Schießspiel

Mehr Gemetzel, Krieg und Blut bei "Sniper Elite V2"

Das Kriegsspiel setzt auf eine tolle Kulisse, eine Prise Taktik und beinharte Sequenzen. Es bleibt jedoch ein fader Beigeschmack.

Bizarr: Auf dem Weg zur exklusiven Präsentation von "Sniper Elite V2" geht es durch Oxford, vorbei an romantischen Uni-Gebäuden der englischen Stadt. Der Weg endet an einem schmucklosen Industriegebäude, in dem 200 Computerexperten des Entwicklers Rebellion werkeln. Während draußen noch ein Hauch von Harry Potter vorbeiflitzt, fliegt drinnen die Kugel.

Die Story ist schnell erzählt: Sie sind alliierter Scharfschütze (eben „Sniper“) und müssen einen deutschen Raketenforscher (deswegen V2; die Rakete Aggregat 4 bekam vom Propagandaministerium den Namen „Vergeltungswaffe 2“ – kurz: V2 – verpasst) aufhalten. Dazu räumen Sie im vom Zweiten Weltkrieg gebeutelten Berlin gegnerische Soldaten aus dem Weg. Meistens allein und von fern, manchmal im Nahkampf oder mit Sprengsätzen gegen feindliche Konvois.

Authentischer Kriegsschauplatz

Die britische Programmierschmiede legt mehr Wert auf die technische Produktion der zwölf Level als auf eine aufwendige Story. Beispiel Ton: Um möglichst authentisch zu sein, lag Sound-Produzent Nick Brewer schon mal stundenlang im Matsch – oder versuchte, mit Melonen Geräusche zu imitieren. Herausgekommen ist eine beeindruckend-beklemmende Sound-Kulisse, deren Wirkung die Gestaltung der zerbombten Stadt Berlin noch übertrifft.

Authentische Waffen

Authentisch sind auch die Waffen: Springfield M1903, G43, Mosin-Nagant 1891/39. Genauso wirken die Uniformen (Russen, Alliierte, Deutsche – natürlich ohne Nazi-Symbolik) sehr echt. Und schließlich investiert Rebellion viel Zeit in die Berechnung der Kugelflugbahn. Entfernung, Wind, Herzfrequenz sind da nur die wichtigsten Faktoren. Ansprechend auch Spielidee und Look: Die Präsentation ließ auf sehr anspruchsvolle Action mit viel Abwechslung schließen. Zudem sah die gezeigte Xbox-360-Betaversion recht gut aus.

Ein Problem ist sicherlich die große Brutalität. So zeigt das Spiel in der sogenannten X-Ray-Kill-Cam, wie die Kugel sich den Weg durch den Körper ihres Opfers bahnt. Knochen splittern, Blut fließt – guter Geschmack ist was anderes. Aber: „Krieg ist nun mal grausam und ‚Sniper‘ ist ein Spiel für Erwachsene“, meint Firmenchef Jason Kingsley mit ausdrücklichem Hinweis auf künstlerische Freiheit. Das Bemühen um Realitätsnähe ist verständlich – und doch hinterlässt das verstörende Spiel ein beklemmendes Gefühl.

Prognose: Kriegsspiele sind umstritten. Allerdings geht „Sniper“ einen anderen Weg als etwa „Call of Duty“ . Taktisches Vorgehen ist gefragt, manchmal hilft es weiter, einfach vorbeizuschleichen, statt wild herumzuballern. „Sniper Elite V2“ ist ein Spiel, das seinen Reiz auch im Mehrspielermodus entfalten könnte. Ob es den gibt, ist unklar. Sicher ist, dass die X-Ray-Kill-Cam für Kontroversen sorgen wird. Eine brutale Zutat, die nicht sein müsste.

Erscheinungstermin: 2012 für PC, PS3, Xbox 360.

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Quelle: Computer Bild.

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