Handelsdefizit

Deutsche Exportstärke erhöht Ungleichheit in der EU

Der starke deutsche Außenhandel ist Europa ein Dorn im Auge: 20 EU-Mitgliedsländer leiden unter Defiziten und fürchten daher um ihre Bonität.

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Deutschlands Exportüberschüsse lösen in der EU seit Jahren Streit aus. Berechnungen des Ifo-Instituts für die „Financial Times Deutschland“ (FTD) zeigen nun: 2011 haben sich die Ungleichgewichte noch verschärft. Von ihrem geforderten Abbau fehle jede Spur: Wie schon 2010 verbuchten 20 der 27 EU-Länder ein Defizit im Handel mit Deutschland, schreibt das Blatt.

Die deutschen Ausfuhren waren im dritten Quartal 2011 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10,1 Prozent auf 266,2 Milliarden Euro gewachsen. Die Exporte in die Mitgliedstaaten der EU hatten sich mit 9,9 Prozent auf 155,1 Milliarden Euro leicht unterdurchschnittlich erhöht. Zwei Drittel dieser Ausfuhren, nämlich 102,9 Milliarden Euro, wurden in die Länder der Euro-Zone versendet.

Viele Experten sehen das Handelsungleichgewicht laut FTD als eine zentrale Ursache der Euro-Krise. Die großen Überschüsse gingen einher mit hohen Forderungen gegenüber den weniger wettbewerbsfähigen Abnehmerländern. Spiegelbildlich verschlechterten die Defizite der Importeure deren Bonität am Anleihemarkt und erhöhen auf Dauer damit die Gefahr eines Bankrottes.

Im November hatte die EU deshalb über ein neues wirtschaftliches Kontrollverfahren beraten. Nach einem Vorschlag der EU-Kommission käme es bei einem Überschuss in der Leistungsbilanz von mehr als sechs Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Dreijahresdurchschnitt zu einer kritischen Prüfung.

Die deutsche Wirtschaft hätte die Hürde in den Jahren 2007 bis 2009 knapp gerissen. Im Zeitraum von 2010 bis 2011 läge der Wert nach Schätzung der EU-Kommission mit knapp fünf Prozent aber deutlich unter der Schwelle, hieß es damals. Ein Defizit im Außenhandel könnte dagegen schon früher Alarm auslösen, nämlich beim Erreichen von vier Prozent des BIP.

Zu geringe Exporte oder ein zu starker Anstieg der Löhne gelten als Kernprobleme der Wirtschaft Griechenlands, die den Weg des Landes aus dem Schuldensumpf erschweren.