10. Geburtstag

Die letzten Geheimnisse der Euro-Scheine

Vor zehn Jahren hielten die Europäer die ersten Euro-Scheine in den Händen. Noch heute stecken in den Banknoten überraschende Details.

Wer kann auf Anhieb sagen, was genau auf einem 20-Euro-Schein zu sehen ist? Er ist blau, das fällt sicher jedem sofort ein, vielleicht auch noch die Tatsache, dass darauf Bögen und Brücken zu sehen sind. Auch Sicherheitsmerkmale wie das Wasserzeichen oder der Sicherheitsfaden sind noch recht bekannt. Aber sonst?

Seit genau zehn Jahren halten die Europäer die Scheine Tag für Tag in Händen, insgesamt 17 Länder gehören heute der Euro-Zone an. Drei weitere Staaten, die den Euro nutzen, prägen eigene Münzen (Vatikan, Monaco, San Marino) und zwei Länder, die nicht zur EU gehören (Montenegro und Kosovo), nutzen statt einer eigenen Währung ebenfalls den Euro. 14,3 Milliarden Scheine gibt es mittlerweile – mehr als Dollar-Noten.

Doch trotz dieser großen internationalen Bedeutung sind uns die Scheine oft noch seltsam fremd. Dabei gibt es darauf einiges zu entdecken . Das meiste davon wird sich auch nicht ändern, wenn wie geplant 2013 oder 2014 eine neue Banknotenserie in Umlauf gebracht wird.

Einige Details dürften jedoch eine Überarbeitung erfahren – was und warum, das wird klar, wenn man sich die Scheine etwas genauer ansieht. Mitunter muss man dazu zwar sogar eine Lupe zu Hilfe nehmen. Doch es lohnt sich. Denn auf der kleinen Entdeckungsreise durch die Welt der Euro-Scheine warten viele spannende und überraschende Details.

1. Die Kürzel für die EZB

Die fünf Kürzel am oberen Rand der Vorderseiten stehen für die Europäische Zentralbank – das ist sicher jedem klar. Doch welche Sprachen verbergen sich hinter den jeweiligen Akronymen? Die ersten drei dürften leicht zu entschlüsseln sein.

BCE ist in diversen romanischen Sprachen gebräuchlich (z. B. französisch Banque Centrale Européenne), ECB ist im Niederländischen sowie einigen slawischen Sprachen üblich (z. B. slowakisch Európska Centrálna Banka) und EZB ist den Deutschen ohnehin vertraut. EKT indes ist die griechische Abkürzung – es ist nur ein Zufall, dass die drei griechischen Buchstaben gleichzeitig auch im lateinischen Alphabet vorkommen.

EKP wiederum steht für die finnische und estnische Kurzform der Notenbank. Beim geplanten Neu-Design der Scheine sollen übrigens vier weitere Abkürzungen hinzukommen: (Bulgarisch), EKB (Ungarisch), BC?E (Maltesisch) und EBC (Polnisch).

2. Die Europa-Karte

Große Mühe haben sich die Gestalter der Scheine bei der Europa-Karte gegeben. Dort ist nicht nur der Umriss der Landmasse zu sehen, auch diverse Inseln wurden eingezeichnet. Westlich der Iberischen Halbinsel, weit draußen im Atlantik, sind die Azoren und Madeira zu erkennen, südlich davon die Kanaren. Links daneben stehen vier Kästchen, die weitere Landesteile und Inseln umrahmen.

Dabei handelt es sich ganz links um Französisch-Guayana, das in Südamerika liegt. Die drei übereinanderstehenden Kästchen daneben zeigen (von oben nach unten) Guadeloupe, Martinique und Réunion, also französische Überseeterritorien, die in der Karibik bzw. vor Madagaskar (Réunion) liegen. Doch so genau man hier auch war: Mit Zypern fehlt andererseits ein komplettes Mitgliedsland auf der Karte.

