10 Jahre Gemeinschaftswährung

Die kuriosen Geheimnisse der Euro-Münzen

Seit zehn Jahren hat Europa eine gemeinsame Währung. Die meisten Bürger haben sich an die Euro-Münzen gewöhnt. Doch immer noch bergen sie Geheimnisse. Eines verbindet sogar Deutschland und Griechenland.

Foto: Infografik DWO

Kassiererinnen sind es inzwischen durchaus gewohnt. Wenn sie Wechselgeld herausgeben, dann folgt auf der Seite des Kunden oft zunächst eine kurze Sekunde des Innehaltens. Nicht nur, weil er nachzählt, vielmehr inspiziert er die Münzen, die er in den Händen hält: Was ist darauf zu sehen? Woher kommen sie? Ist mal wieder etwas Ungewöhnliches dabei?

Seit zehn Jahren bezahlen wir mit dem Euro. Manch einer soll zwar angeblich im Kopf immer noch in D-Mark rechnen, und diverse Deutsche wünschen sich inzwischen sogar die gute alte Mark wieder zurück. Doch bei allen Problemen, die uns der Euro derzeit auch bereiten mag, so ist doch eines sicher: Die Münzen haben unseren Alltag bereichert.

Da die Rückseiten stets von den einzelnen Euro-Mitgliedsländern individuell gestaltet werden, befindet sich in unseren Geldbeuteln eine hoch interessante und bunte Mischung an Motiven – von gekrönten Häuptern über den deutschen Bundesadler bis hin zu keltischen Harfen oder finnischen Singschwänen. Im Portemonnaie klingelt die kulturelle Vielfalt des Kontinents.

Doch dies sind nur die offensichtlichen Merkmale, die den meisten Europäern inzwischen auch geläufig sind. Rund um die Münzen gibt es jedoch noch viele weitere interessante Details, von denen die Wenigsten etwas wissen dürften – sei es, weil man so genau meist doch nicht hinschaut, sei es, weil eine Währungszone, die fast 330 Millionen Menschen umfasst, einfach zu vielschichtig ist, um sie in allen Facetten zu erfassen. Die „Welt“ hat daher einige überraschende und weithin unbekannte Fakten rund um die Euro-Münzen zusammengetragen.

Wie sich die Länder an versteckten Stellen verewigen

Während die Vorderseite der Münzen einheitlich gestaltet ist, können die 17 Euro-Staaten sowie die drei weiteren Länder, die eigene Münzen prägen (der Vatikan, San Marino, Monaco), auf den Rückseiten ihrem Gestaltungswillen freien Lauf lassen. Das tun sie auch. Doch es gibt eine weitere Stelle, wo sie eine Duftmarke setzen können: Der Seitenrand der Zwei-Euro-Münzen. Auch er darf individuell gestaltet werden.

So hat Deutschland hier die ersten Worte der Nationalhymne eingraviert: Einigkeit und Recht und Freiheit. Auf niederländischen Münzen sind die Worte „God zij met ons“ (Gott sei mit uns) zu finden. Diese standen auch jahrzehntelang auf den Gulden-Münzen. Simpler ist die Beschriftung auf den Münzen anderer Länder. Meist steht dort nur der Landesname (etwa Slovenská Republika für Slowakische Republik) oder aber sogar nur „2 Euro“ beziehungsweise die Zahl „2“. Am schwierigsten zu entschlüsseln dürften die Zeichen auf dem Rand der portugiesischen Münzen sein. Dabei handelt es sich um die symbolische Darstellung von sieben Kastellen und fünf Wappen, die auch auf der Rückseite der Münzen zu sehen sind.

Wo Deutschland und Griechenland sich verbünden

Seit 2008 müssen alle Euro-Staaten den Namen ihres Landes auf ihre Münzen prägen, ausgeschrieben oder als Abkürzung. Die meisten machten das bereits zuvor. Zwei Staaten jedoch tun es nicht, und sie weigern sich noch immer, diese neue Vorgabe umzusetzen: Griechenland und Deutschland – eine sicherlich seltsam anmutende Allianz. Allerdings gibt es selbst dann, wenn die Vorgabe umgesetzt wurde, keine Garantie, dass die geneigten Münz-Nutzer immer sofort erkennen, aus welchem Land die Münze stammt.

So prägen Frankreich und Italien beispielsweise nur die ineinander verschlungenen Initialen RF beziehungsweise RI (République Francaise beziehungsweise Repubblica Italiana) auf. Und mancher dürfte auch bei „Slovensko“ auf die falsche Fährte gelockt werden. Denn dahinter steckt nicht etwa Slowenien, sondern die Slowakei, die sich in ihrer Landessprache so nennt. Slowenien dagegen firmiert auf den Münzen als „Slovenija“.

Welche Münzen die Europäer gerne los wären

Wer den Pfennig nicht ehrt… dieses alte Sprichwort steckt tief in den Deutschen drin, auch wenn es inzwischen nur noch Cent gibt. Unvorstellbar wäre es daher für unsereins, das 1-Cent-Stück einfach abzuschaffen. Doch in anderen Ländern gibt es in dieser Hinsicht weniger Bedenken. Im Gegenteil, viele Völker finden diese vielen Münzen, die ständig herumgetragen werden müssen, um Kleckerbeträge auszugleichen, überaus lästig.

Fast 97 Prozent der Spanier haben sich daher in einer Umfrage für die Abschaffung der kleinsten Münze ausgesprochen, in den anderen Euro-Ländern waren es kaum weniger. In Deutschland dagegen erreicht diese Idee nicht einmal eine Zweidrittelmehrheit. Nur in Finnland ist der Anteil noch geringer – das liegt aber schlicht daran, dass es dort schon keine 1- und 2-Cent-Münzen mehr gibt.

