Nach Umweltkatastrophe

Brasilien will US-Ölkonzern aus dem Land werfen

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Nach der Ölkatastrophe vor Rio de Janeiro fordert Brasilien von dem US-Multi Chevron Schadenersatz in Höhe von umgerechnet 8,1 Milliarden Euro. Zudem will das Land dem Konzern jegliche Tätigkeit untersagen. Das gab die Staatsanwaltschaft in Rio de Janeiro am Mittwochabend bekannt.

Die brasilianische Staatsanwaltschaft hat von dem US-Konzern Chevron wegen eines Öllecks vor der Küste im November eine Entschädigung von 10,6 Milliarden Dollar (8,1 Milliarden Euro) gefordert. Zudem sei dem Unternehmen für eine unbestimmte Zeit jegliche Tätigkeit im Land zu untersagen, hieß es am Mittwoch in einer Stellungnahme gegenüber einem Richter.

Die Regierung in Brasilia wirft Chevron vor, Informationen über das Ausmaß des Unglücks vom 7. November verschleiert und nicht schnell genug mit der Beseitigung des Ölteppichs begonnen zu haben. Nach Angaben der Nationalen Ölgesellschaft traten mehr als 400.000 Liter Öl in den Atlantik aus.

Staatsanwalt Eduardo Santos de Oliveira kritisierte, es habe zu lange gedauert, das Leck zu schließen. Die Firmen hätten auf der Behauptung beharrt, dass es sich um einen kleinen Unfall handele.

Der Konzern selbst reagierte umgehend auf die Klageankündigung. „Chevron hat keine formelle Nachricht über die Klage erhalten“, hieß es in einer Mitteilung. Man habe auf den Vorfall im Atlantik verantwortlich reagiert und sei transparent mit den brasilianischen Behörden umgegangen. Der Ölaustritt sei innerhalb von vier Tagen gestoppt worden und Chevron mache signifikante Fortschritte dabei, jegliches Restöl aufzufangen.

Bei der Probebohrung in dem Feld Frade im Atlantik rund 370 Kilometer nordöstlich Rio de Janeiros war vom 7. November an Öl ausgetreten. Die Nationalen Erdölagentur (ANP) meldete auch rund zwei Wochen später noch, dass Erdöl ins Meer entweiche. Chevron hatte die „volle Verantwortung“ für den Vorfall übernommen und eingeräumt, dass der Druck in dem Bohrloch unterschätzt worden sei. Gegen das Unternehmen verhängten die Umweltbehörden bereits eine Strafe von 50 Millionen Reais (20,5 Mio. Euro).

Chevron hatte die „volle Verantwortung“ für die Ölpest übernommen, die durch eine Bohrung ausgelöst worden war. Der Austritt des Öls war am 9. November entdeckt worden. Das betroffene Bohrloch von Chevron befindet sich nahe dem Ölfeld Campo Frade rund 370 Kilometer vor der brasilianischen Küste. In der Nähe liegen Routen von Walen und Delfinen.

Die staatliche brasilianische Erdölagentur ANP hatte Chevron nach der Umweltkatastrophe die Förderlizenz für sämtliche Bohraktivitäten auf brasilianischem Territorium entzogen. Die Regierung wirft dem US-Unternehmen Nachlässigkeit und Falschinformation in Zusammenhang mit dem Bohrunfall vor.

Die Umweltkatastrophe hat in Brasilien eine neue Debatte über die Gefahren der Tiefseebohrung entfacht. Umweltschützer kritisieren, dass die Unternehmen keine Notfallpläne für Unfälle bei hochriskanten Bohrungen in bis zu 7.000 Metern unter der Meeresoberfläche haben.