3. Das griechische Alphabet

Ein Euro ist immer ein Euro – aber manchmal auch nicht. In diversen Sprachen wird der Name der Währung anders ausgesprochen oder geschrieben. So heißt er auf Maltesisch beispielsweise „Ewro“ und auf Lettisch „Eiro“. Dennoch hat die EU festgeschrieben, dass die Währung in offiziellen Dokumenten immer einheitlich als Euro bezeichnet werden muss, ansonsten wäre das Durcheinander einfach zu groß.

Daher erscheint auch nur das Wort „Euro“ auf den Scheinen – die griechische Form nutzt dabei nur ein anderes Alphabet , übertragen lautet sie aber auch „Euro“. Allerdings soll künftig als dritte Form noch das Bulgarische „EBPO“ hinzukommen, was übertragen eben nicht „Euro“, sondern „Evro“ bedeutet, weil die Währung auf Bulgarisch so heißt. Ursprünglich wollte die EU die Regierung zwar überreden, die Bezeichnung im Bulgarischen per Gesetz zu ändern. Am Ende gab Brüssel aber nach.

4. Die nicht existenten Gebäude

Die Darstellungen auf den Euro-Scheinen sind recht langweilig. Das liegt daran, dass hier nur fiktionale Bauwerke und Brücken abgebildet werden, die es in der Realität gar nicht gibt. Der Grund: Man konnte sich nicht auf eine Auswahl realer Gebäude einigen. Die Modelle sollen daher die verschiedenen Stilepochen nachempfinden, die fast überall in Europa in den vergangenen Jahrhunderten parallel existierten.

Es beginnt auf dem 5-Euro-Schein mit der Klassik, es folgen Romanik (10 Euro), Gotik (20 Euro) und Renaissance auf dem 50-Euro-Schein. Seltener zu Gesicht bekommen die Bürger Barock/Rokoko des 100-Euro-Scheins, Bauten des Industriezeitalters vom 200er sowie die Darstellung aktueller Architektur auf dem 500er.

5. Der häufigste Schein

Wenig überraschen dürfte, dass von allen Scheinen der 50er am häufigsten vorkommt. Am seltensten sind dagegen 200-Euro-Noten. Erstaunlicherweise gibt es jedoch mehr als dreimal so viele 500er, und wenn man den Wert der Noten betrachtet, so machen diese sogar mehr als ein Drittel des ?Gesamtwerts aller Euro-Noten aus. Sie rangieren damit noch ?vor den 50ern.

Mehr noch: Seit 2002 hat sich die Zahl der 50-Euro-Scheine vervierfacht, die der 500er aber verzehnfacht. Ein Grund dürfte sein, dass sich Letztere am besten dazu eignen, große Mengen Bargeld zu transportieren. Dies wiederum ist jedoch vor allem zur Bezahlung von Schwarzarbeit oder kriminellen Handlungen notwendig. Ein relativ großer Teil der 500er soll daher auch im Ausland, insbesondere in Osteuropa zirkulieren. Aber auch in Spanien war deren Umlauf während des Baubooms bis 2007 besonders groß.

6. Die Barcodes und Seriennummern

Barcodes findet man gewöhnlich auf Verpackungen im Supermarkt. Doch auch die Euro-Scheine enthalten ähnliche Strichcodes. Zu erkennen sind sie, wenn man die Rückseite gegen das Licht hält, links vom Wasserzeichen. Dunkle Streifen stehen für die Zahl 1, helle Streifen für eine 0. Der Barcode des 50-Euro-Scheins lautet 01101010. Die Codes unterscheiden sich je nach Wert des Scheins, Computer können ihn dadurch leichter auslesen.

Die Seriennummer verrät, welches Land den Schein in Umlauf gebraucht hat. X steht dabei für Deutschland. Allerdings heißt dies nicht, dass der Schein auch dort gedruckt wurde, denn die Zentralbanken beauftragen sich gegenseitig mit dem Druck, und einige drucken nur bestimmte Scheine.

Den Druckort verrät der Plattencode. Er befindet sich meist in einem der Sterne auf der Vorderseite, beim 50-Euro-Schein jedoch am rechten Bildrand. Der erste Buchstabe verweist dabei auf die Druckerei. Im Beispiel (M023D4) ist es die staatliche Druckerei in Madrid, die Bundesdruckerei in Berlin nutzt „R“.

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