Finnland hat solche nie geprägt, im Alltag sind sie dort daher praktisch nicht zu finden. Dafür wären fast 20 Prozent der Deutschen gern das 20-Cent-Stück los – auch hier stehen wir allein auf weiter Flur. Der Grund dürfte indes schlicht sein, dass es eben in Westdeutschland nie ein 20-Pfennig-Stück gab. Was der Bauer nicht kennt… - ein anderes beliebtes Sprichwort.

Warum nicht alle Papst-Münzen wertvoll sind

Nicht alle Münzen sind genau das wert, was draufsteht. Einige seltene sind deutlich mehr wert – allen voran die Exemplare aus dem Vatikan. Allerdings nicht nur deshalb, weil diese besonders selten sind. Es gibt durchaus noch seltenere Münzen, beispielsweise einige belgische aus bestimmten Prägejahren, die es nur in sehr geringer Stückzahl gibt. Dennoch sind diese nicht so viel wert wie jene aus dem Vatikan. Die Stücke mit dem Abbild des Papstes sind nämlich nicht nur selten sondern zugleich auch beliebt – das macht ihren Wert unter Sammlern aus.

Doch wer nun vielleicht demnächst an der Kasse zufälligerweise mal ein 50-Cent-Stück aus dem Vatikan als Wechselgeld erhält, sollte sich dennoch nicht zu sehr freuen. Denn seit 2010 prägt der Heilige Stuhl 50-Cent-Münzen in einer Zahl von über zwei Mio. Stück pro Jahr. Grund ist, dass der Vatikan seither durch die EU verpflichtet wurde, mindestens 51 Prozent seiner Münzen, die zuvor praktisch ausschließlich an Sammler verkauft wurden, tatsächlich in Umlauf zu bringen. Vatikanische 50-Cent Münzen mit Prägejahr ab 2010 sind daher genau 0,50 Euro wert, und keinen Cent mehr.

Warum es jedes Jahr neue deutsche Münzen gibt

Wenn nicht gerade neue Vorgaben die Länder dazu zwingen, das Design anzupassen, beispielsweise durch das Einfügen des Landesnamens, dann gilt: Das Aussehen der nationalen Seiten darf nicht verändert werden. Eine Ausnahme ist, wenn darauf ein Staatsoberhaupt zu sehen ist. Wird dieses durch einen Nachfolger abgelöst, so dürfen die Köpfe auf den Münzen ausgetauscht werden. Gibt es keinen Wechsel, darf alle 15 Jahre das Aussehen angepasst werden.

Andere Länder, die keine gekrönten Häupter zeigen, versuchen das Verbot neuer Designs auf andere Weise zu umgehen: durch das Prägen von Gedenkmünzen. Jedes Land darf so viele Sonderausgaben des 2-Euro-Stücks prägen, wie es will. Vor allem Deutschland macht davon exzessiven Gebrauch, indem es jedes Jahr eine neue 2-Euro-Gedenkmünze herausgibt und davon rund 30 Mio. Stück prägt. Dargestellt wird darauf jedes Jahr ein anderes Bundesland, jeweils jenes, das gerade den Vorsitz im Bundesrat innehat. 2011 gab es daher eine Sondermünze mit einer Abbildung des Kölner Doms (Nordrhein-Westfalen), 2012 folgt Schloss Neuschwanstein (Bayern).

Daneben geben die Euro-Staaten allerdings auch gemeinsame Gedenkmünzen heraus. Bislang waren es zwei, die erste 2007 anlässlich des 50. Jubiläums der Unterzeichnung der Römischen Verträge zur Gründung der Gemeinschaft, die zweite 2009 zum zehnjährigen Bestehen der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Im kommenden Jahr, schon ab 2. Januar, folgt die dritte gemeinsame Sondermünze. Sie widmet sich natürlich dem zehnten Jahrestag der Einführung des Euro-Bargeldes.

Wie kaum merklich die Gestaltung verändert wurde

Die Euro-Zone hat sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich verändert. Sie wuchs von den anfänglich zwölf auf mittlerweile 17 Mitglieder. Die ersten Münzen, die geprägt wurden, bildeten jedoch nur die ursprünglichen Euro-Staaten ab. Auf den gemeinsamen Vorderseiten sind bei den 10-, 20- und 50-Cent-Münzen aus der Zeit vor 2007 auf der linken Hälfte daher die scharf umrissenen Silhouetten dieser zwölf Staaten zu sehen.

Danach wurde jedoch, aufgrund der Erweiterung der Eurozone, das Design verändert. Seither ist an dieser Stelle nur noch eine Landkarte von ganz Europa zu sehen, die einzelnen Länder bzw. ihre Grenzen sind nicht mehr zu erkennen. Auch auf den 1-Euro- und 2-Euromünzen wurde die Landkarte nach Osten erweitert. Einen Schönheitsfehler hat allerdings auch dieses neue Design: Zypern kommt darauf nach wie vor nicht vor. Es passte einfach nicht mehr drauf.

Nicht verändert wurde dagegen die Zahl der Sterne auf den Münzen – die EU hatte immer zwölf davon als Symbol, egal, wie viele Mitglieder sie hatte. Neben den Sternen, kaum erkennbar, sind auf den Vorderseiten übrigens die ineinander verschlungenen Initialen LL zu finden. Sie stehen für den Gestalter der Euro-Münzen, den Belgier Luc Luycx.