Statistisches Bundesamt

Deutschlands Schuldenberg so hoch wie nie

Die Schulden von Bund, Ländern und Gemeinden steigen auf über zwei Billionen Euro. Und das ist noch ohne die Sozialversicherungen.

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Trotz sprudelnder Steuereinnahmen und noch gut laufender Konjunktur hat Deutschlands Schuldenberg einen neuen Rekordwert erreicht. Ende September standen die öffentlichen Haushalte mit 2,027 Billionen Euro in der Kreide und damit so stark wie nie, teilte das Statistische Bundesamt mit. Im Vergleich zum Ende des zweiten Quartals stieg die Verschuldung um 10,4 Milliarden Euro oder um 0,5 Prozent.

Beim Bund erhöhten sich die Schulden um 5,8 Milliarden Euro oder 0,4 Prozent auf knapp 1,3 Billionen Euro. Die Länder waren mit 610,0 Milliarden Euro verschuldet und damit um 0,7 Prozent oder 4,2 Milliarden Euro mehr als Ende Juni. Die Verschuldung der Gemeinden und Gemeindeverbände stieg um 0,3 Prozent oder 0,4 Milliarden Euro auf 128,7 Milliarden Euro.

Die Daten beziehen sich auf die Kern- und Extrahaushalte von Bund, Ländern sowie Gemeinden und Gemeindeverbänden und umfassen die Kreditmarktschulden und Kassenkredite. Nicht enthalten sind die Schulden der kommunalen Zweckverbände sowie der gesetzlichen Sozialversicherung.

Wegen der bislang gut laufenden Konjunktur lagen die Steuereinnahmen von Bund und Ländern bis November mit gut 456 Milliarden Euro rund 8,5 Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Der Bundeshaushalt sieht für 2012 eine Neuverschuldung von 26,1 Milliarden Euro vor, nach rund 20 Milliarden Euro in diesem Jahr. Für das kommende Jahr sagen Experten der deutschen Wirtschaft aber ein deutlich geringeres Wachstum als die rund drei Prozent für 2011 voraus. Pessimisten schließen eine Stagnation oder sogar eine Rezession nicht aus.

Wirtschaft zeigt sich unbeeindruckt

Dennoch scheint die Unsicherheit über den weiteren Verlauf der Euro-Schuldenkrise den Großteil der deutschen Wirtschaft nicht nachhaltig zu beunruhigen. Die meisten Branchen erwarten etwas bessere Ergebnisse als 2011, wie die Verbandsumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln zeigt. 26 von 46 befragten Verbänden gehen von etwas höheren Umsätzen beziehungsweise mehr Produktion aus, elf dagegen befürchten einen Rückgang. Ein gleichbleibendes Ergebnis erwarten neun Branchen. Eher pessimistisch sind die deutschen Geldinstitute.

Allerdings gaben 23 der 46 befragten Wirtschaftsverbände an, die Stimmung in ihren Mitgliedsunternehmen sei derzeit schlechter als vor einem Jahr. IW-Direktor Michael Hüther machte dafür am Dienstag das Abflauen der Weltkonjunktur und die Ungewissheit über die Folgen der Schuldenkrise verantwortlich.

Die Branche, in der die Euro-Schuldenkrise besonders zuschlägt, blickt insgesamt eher verhalten auf das neue Jahr. Banken und Sparkassen sagen, die Stimmung in ihren Häusern sei schlechter als vor Jahresfrist. Die Volksbanken erwarten in etwa gleich gute Geschäfte und gehen auch von gleichbleibender Beschäftigtenzahl aus. Die wichtigen deutschen Branchen Maschinenbau und Automobilindustrie sind eher zuversichtlich, auch der Einzelhandel ist vorsichtig optimistisch.