Stützungskredite

EZB-Chef Draghi kauft Europa nur etwas Zeit

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Jan Dams

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Wer denkt, dass das Fluten der Märkte durch die Zentralbanker eine Lösung für Europas Krise ist, verkennt noch immer die gewaltige Dimension der Probleme.

Gut drei Wochen ist es her, dass die Europäische Zentralbank (EZB) gemeinsam mit weiteren Notenbanken versprach, Europas Banken vor Liquiditätsengpässen und möglichen Pleiten zu bewahren.

Anders als früher gewährt sie den Kreditinstituten dieses Mal nicht nur Geld zu einem historisch niedrigen Leitzins. Sie garantiert den Banken die flüssigen Mittel für bis zu drei Jahre. Kein europäisches Geldhaus – so die Botschaft aus Frankfurt – soll in die Knie gehen, weil Partnerbanken und Geldmarktfonds aus Angst vor Pleiten mit den hiesigen Instituten keine Geschäfte machen.

Wie nötig diese Hilfe ist, zeigte sich am Mittwoch: 523 Banken bekamen in der ersten Runde dieser Stützungsaktion fast 500 Milliarden Euro zugeteilt . In der bislang größten Hilfsmaßnahme ähnlicher Natur – mitten in der Finanzkrise im Juni 2009 – verliehen die Notenbanken „nur“ 442 Milliarden Euro für ein Jahr aus. Damals wie heute misstrauten die Banken einander und liehen sich kein Geld mehr.

Allerdings – und das macht die Sache so kompliziert – spricht der rege Zuspruch auch für erhebliche Mitnahmeeffekte in der Finanzbranche. Die Banken konnten sich jetzt für 36 Monate extrem günstig mit Geld eindecken, das sich wiederum in besser verzinste Geschäfte investieren lässt.

Bereits in den vergangenen Tagen ließ sich beobachten, wohin ein Teil der Mittel fließt – zum Beispiel in Staatsanleihen von Spanien. Die Zinsen für diese Papiere sanken deshalb vorübergehend stark. Damit hilft die EZB eben nicht nur den Banken, sondern indirekt auch ganz bewusst notleidenden Staaten der Euro-Zone, die so leichter an frisches Geld kommen.

Wer allerdings kalkuliert, dass dieses Fluten der Märkte durch die Zentralbanker eine wirkliche Lösung für Europas Krise sein könnte, der verkennt noch immer die gewaltige Dimension der Probleme. Die hoffnungslose Überschuldung einiger Länder der Euro-Zone ist weniger Ursache als Symptom dieses Desasters.

Denn Europa als Ganzes befindet sich nicht in einem stabilen Gleichgewicht. In Ländern wie Griechenland und Portugal sind die Löhne viel zu hoch für die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit ihrer Wirtschaft. Sie auf ein Maß zu drücken, das die Staaten konkurrenzfähig macht, ist wohl nur um den Preis sozialer Unruhen möglich.

Dauerhafte Transfers aus dem reichen Norden in den armen Süden als Alternative gelten dagegen hierzulande als wenig opportun. Wie die Lenker Europas diese Probleme lösen wollen, ohne dass die Euro-Zone als Ganzes auseinander bricht, haben sie auf Dutzenden Gipfeln nicht beantworten können. Die EZB hat ihnen noch einmal Zeit erkauft, die sie endlich zur Klärung dieser Fragen nutzen sollten.