Hektik an den Tankstellen

Warum 2011 der Benzinpreis 254 mal erhöht wurde

So ein Auf und Ab an der Zapfsäule gab es noch nie: 2011 wurden die Preise für Normalbenzin, Super und Diesel an Deutschlands Tankstellen an 254 Tagen des Jahres erhöht und an 362 Tagen gesenkt. Insgesamt war Sprit 2011 eher günstiger. Aber jetzt steigen die Preise wieder.

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Aral hat mitgezählt: 254 mal haben die Tankstellen in Deutschland in diesem Jahr bis zum Mittwoch die Preise angehoben. Dem standen tägliche Preissenkungen an 362 Tagen gegenüber, wie Aral ausgerechnet hat. Zum Vergleich: Vor zwölf Jahren gab es 43 Preiserhöhungen in einem Jahr, also nicht einmal eine pro Woche. Aral gehört zum BP-Konzern und ist mit knapp 2500 von insgesamt 14. 400 Tankstellen an Deutschlands Straßen Marktführer.

Aber nicht nur ändern sich die Preise öfter, auch die Preissprünge selbst fallen deutlich größer aus: Früher lagen die Preisunterschiede einer Anhebung oder Senkung bei einem oder zwei Cent. Heute beobachten Autofahrer Unterschiede von mehr als zehn Cent.

Branche sieht Beweis für Wettbewerb - Kartellamt zweifelt

Die Branche wertet die häufigen Preisveränderungen als Beleg für einen besonders intensiven Wettbewerb, Politik und Kartellbehörden unterstellen den Unternehmen dagegen gern Willkür und überhöhte Preise. „Ohne die immer wiederkehrenden Erhöhungsversuche hätte die gesamte Branche, große wie kleine Anbieter, deutliche Verluste gemacht“, sagte Aral-Vorstand Stefan Brok. „Der deutsche Tankstellenmarkt zählt zu den wettbewerbsintensivsten in Europa.“ Dafür spreche, dass die Preise ohne Steuern im unteren Drittel der 27 EU-Länder liegen.

Das Bundeskartellamt hatte dagegen in einer Untersuchung festgestellt, dass ein Oligopol aus fünf Firmen (Aral, Shell, Esso, Total, Jet) den deutschen Markt dominiere und auch ohne kartellwidrige Absprachen zu gleichgetakteten Preisen komme. So gingen Aral und Shell bei Preiserhöhungen voraus, der Rest der Branche folge. Die Politik hatte daraufhin ergebnislos über Maßnahmen diskutiert, die Preise zu verstetigen und die häufigen Schwankungen zu unterbinden. Bei genauem Hinsehen würden derartige Eingriffe in den Markt tendenziell zu eher höheren Preisen führen. Illegale Absprachen aber kann das Kartellamt den Konzernen bislang nicht nachweisen.

Benzin war 2011 insgesamt eher günstig

Aral testet gerade ein neues Provisionsmodel an rund 200 Tankstellen, durch das Preisschwankungen verringert werden sollen. Kern des Systems ist es, dass ein Tankstellenpächter nach einer Preisanhebung nicht so rasch wie bislang eine Preissenkung in der Aral-Zentrale beantragt und den hohen Preis länger beibehält. Für diese Zeit soll der Pächter eine erhöhte Provision je Liter bekommen. "Der Test läuft noch, was dabei herauskommt, ist noch nicht absehbar", hieß es bei Aral.

Im Verlauf des Jahres 2011 war Benzin im Februar eher günstig, im September dagegen am teuersten. Diesel erreichte im November den Jahreshöchststand. Auch Rohöl schaffte einen Rekord: Im Jahresdurchschnitt kostete ein Barrel (159 Liter) 111 Dollar. Aktuell steigen die Preise nach Angaben des ADAC wieder an. Superbenzin E10 kostet im Durchschnitt 1,507 Euro und damit 4,4 Cent mehr als in der Vorwoche. Diesel verteuerte sich noch kräftiger um 4,6 Cent auf 1,423 Euro je Liter.

Der E-10-Flop beunruhigt den Markt

Besondere Unruhe im Markt herrschte in diesem Jahr durch die Einführung des Biosprits E10 mit zehn Prozent Ethanol. Die Mineralölkonzerne versuchten zunächst, den gewöhnlichen Kraftstoff mit fünf Prozent Ethanol aus dem Markt zu nehmen und E10 so zur Standardsorte zu machen. Die Autofahrer wollten E10 jedoch trotz großen Preisabstands zu Super plus nicht akzeptieren. Die Einführung von E10 kam so ins Stocken. Mittlerweile ist E10 bundesweit überall erhältlich und kostet drei Cent je Liter weniger als Superbenzin. Von den Autofahrern wird der Biosprit nach wie vor gemieden; im November betrug der Anteil von E10 am gesamten verkauften Benzin lediglich elf Prozent.