Regeln und Kulanz

Geschenkeumtausch - was geht und was nicht

Und wieder gehen Weihnachtspräsente vom Gabentisch direkt zurück in die Geschäfte. Dabei sind einige wichtige Regeln zu beachten.

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Vielen Deutschen ist der Familienfrieden wichtiger als das ultimative Weihnachtsgeschenk. Immerhin ein gutes Fünftel der Bundesbürger sieht über das ungeliebte Präsent hinweg und will es trotzdem behalten. Jeder Dritte aber nimmt einen Krach in Kauf und will das Geschenk in den kommenden Tagen zurückgeben oder umtauschen. Das ergab eine Umfrage des Marktforschungsinstitutes Aris im Auftrag des IT-Branchenverbands Bitkom. Insgesamt – so eine Schätzung von TNS Infratest – befanden sich in diesem Jahr ungeliebte Präsente im Wert von 700 Millionen Euro unter deutschen Weihnachtsbäumen. Die Folge: Auf den Shoppingmeilen der Republik herrscht in den kommenden Tagen Hochkonjunktur. Der Berliner Einzelhandel rechnet ab heute mit überfüllten Geschäften.

Kulanz der Händler ist groß

Wer sich für die Variante des Geschenkumtausches im Laden entscheidet, sollte jedoch einige wichtige Regeln beachten. Denn einen generellen Rechtsanspruch auf die Rückgabe gibt es nicht. Es berechtigt noch lange nicht zum Umtausch, wenn einem etwas schlicht nicht gefällt. Käufer und Verkäufer haben durch den Kauf einen Vertrag miteinander abgeschlossen, und der ist für beide Seiten bindend. „Der Umtausch ist eine freiwillige Sache des Händlers“, bestätigt Michael Sittig von der Stiftung Warentest in Berlin. Allerdings gilt das nicht in jedem Fall: „Sobald die Filiale ein Schild aufgehängt hat, wonach ich etwa innerhalb von vier Wochen wegen Nichtgefallen umtauschen darf, habe ich ein vertraglich vom Geschäft eingeräumtes Recht auf Umtausch“, erklärt der Experte. „Dieses könnte ich auch vor Gericht einklagen, wenn der Filialleiter im Einzelfall willkürlich das Umtauschrecht doch nicht einhalten will.“

Darum rät Karin Goldbeck von der Verbraucherzentrale Niedersachsen in Hannover, vor dem Kauf zu klären, wie es der Händler mit dem Umtausch bei Nichtgefallen hält. „Ob der Verkäufer die Ware zurücknimmt und ob er dann das Geld zurückerstattet oder einen Gutschein ausstellt, ist seine Entscheidung“, erklärt die Verbraucherschützerin. „Generell kann der Anbieter die Umtauschregeln festlegen, da der Umtausch auf Kulanz beruht.“ Das heißt: Ob er die Ware nur originalverpackt zurücknimmt oder nur mit Kassenbon, entscheidet der Verkäufer selbst. Die großen Anbieter sind oft sehr kulant. Sie bieten einen Umtausch an – häufig sogar noch mehrere Wochen nach dem Kauf. Die Bedingungen sind in der Regel an der Kasse oder in den Umkleidekabinen zu finden oder stehen auf dem Kassenbon.

Insgesamt werden laut Handelsverband Deutschland (HDE) in Berlin jedes Jahr knapp fünf Prozent der Weihnachtseinkäufe umgetauscht. Diese Leistung verlangt der Wettbewerb den Unternehmen ab. „Mehr Kulanz bedeutet mehr Service und mehr Komfort für den Kunden“, erklärt Verbandssprecher Kai Falk. Und Wettbewerb finde auch im Service statt.

Im Versandhandel ist das Rückgaberecht anders geregelt. „Wer zum Beispiel im Internet und per Telefon etwas bestellt hat, dem wird ein grundsätzliches Widerrufsrecht von 14 Tagen eingeräumt“, sagt Bettina Dittrich von der Verbraucherzentrale Sachsen in Leipzig. Allerdings gibt es Ausnahmen, die gerade an Weihnachten beachtet werden sollten. Flug- oder Konzerttickets zum Beispiel können nicht ohne wWiteres zurückgegeben werden. Das Widerrufsrecht gilt auch nur für einen Kauf bei gewerblichen Händlern. „Wer auf einer Internetplattform bei einem Privatanbieter etwas kauft, dem wird kein Widerrufsrecht eingeräumt“, betont Michael Sittig.

Mängel verlängern Umtauschrecht

Anders ist es, wenn die Ware Mängel aufweist. „Bei einer Reklamation hat der Käufer Gewährleistungsansprüche“, sagt Karin Goldbeck. „Er kann vom Verkäufer verlangen, ihm das Geld zurückzugeben oder die Ware umzutauschen.“ Dieser Anspruch gelte zwei Jahre ab Kaufdatum. Um später problemlos reklamieren zu können, sollte unbedingt der Kassenzettel aufbewahrt werden. In den ersten sechs Monaten muss der Händler dabei beweisen, dass der Mangel nicht schon beim Kauf vorlag.

Wer beim Schenken das Risiko scheut, der wird gern zu Gutscheinen greifen. Dabei sollte man laut Verbraucherschützerin Goldbeck aber mehrere Dinge beachten: „Zum einen sollte der Beschenkte damit etwas anfangen können. Zum anderen sollte der Gutschein zügig eingelöst werden. Er ist schnell verlegt, kann verfallen, oder das Geschäft existiert nicht mehr.“ Vorteil von Gutscheinen hingegen ist, dass man die Waren später eventuell günstiger kaufen kann. Denn nach den Feiertagen gehen die Preise oft nach unten.