sich die Umfrageteilnehmer aber bei Lebensmitteln spendabel: Jeder Dritte plant höhere Ausgaben für Nahrungsmittel, nur jeder Zehnte will sich hier zurückhalten.

Als Grund für diese teils aufkommende Vorsicht und Sparsamkeit nennt Harms die Angst vor weiter steigenden Energiepreisen sowie die Unsicherheit durch die europäische Schuldenkrise. Das anhaltende Gezerre um die Euro-Rettung führt dementsprechend auch zu einer pessimistischen Einschätzung der allgemeinen Wirtschaftslage in Deutschland: Schon 40 Prozent der Befragten glauben an eine Verschlechterung der Konjunkturaussichten für die heimischen Unternehmen.

Konsumenten könnten die Wirtschaftsentwicklung stützen

Im Vorjahr sahen lediglich 25 Prozent schwarz für die deutsche Wirtschaft. Damit nähert sich dieser Wert wieder dem des Krisenjahres 2008. Laut der damaligen Umfrage hatten 61 Prozent der Bundesbürger Sorgen um die Zukunft der Wirtschaft. „Gerade die Bestellungen aus dem Euro-Raum gehen zurück, zur Jahreswende dürfte die Konjunktur stark abbremsen.

Das wird auch die anhaltend gute Entwicklung in den Schwellenländern nicht vollständig ausgleichen können“, sagt Thomas Harms. Wenn es den Regierungen aber gelinge, eine Eskalation der Krise zu verhindern und das Vertrauen in die Eurozone wieder zu stärken, spreche viel dafür, dass die Konsumenten in Deutschland eine wichtige Säule der Wirtschaftsentwicklung sein können, prognostiziert der Leiter des Bereichs Handel und Konsum bei Ernst&Young.

2011 war dies bereits der Fall. Beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) jedenfalls ist im aktuellen Konjunktur-Bulletin vom „besten Konsumjahr seit zehn Jahren“ die Rede. Die deutschen Verbraucher hätten mit ihren Einkäufen im vergangenen Jahr einen wichtigen Beitrag zum Wirtschaftswachstum geleistet.

Der Verband schätzt den Anstieg des privaten Verbrauchs auf 1,2 Prozent. Vor allem die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt habe den Konsum gestützt. Dem Statistischen Bundesamt zufolge waren im Schnitt 41,04 Millionen Bundesbürger in Lohn und Brot. Das sind nicht nur 1,3 Prozent oder 535.000 mehr als im Vorjahr, gleichzeitig handelt es sich auch um den höchsten Wert seit der Wiedervereinigung.

Auswirkungen auf den Konsum hatte dem DIHK zufolge aber nicht nur die gute Lage auf dem Arbeitsmarkt. Auch der zuletzt wieder deutlich verlangsamte Anstieg der Verbraucherpreise hat die Kauflaune befeuert. Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet daher – auch preisbereinigt – mit einem leichten Umsatzplus im Jahr 2011.

Die letzten Wochen vor Weihnachten brachten viel Umsatz

Der mäßige Start des Weihnachtsgeschäfts hatte zuletzt noch Sorgen geweckt, dass die bisherige Umsatzprognose von zwei Prozent auf dann 413 Milliarden Euro verfehlt wird. In den beiden letzten Wochen des Jahres gab es aber noch einmal einen Ansturm auf die Innenstädte und die Online-Händler, berichtet HDE-Geschäftsführer Kai Falk. Genaue Zahlen will der Verband Ende Januar vorlegen.

Dem DIHK zufolge soll die positive Entwicklung im Einzelhandel auch in den kommenden Monaten weiter anhalten. Die Geschäftserwartungen der Branche seien überwiegend optimistisch, heißt es im Konjunktur-Bulletin. Die Gefahr einer Rezession sieht die Organisation vorerst nicht.