Übernahmen und Fusionen

Euro-Krise vermiest Investmentbankern das Geschäft

Zum Jahresende gab es so wenige Fusionen und Übernahmen wie seit 1996 nicht mehr. Investmentbanker erwarten die nächsten Monate nur zaghafte Erholung.

Foto: Infografik Welt Online

Investmentbanker sind Zweckoptimisten. Dieser Berufsstand spreche immer von großer Aktivität, selbst wenn es gerade grausig laufe, scherzte der frühere Schweizer Bankmanager Walter Kielholz einmal. Und tatsächlich wollte sich so mancher Banker noch nicht entmutigen lassen, als das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen im Sommer einbrach: Zwar war das dritte Quartal das schwächste Vierteljahr seit 2003, aber wenn sich die Finanzmärkte ein wenig beruhigten, könne es schnell wieder aufwärts gehen.

Doch erst einmal ging es weiter bergab: Im vierten Quartal summierten sich die Fusionen und Übernahmen (M&A) mit deutscher Beteiligung gerade noch auf 9,1 Mrd. Dollar, wie aus neuen Statistiken des Datenanbieters Thomson Reuters hervorgeht – das ist schlechteste Vierteljahr seit 1996.

Für das Gesamtjahr 2011 summierte sich das Volumen immerhin auf 129,5 Mrd. Euro, stattliche 61 Prozent mehr als im bereits katastrophal schwachen Vorjahr. Doch diese Steigerung ging einzig und allein auf ein sehr starkes erstes Quartal zurück, in das große Deals wie der 40 Mrd. Dollar schwere Verkauf des US-Geschäfts von T-Mobile oder die Fusion der Deutschen Börse mit dem New Yorker Konkurrenten Nyse fielen – wobei beide Transaktionen noch an Kartellproblemen scheitern könnten.

Auf den vorderen Rängen der Rennliste der beratenden Banken für dieses Jahr finden sich entsprechend auch ausschließlich Institute, die bei diesen beiden Geschäften dabei waren: JP Morgan, Deutsche Bank und Credit Suisse belegen die Plätze eins bis drei. Vorjahressieger Goldman Sachs bekam beim T-Mobile-Deal kein Mandat ab und findet sich deshalb diesmal nur auf Rang acht wieder.

Aus der Euphorie, die viele M&A-Berater Anfang des Jahres noch zeigten, ist längst Ernüchterung geworden. "Von Mitte 2010 bis Mitte 2011 war das Umfeld günstig für M&A-Transaktionen, weil sich Käufer und Verkäufer in ihrer Einschätzung der Lage weitgehend einig waren", sagt Dirk Albersmeier, Leiter des Übernahmegeschäfts bei JP Morgan in Deutschland. Dann brachen ab Sommer jedoch im Zuge der Euro-Krise die Aktienkurse ein, während die meisten Unternehmen noch gute Zahlen schrieben. "Angesichts der gut laufenden Geschäfte sahen potenzielle Verkäufer bislang noch keine Veranlassung, ihre Preisvorstellungen nach unten zu korrigieren.

Die Käufer hätten dagegen allenfalls noch mit einem großen Sicherheitsabschlag zugegriffen – so kam man nicht mehr zusammen", sagt Albersmeier. Gleichzeitig lahmte auch das Geschäft mit Börsengängen und Kapitalerhöhungen im zweiten Halbjahr, nachdem es Anfang des Jahres noch mehrere größere Transaktionen gegeben hatte – allen voran die milliardenschwere Kapitalerhöhung der Commerzbank. Die erfolgreichsten Berater im Aktiengeschäft waren dieses Jahr Goldman Sachs und die Deutsche Bank.

Keine Besserung in den nächsten Monaten

Kurzfristig dürfte die Lage angesichts der anhaltenden Euro-Krise durchwachsen bleiben. "Das erste Quartal 2012 wird sicher nicht besser werden, dafür gibt es keinerlei Anzeichen", sagt Albersmeier. "Aber danach kann es wieder aufwärts gehen." Nach und nach würde sich das eingetrübte Umfeld auch in den Preiserwartungen der Verkäufer niederschlagen. "Mancher Verkäufer weint heute den Angeboten hinterher, die er Anfang des Jahres noch als zu niedrig abgelehnt hat", sagt Ken Oliver Fritz, Leiter des Investmentbankings der Credit Suisse in Deutschland und Österreich. "Und zumindest in einigen Fällen wird man nun geneigt sein, Unternehmen auch zu einem etwas niedrigeren Preis abzugeben."

Fritz gibt sich denn auch "verhalten optimistisch" für das kommende Jahr. Zumal in manchen Branchen eine längst überfällige Konsolidierung in den vergangenen Jahren ausgeblieben sei. "Das ist wie bei einer Flasche, in der sich immer mehr Druck aufbaut: Irgendwann muss sich dieser Druck entladen", sagt Fritz. Auch Private-Equity-Fonds, die sich seit Jahren angesichts fehlender Bankkredite zurückhielten, sieht er im Zugzwang: "Die Fonds können es sich nicht länger erlauben, nur auf ein günstigeres Umfeld zu warten." Manch eine Beteiligungsgesellschaft dürfte deshalb geneigt sein, mehr Eigenkapital in einen Firmenkauf zu investieren, auch wenn dies die Rendite schmälert.

Große Milliardenübernahmen erwarten die Banker jedoch in nächster Zeit nicht – weder von Finanzinvestoren noch von Konzernen. "2012 wird nicht das Jahr der Megadeals, dafür ist das makroökonomische Umfeld zu unsicher", sagt JP-Morgan-Banker Albersmeier. "Aber es könnte das Jahr der strategisch sinnvollen Ergänzungen werden."

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