Bonitätsprüfung

S&P fällt Urteil über Deutschland nächstes Jahr

Die Ratingagentur Standard & Poor's hat den Aublick für die Euro-Länder bereits auf negativ gesetzt. Das endgültige Urteil soll 2012 fallen.

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Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) wird ihr mit Spannung erwartetes Bonitätsurteil für Deutschland und 14 weitere Euro-Länder nicht mehr in diesem Jahr fällen. Das Ergebnis werde erst im Januar mitgeteilt, wurde aus zwei voneinander unabhängigen Quellen bekannt. Die Konkurrenz von Moody's stufte derweil mit Slowenien ein weiteres Euro-Land herab. Österreich blieb dieses Schicksal vorerst erspart.

„Wir haben ein informelles Signal erhalten von Standard & Poor's, wonach sie damit erst im Januar herauskommen wollen“, sagte ein hochrangiges Regierungsmitglied eines Euro-Landes. „In den bisher geführten Gesprächen haben sie das zwischen den Zeilen durchblicken lassen.“ Alle Ergebnisse dürften demnach auf einen Schlag veröffentlicht werden. Auch ein Regierungsvertreter eines zweiten Euro-Landes rechnet erst im Januar mit einer Bekanntgabe. S&P lehnte einen Kommentar ab.

Negativer Ausblick für Euro-Länder

Die einflussreiche Agentur hatte am 6. Dezember den Ausblick für das Rating der 15 Euroländer auf „negativ“ gesetzt und damit eine Herabstufung binnen drei Monaten vorbereitet. Sollte es dazu kommen, würden mit Deutschland und Frankreich die beiden größten Volkswirtschaften der Währungsunion ihre Bestnote „AAA„ verlieren. Das könnte für die betroffenen Länder höhere Finanzierungskosten in Form steigender Zinsen nach sich ziehen.

Auch der Rettungsfond EFSF könnte seine Bestnote verlieren, was deren Finanzierung verteuern würde. Der 440 Milliarden Euro große EFSF wurde im Mai 2010 aus der Taufe gehoben. Er versorgt derzeit Portugal und Irland mit günstigen Krediten.

Die Ratingagentur hatte ihre Entscheidung mit der besorgniserregenden Entwicklung der Schuldenkrise begründet. Deren Lösung werde durch die Uneinigkeit der Regierungen behindert. Es bestehe eine „systemische Vertrauenskrise“ mit Rezessionsgefahren.

Sie wollte ihre Ergebnis aber vom Ausgang des EU-Gipfels abhängig machen, der kurz nach der Senkung des Ausblicks stattfand. Dort einigten sich die EU-Staaten auf einen neuen Pakt mit strikteren Regeln zum Schuldenabbau und einer engeren wirtschaftspolitischer Koordination.

Gefahr für Bankensystem wächst

Trotz der fast 500 Milliarden Euro großen Geldspritze von der EZB droht vielen europäischen Banken eine Herabstufung ihrer Bonität durch die Ratingagentur Standard & Poor's. „Dieser Schritt wird für sich genommen nicht zu einer Verbesserung der Kreditbewertung führen“, sagte der für die Finanzinstitute zuständige S&P-Manager Scott Bugie. „Die grundlegenden Probleme werden damit nicht gelöst.“

S&P hatte vor wenigen Tagen vielen großen europäischen Geldhäuser mit einer Herabstufung gedroht, darunter der Deutschen Bank, BNP Paribas, Societe Generale und UniCredit. Die Europäische Zentralbank (EZB) lieh den Geschäftsbanken in dieser Woche erstmals Geld für bis zu drei Jahre.

Der Zinssatz orientiert sich am Leitzins, der derzeit auf dem Rekordtief von einem Prozent liegt. Deutlich mehr als 500 Banken griffen zu und holten sich insgesamt fast eine halbe Billion Euro. „Die Aktion der EZB ändert nichts am grundlegenden Bild, aber damit wird Zeit gekauft“, sagte Bugie. S&P werde das bei seiner Rating-Überprüfung berücksichtigen.

Auf die europäischen Banken rollt 2012 eine gigantische Refinanzierungswelle zu, da 725 Milliarden Euro an Schulden zurückgezahlt oder verlängert werden müssen. „Das wird ein schwerer Ritt 2012, besonders das erste Quartal wird hart“, sagte Bugie.