Allianz

Versicherung beruft eine Frau in den Vorstand

Ein weitere Dax-Konzerne beruft eine Frau in den Vorstand. Nun rückt Helga Jung in die Führungsrüge des weltgrößten Versicheres auf.

Vor knapp einem Jahr hat Michael Diekmann ein Versprechen gegeben: Bei der nächsten Umbildung der Vorstands der Allianz SE werde er darauf achten, dass mindestens eine Frau zum Zug komme, kündigte er an. Er hat Wort gehalten.

Mit Helga Jung zieht nach 121 Jahren Firmengeschichte erstmals eine Frau in den Vorstand des größten Versicherungskonzerns der Welt ein. Die 50-Jährige ist ein Gewächs des Hauses: Bisher hat sie den Bereich Übernahmen und Fusionen geleitet. Jetzt übernimmt sie die Verantwortung für das Versicherungsgeschäft in Spanien, Portugal und Lateinamerika sowie die Zuständigkeit für Fusionen und Akquisitionen, Strategische Beteiligungen, Recht und Compliance.

Gegen den Verdacht, dass Helga Jung einen Frauenbonus hatte, wehrt sich Konzernchef Diekmann vehement: „Das wäre eine völlig falsche und unfaire Lesart dieser Ernennung. Wir haben ausschließlich nach Leistungskriterien entschieden.“

Über zwölf Jahre hinweg war die Managerin die rechte Hand von Finanzvorstand Paul Achleitner. Sie verhandelte, als die italienische RAS mit der Allianz verschmolzen wurde, sie war dabei, als der Konzern zu einer Europäischen Aktiengesellschaft (SE) umgewandelt wurde. Auch bei der Eingliederung der französischen Tochter war sie federführend tätig.

"Allererste Liga"

„Ihr Verhandlungsgeschick hat ihr großen Respekt innerhalb und außerhalb der Allianz verschafft“, sagt Christian De Labriffe, Partner bei Rothschild in Paris. Auch der renommierte Wirtschaftsanwalt Georg Thoma zieht vor ihr den Hut: „Sie ist allererste Liga: hochkompetent, analytisch und gleichzeitig sehr bodenständig. Sie hat eine gewisse Kongenialität.“ Spricht man sie selbst auf das Thema Quotenfrau an, reagiert Jung gelassen: „Damit muss man rechnen“, sagt die Allgäuerin. „Aber das ist mir eigentlich wurscht.“

Die Personalie ist Teil einer großen Rochade im Konzern. Dass zum Jahresende der oberste Vermögensverwalter Joachim Faber aus Altersgründen ausscheiden würde, war vorhersehbar. Doch dass gleich zwei Großbanken binnen weniger Wochen zuerst Finanzvorstand Achleitner und kurz darauf Europa-Versicherungschef Enrico Cucchiani abwerben, riss beim Münchner Konzern eine Lücke.

Am Mittwoch teilte das Unternehmen mit, dass der Aufsichtsrat den Wünschen der beiden Manager entspricht und die Verträge vorzeitig auflöst. Damit macht die Allianz dem Wechsel von Achleitner zum Termin Ende Mai an die Aufsichtsratsspitze der Deutschen Bank den Weg frei. Cucchianis Vertrag wird bereits am 21. Dezember aufgelöst, damit der Italiener an die Spitze der Großbank Intesa wechseln kann.

Neuer Finanzvorstand

Neuer Finanz- und Kapitalanlagevorstand wird Maximilian Zimmerer. Seit sechs Jahren zeichnet der Düsseldorfer für den Lebensversicherungsbereich in Deutschland verantwortlich – und davon will er sich auch nicht trennen. Denn künftig fällt auch der Bereich Globale Lebensversicherung in seine Verantwortung.

Die Investorenbetreuung hingegen wird künftig bei Risikovorstand Oliver Bäte angesiedelt sein. Auch im US-Geschäft gibt es ein neues Gesicht an der Spitze: Der bisherige US-Chef Jay Ralph ist künftig im Vorstand für den Vermögensverwalter Allianz Global Investors verantwortlich. Sein Nachfolger wird Gary Bhojwani, bisher Chef der Allianz Life. Der einzige Neuzugang von außen ist Dieter Wemmer. Der bisherige Finanzchef von Zurich Financials wird für die globale Sachversicherung und Teile des westeuropäischen Versicherungsgeschäfts zuständig sein.

Große Umbrüche gibt es jedoch auch im Aufsichtsgremium. Chefkontrolleur Henning Schulte-Noelle (69) wird sich aus Altersgründen bei der Hauptversammlung 2012 nicht mehr zur Wahl stellen. Stattdessen wird der langjährige Allianz-Vorstand Helmut Perlet in das Gremium einziehen. Aber auch im Kontrollgremium stärkt die Allianz ihre Frauenpower: Die 50-jährige Christine Bosse soll als Vertreterin der Anteilseigner auf Gerhard Cromme (68) folgen. Bosse war langjährige Chefin des dänischen Versicherungsunternehmens Tryg Forsikring. Da sie aus persönlichen Gründen nicht vor 2013 zur Verfügung steht, wird der Stabwechsel erst dann erfolgen.