Schuldenkrise

Wirtschaftsweise hält Euro-Ende 2012 für möglich

Angesichts der Spannungen im Euro-Raum will Beatrice Weder di Mauro ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone nicht mehr ausschließen.

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Das Mitglied im Sachverständigenrat, Beatrice Weder di Mauro, hält angesichts der immer größeren Spannungen im Euro-Raum ein Auseinanderbrechen der Währung im kommenden Jahr nicht mehr für unmöglich.

Im Interview mit der „Bild“-Zeitung erklärte Weder di Mauro auf die Frage, ob der Euro 2012 auseinanderbreche: „Das wäre für alle Beteiligten schlimm - aber nicht mehr ganz auszuschließen .“ Die Politik versuche seit fast zwei Jahren, die Krise einzudämmen und „Brandschutzmauern“ zu ziehen. Allerdings reichten diese Mauern bisher nicht aus, sagte Weder di Mauro.

In einem solchen Fall seien die Kosten unkalkulierbar. Zur Rettung der Gemeinschaftswährung schlug die Wirtschaftsweise erneut einen Dreiklang vor. „ Überschuldete Euro-Staaten müssen sich langfristig einer Insolvenzregel unterwerfen.

Die anderen müssen sich verpflichten, die Schulden abzubauen und die Staatshaushalte zu sanieren“, sagte sie. Zugleich müssten die Schuldenquoten „mit einem Schuldentilgungspakt in 20 Jahren überall unter 60 Prozent fallen“. Außerdem müssten die Zinsen kurzfristig durch gegenseitige Garantien auf ein realistisches Niveau gedrückt werden.

Angesichts der sich verschärfenden Euro-Krise rechnet Weder di Mauro für 2012 nur noch mit minimalem Wachstum in Deutschland. Die deutsche Wirtschaft werde im nächsten Jahr „um rund 0,4 Prozent wachsen“, sagte die Angehörige des Sachverständigenrates.

Voraussetzung sei aber, dass die Regierungschefs die Krise schnell in den Griff bekommen. „Sollte die Krise aber zu Nullwachstum im Welthandel führen, ist auch ein Schrumpfen der Wirtschaft um 0,5 Prozent möglich“, sagte Weder di Mauro. Dann wären auch Arbeitsplätze in Deutschland in Gefahr.

Derzeit geht der Sachverständigenrat nach den Worten seines Vorsitzenden Wolfgang Franz von einer Steigerung des Bruttoinlandsprodukts um 0,5 Prozent im kommenden Jahr aus. Damit fiele das Wachstum nur etwa halb so stark aus wie noch im November von den fünf Experten vorhergesagt, die die Bundesregierung in Wirtschaftsfragen beraten. Branchenverbände, Regierung und die meisten Experten rechnen nicht mit einer Rezession, solange die Schuldenkrise nicht eskaliert.