Kraft Foods in Paris

Hinter den Kulissen von Europas größtem Keksbäcker

In der Nähe von Paris liegt das Keks-Forschungszentrum von Europas Marktführer Kraft. Und sie wissen so einiges über unseren Keks-Konsum.

Foto: Kraft Foods

Rot, blau, gelb oder grün stehen sie da, gefüllt mit Zucker, Mehl oder geriebenen Haselnüssen, abgedeckt mit Aluminiumfolie. Die Plastikschüsseln stehen auf einem Servierwagen aus Edelstahl, so dass ihr Inhalt am nächsten Morgen zu einem Teig zusammengerührt und in den Ofen geschoben werden kann.

Eine ganz normale Bäckerei, könnte man auf den ersten Blick meinen – wären da nicht die strengen Sicherheitsvorkehrungen. Hier in Saclay bei Paris erfinden 70 Ingenieure, zehn Ernährungswissenschaftler zusammen mit zwölf Zuckerbäckern neue Keks-Rezepte für Kraft Foods. Insgesamt 15 Millionen Dollar (11,5 Millionen Euro) investierte der US-Konzern in den Ende Oktober eröffneten Bau in einem tristen Industriegebiet.

Die Gebäcksparte ist der zweitwichtigste Geschäftsbereich von Kraft und trägt 22 Prozent zum Gesamtjahresumsatz von zuletzt 49,2 Milliarden Dollar bei. Gleichzeitig ist Europa für die Kekssparte der zweitwichtigste Markt nach Nordamerika. Kraft ist nach der Übernahme der Gebäcksparte von Danone aus Frankreich und der Akquisition von Cadbury aus Großbritannien inzwischen die Nummer eins für Kekse in Europa. Allerdings gibt es regional einige Unterschiede. „Deutschland ist eines der Länder in Europa mit dem niedrigsten Keks-Konsum“, sagt Jean-Michel Caillaud, der das Keks-Forschungszentrum in Saclay leitet.

Dagegen seien Frankreich und Großbritannien die größten Gebäck-Esser in Europa. „Gebäck ist immer sehr stark in der Geschichte der einzelnen Länder verankert. Es gibt viele lokale Marken, die älter als hundert Jahre alt sind“, erklärt er. Dazu kommen unterschiedliche Traditionen. „In Südeuropa ist Gebäck beispielsweise traditioneller Bestandteil des Frühstücks.“

Auch bei Geschmack und Aussehen gibt es unterschiedliche Vorlieben. So seien in Frankreich Kekse mit Schokolade und Früchten sehr beliebt, genau wie saftig-weiche Minitorten. In den Vereinigten Staaten sind dagegen vor allem Kekse mit hellem Aussehen gefragt, so dass viele Franzosen denken würden, diese seien nicht lange genug gebacken worden.

Auf all diese Empfindlichkeiten müssen Caillaud und seine Mitarbeiter Rücksicht nehmen, wenn sie sich neue Rezepte ausdenken. „Eine neue Geschmacksrichtung zu entwickeln, dauert etwa sechs bis neun Monate, innovativere Produkte 18 bis 24 Monate oder länger“, berichtet er.

„Im Schnitt lancieren wir in Europa etwa 100 neue Produkte pro Jahr.“ Für Kraft Foods rechnet sich das, denn Innovationen, die weniger als drei Jahre alt sind, tragen 15 Prozent zum Umsatz der europäischen Keks-Sparte bei.