Milliarden-Investition

China rüstet Staatsfonds für Einkäufe in Europa auf

Die chinesische Regierung will Teile ihrer gigantischen Devisenreserven investieren. Besonders westliche Industriefirmen geraten in ihr Visier.

China will seinen Staatsfonds CIC mit einer Kapitalspritze von bis zu 50 Milliarden Dollar aufrüsten. Der bereits mit 410 Milliarden Dollar (rund 314 Milliarden Euro) ausgestattete Fonds soll damit vor allem in Europa auf Einkaufstour gehen, sagten zwei mit der Angelegenheit Vertraute. Auch Zukäufe in den USA sind demnach geplant.

„Der Plan für die Kapitalaufstockung dürfte in Kürze bekanntgegeben werden“, sagte ein mit den Vorgängen Vertrauter, der anonym bleiben wollte. Der CIC lehnte auf Nachfrage eine Stellungnahme ab. China besitzt mit 3,2 Billionen Dollar die weltweit größten Devisenreserven, die bislang vor allem in den Kauf von Staatsanleihen der USA und vieler Euro-Länder gesteckt wurden.

Nicht zuletzt wegen der Schuldenkrise hält die Volksrepublik aber zunehmend nach anderen Anlagemöglichkeiten Ausschau und nimmt dabei zunehmend westliche Industriefirmen ins Visier. Das chinesische Staatsunternehmen Three Gorges (Drei Schluchten) hat erst in dieser Woche den Zuschlag für das Bieterrennen um eine 21-prozentige Beteiligung am portugiesischen Versorger EDP gewonnen und damit den deutschen Energieriesen E.on aus dem Feld geschlagen. Rund 2,7 Milliarden Euro werden dafür nach Portugal überwiesen.

Das klamme Land hatte sich wegen der Staatsschuldenkrise zum Verkauf des öffentlichen Anteils entschlossen. Aber auch nach Deutschland strecken die Chinesen ihre Fühler aus. Einem Bericht des „Manager Magazin“ zufolge rangiert der CIC bei der Suche des Autobauers Daimler nach einem Großaktionär ganz oben auf der Liste für eine Beteiligung. Im Gespräch ist demnach eine Beteiligung von fünf bis zehn Prozent.

In zwei Fonds sollen 300 Milliarden Dollar bereit gestellt werden

Um seine gigantischen Währungsreserven profitabler nutzen, plant die Zentralbank die Gründung zweier Fonds im Gesamtvolumen von 300 Milliarden Dollar, wie Reuters von mehreren mit der Angelegenheit Vertrauten erfuhr.

Sie sollen unter dem Dach eines neuen Investmentvehikels verwaltet werden, das bereits lange vor Beginn der Euro-Krise in Planung war. Auch Chinas Banken wollen künftig einen Teil der gewaltigen Devisenreserven des Landes managen. „Wir brauchen eine neue Denkart im Umgang mit unseren Devisenreserven“, sagte der einflussreiche Chef des größten Kreditinstituts Industrial and Commercial Bank of China (ICBC), Jiang Jianqing.

„Wir sind erfahren im Projektmanagement“, begründete er seinen Vorstoß. „Und wir sind nahe an den Kunden und am Markt.“ Jiang stimmt damit in den lauter werdenden Chor der Kritiker ein, die Chinas hohe Investitionen in europäische und US-Staatsanleihen anprangern. „Die europäische Schuldenkrise entfaltet sich noch immer“, sagte der Spitzenbanker. „Es ist schwierig, die Reserven weiter so zu managen wie bisher. Das birgt Gefahren.“