Drogeriemarkt-Kette

Die Kehrtwende bei Schlecker kommt 2012

"Fit for Future" heißt das Programm, das Schlecker in die Gewinnzone zurückbringen soll. Hunderte Filialen könnten ihm zum Opfer fallen.

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Die angeschlagene Drogeriemarktkette Schlecker will 2012 in die schwarzen Zahlen zurückkehren. „Wir sind mitten drin in einer großen Reorganisation und auf gutem Weg“, sagte Geschäftsführer Lars Schlecker „Morgenpost Online“. Seit 2008 schreibt der langjährige Branchenführer Verluste. Nun soll die Trendwende gelingen.

„2012 werden wir den Turnaround schaffen“, ist sich Schlecker sicher . Das erste Quartal werde allerdings noch von Filialschließungen geprägt sein. Bei der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di ist von mehreren Hundert Geschäften die Rede. Und dabei werden erstmals auch Entlassungen nicht ausgeschlossen. „Bisher sind keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen worden. Wir können aber nicht garantieren, dass das im nächsten Jahr so bleibt“, gibt Schlecker zu. Man sei deswegen mit Ver.di intensiv im Gespräch.

Jede zehnte Filiale wird geschlossen

Die Schließungen sind Teil des Sanierungsprogramms „Fit for Future“, das sich das Unternehmen mit dem Einstieg der beiden Gründerkinder Lars und Meike Schlecker ins operative Geschäft vor rund einem Jahr auferlegt hat. Bislang fielen der Schrumpfkur rund 800 der bundesweit gut 8000 Geschäfte zum Opfer, davon alleine 600 in den beiden Monaten November und Dezember .

Konkrete Zahlen für die anstehende zweite Konsolidierungsrunde will Schlecker nicht nennen. „Wir werden am Ende der Restrukturierung noch mehr als doppelt so viele Filialen haben wie die Wettbewerber zusammen“, versichert Geschäftsführerin Meike Schlecker lediglich. Denn das Unternehmen wolle sich auf keinen Fall aus der Fläche zurückziehen. „Wir werden uns noch stärker als Regionalversorger positionieren – mit einem Sortiment, das der Umgebung deutlich besser angepasst sein wird als bisher“, sagt die Jung-Managerin. In Gegenden mit vielen Hundebesitzern beispielsweise werde es ein größeres Sortiment von Tierzubehör geben.

Gleichzeitig kündigt das Unternehmen, das in diesem Jahr die Marktführerschaft an den badischen Konkurrenten dm verloren hat, für andere Warengruppen Preissenkungen an – damit man die „Preisführerschaft für viele Sortimente zurückgewinnt“, wie es aus den Zentrale heißt. Dafür wird unter anderem die Logistik effektiver gemacht. Vier von einstmals 18 Logistikzentren sind bereits geschlossen, Mitte 2012 folgt ein weiteres.

Und schließlich setzt Schlecker bei seinem Zukunftsprogramm auf eine Modernisierung der vom Kunden oftmals als schmuddelig wahrgenommenen Filialen. Heller, freundlicher und übersichtlicher sollen sie werden. Gleichzeitig werden sogenannte XL-Filialen aufgebaut, die mit 600 Quadratmetern etwa so groß sind wie die von dm und Rossmann. Doch diese Umbauten laufen deutlich langsamer als geplant. Erst 350 Läden wurden modernisiert, meldet das Familienunternehmen aus dem schwäbischen Ehingen.

Filialen werden aufgehübscht

Im kommenden Jahr soll der Umbau schneller vorangehen: 750 bis 1000 Geschäfte stehen für 2012 auf der Renovierungsliste. Auch aus Geldgründen. Denn in den bereits aufgehübschten Niederlassungen konnten die Umsätze zwischen acht und 30 Prozent zulegen, wie es bei Schlecker heißt.

Die Arbeitsplätze der Mitarbeiter in den zum Umbau ausgesuchten Filialen scheinen damit sicher. Bei den von der Schließung betroffenen Standorten sieht das anders aus. Zwar gibt es einen Beschäftigungssicherungsvertrag mit der Gewerkschaft, gültig bis Juli 2012. Die Umsetzung der Mitarbeiter in andere Filialen hat aber ebenso Grenzen wie der Einsatz als sogenannte Springer, also als Vertretung für Kollegen, die krank sind oder Urlaub haben.

Das sehen auch die Verantwortlichen bei Ver.di. „Alle Mitarbeiter ohne Arbeit weiterzubezahlen, wäre eine betriebswirtschaftlich ungesunde Situation für das Unternehmen“, sagt Achim Neumann, der bei Ver.di für Schlecker zuständig ist. Wenn die im Kündigungsfall fälligen Abfindungen für Schlecker zu viel seien, müsse der Konzern auf die Gewerkschaft zukommen. „Unter bestimmten Voraussetzungen sind wir bereit zu reden.“

Erste Gespräche zwischen Gewerkschaftsvertretern und der Schlecker-Führung hat es in der vergangenen Woche bereits gegeben. „Wir wollen den kooperativen Kurs weiter fortsetzen“, bekräftigt Meike Schlecker. Das aber ist bisher offenbar nur eine Ankündigung. Ver.di kritisiert, noch habe Schlecker keine deutlichen Hinweise gegeben, wie sie weiter vorgehen wollen, sagt Neumann. „Uns fehlt die Planungssicherheit und die Perspektive für die Beschäftigten.“