Energieversorger

RWE und Gazprom gehen doch getrennte Wege

Aus für das gemeinsame Kraftwerkprojekt: Die Verhandlungen zwischen RWE und Gazprom scheiterten vermutlich an der ungelösten Führungsfrage.

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Der russische Staatskonzern Gazprom und der Essener Energieversorger RWE werden keine gemeinsamen Kraftwerke in Deutschland und Europa bauen. Es sei "in gegenseitigem Einvernehmen" beschlossen worden, die exklusiven Gespräche über ein mögliches Gemeinschaftsunternehmen zum Jahresende auslaufen zu lassen, teilte RWE mit.

Die beiden Unternehmen hatten seit Juli über eine Kooperation beim Bau und Betrieb von Kraftwerken in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden verhandelt. "Bedauerlicherweise konnten wir uns dennoch nicht auf einen für beide Seiten tragfähigen Rahmen für eine Zusammenarbeit einigen", sagte RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann.

Die Börse reagierte gelassen auf die Absage. In Frankfurt lag die RWE-Aktie bis gegen Mittag sogar mit einem Kursplus von 2,8 Prozent auf 26,98 Euro deutlich über dem Dax-Schnitt. Offenbar war das Scheitern der Gespräche mit RWE bereits erwartet worden.

Darauf hatte auch ein am Mittwoch von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) unterzeichnetes Arbeitsprogramm für eine Kooperation mit dem russischen Energiekonzern hingedeutet. Inhalt der Vereinbarung sei eine "Kooperation bei der Stromerzeugung", hieß es. Gazprom habe Interesse gezeigt, sich bei der "Bereitstellung von im Zuge der Energiewende benötigten Kraftwerkskapazitäten zu engagieren", sagte ein bayerischer Regierungssprecher.

Russland will mit Deutschland kooperieren

Russland strebt bereits seit längerem auf den deutschen Energiemarkt und treibt dies sowohl wirtschaftlich als auch politisch voran. So sagte der Energieminister des Landes, Sergej Schmatko, zuletzt, dass Russland in der Energiepolitik enger als bisher mit Deutschland kooperieren wolle. Man sei deshalb dazu bereit, Kraftwerke gemeinsam mit hiesigen Partnern zu bauen, zu finanzieren und zu betreiben. Hintergrund des Engagements ist, dass Russland nicht mehr reiner Rohstofflieferant sein will, sondern auch vom Stromgeschäft profitieren will.

Über die Vorgespräche zum Aufbau eines Gemeinschaftsunternehmens in Deutschland waren nie viele Informationen an die Öffentlichkeit gelangt. Dem Vernehmen nach hatte RWE jedoch geplant, bis zu 15 Prozent ihrer deutschen Kraftwerkskapazitäten in das Jointventure einzubringen.

Warum die Gespräche nun geplatzt sind, erläuterten die Unternehmen nicht. In vielen Fällen scheitern geplante Gemeinschaftsunternehmen daran, dass keine Einigung darüber erzielt werden kann, in wessen Händen die operative Führung liegen soll. Dass dies bei den Kontakten zwischen Gazprom und RWE auch der Fall gewesen ist, erscheint nicht ganz unwahrscheinlich. Aber auch das ungünstige Umfeld für Kraftwerksinvestitionen in Deutschland mag ein Grund für den Abbruch der Gespräche gewesen sein. Politische Unsicherheiten und relativ niedrige Großhandelspreise für Elektrizität sind verantwortlich dafür, dass sich derzeit in ganz Europa kaum Investoren für größere Kraftwerksprojekte finden lassen.

Der geplante große Schritt der Gazprom auf den deutschen Strommarkt steht damit weiter aus. Bislang hatten sich die Russen lediglich an einem kleinen Stromvertrieb, der hessischen Envacom beteiligt. Das Unternehmen aus Walluf bei Wiesbaden hat nach eigenen Angaben rund 500.000 Kunden, großenteils im Energievertrieb. Gas bietet das Unternehmen nach den Worten eines Sprechers derzeit nicht an.

Gazprom ist der größte Erdgas-Konzern der Welt, der über rund 18 Prozent der globalen Reserven verfügt. Deren aktueller Wert wird auf 270 Milliarden US-Dollar geschätzt.