Staatsanleihen

Italien muss unter Monti Rekord-Zinsen zahlen

Bei der ersten Anleihen-Auktion nach dem EU-Gipfel kann Italien drei Milliarden Euro am Markt einsammeln. Doch Zinssatz steigt erneut.

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Zinsen nahe null hier, Rekordrenditen dort: Während Deutschland wieder günstiger an frisches Geld kommt, muss Italien die Investoren mit dem höchsten Zins seit Einführung des Euro locken. Beide Länder hatten aber keine Probleme, genügend Geldgeber zu finden.

Bei der ersten Auktion fünfjähriger Staatsanleihen nach dem richtungsweisenden EU-Gipfel nahm Italien drei Milliarden Euro ein. Die Anleger lassen sich ihr Geld im Schnitt mit einem Zins von 6,47 Prozent vergüten.

Im November waren es nur 6,29 Prozent gewesen. Der Marktzins liegt mit 6,7 Prozent aber noch höher. „Die Unsicherheit für den Fortgang der Schuldenkrise bleibt hoch“, sagte Analystin Annalisa Piazza von Newedge Strategy.

Gipfelbeschlüsse können Märkte nicht voll überzeugen

Die EU-Gipfelbeschlüsse hätten die Märkte nicht davon überzeugen können, dass die Krise nun bald gelöst werde. Ihr Kollege Sergio Capaldi von Intesasanpaolo bezeichnete die Auktion dennoch als gelungen: „Dass der Zins unter dem Marktniveau liegt, deutet auf eine starke Nachfrage von Investoren hin“.

Italien sitzt auf einem Schuldenberg von rund 1,9 Billionen Euro. Diese Summe entspricht 120 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. Nur in Griechenland hat in Europa eine höhere Schuldenstandsquote. Italien muss sich im kommenden Jahr 440 Milliarden Euro von Investoren holen, um alte Kredite abzulösen, Zinsen zu zahlen und die Haushaltslücke zu schließen.

Je höher die Refinanzierungskosten sind, desto mehr muss die Regierung von Ministerpräsident Mario Monti an anderer Stelle sparen, um den Haushalt zu sanieren. Experten bezweifeln deshalb, dass der Staat auf Dauer mit einem so hohen Zinsniveau zurecht kommt.

Deutschland bekommt Geld für 0,29 Prozent

Deutschland hingegen profitierte in dem nervösen Marktumfeld einmal mehr von seinem Status als sicherer Hafen: Er sammelte bei der 68. und letzten Auktion in diesem Jahr knapp 4,2 Milliarden Euro bei Anlegern ein.

Es hätten auch rund sechs Milliarden Euro sein können, so groß war die Nachfrage nach den Bundesschatzanweisungen mit zweijähriger Laufzeit. Die Versteigerung war damit 1,4-fach überzeichnet - im November nur 1,1-fach. Die Anleger begnügten sich mit einem Zins von 0,29 Prozent. Im November waren es noch 0,39 Prozent. Zum Vergleich: Der Marktzins für vergleichbare französische Papiere liegt mit knapp 0,9 Prozent deutlich höher.

Bund bleibt ein beliebter Schuldner

Die Finanzagentur sprach von einem „sehr guten Ergebnis“. „Mit der letzten Auktion bestätigt sich der grundlegende Trend im laufenden Jahr: Der Emittent Bund kann als sicherer Hafen der Suche nach Qualität durch die Investoren gerecht werden“, sagte ein Sprecher. Insgesamt hat der Bund in diesem Jahr am Kapitalmarkt rund 283 Milliarden Euro eingesammelt. 2012 dürfte der Kreditbedarf etwas niedriger ausfallen.

Trotz des drohenden Verlustes der Top-Bonitätsnote „AAA“ dürfte der Bund ein beliebter Schuldner bleiben. Ein Grund dafür sind die vergleichsweise soliden Staatsfinanzen, ein anderer die hohe Liquidität der Bundespapiere: Die Bundesrepublik zahlt auch deshalb so niedrige Zinsen, weil Deutschland nach den USA der weltweit zweitgrößten Markt für Staatsanleihen ist.

Über alle Laufzeiten hinweg hat der Bund Papiere im Wert von 1,1 Billionen Euro im Umlauf. Allein im ersten Halbjahr wechselten an den Börsen aber Papiere im Wert von mehr als 3,2 Billionen Euro ihren Besitzer. Anleger können ihre Wertpapiere damit bei Bedarf wieder zu cash machen und sind deshalb bereit, Abschläge bei der Rendite hinzunehmen.