Insolvenzantrag gestellt

Solon-Pleite bedroht mehr als 500 Jobs in Berlin

Nachdem Insolvenzantrag des Berliner Unternehmens Solon sind 511 Arbeitsplätze in der Hauptstadt und 21 in Greifswald in Gefahr. Die Mitarbeiter des Solarmodulherstellers glauben trotzdem an eine Rettung der Firma.

Foto: Amin Akhtar

Die Pleite des Solarmodulherstellers Solon bedroht 511 Arbeitsplätze in Berlin. Außerdem stehen 21 Arbeitsplätze in Greifswald in Vorpommern auf dem Spiel, wie Unternehmenssprecherin Therese Raatz der Nachrichtenagentur dpa sagte. Einen Tag nach dem Insolvenzantrag war es am Mittwoch noch unklar, wie es mit dem laufenden Geschäft weitergeht. Erst nach dem Eintreffen des Insolvenzverwalters könne sie Näheres mitteilen, sagte Raatz. Mit den 266 Mitarbeitern im Ausland hat Solon derzeit 798 Beschäftigte.

Der mühsam aufgebaute Wirtschaftsstandort Adlershof im Südosten der Hauptstadt werde durch die Pleite aber keinen Schaden nehmen, sagte der Sprecher der Projektgesellschaft, Peter Strunk. „So etwas ist immer ein Kratzer auf dem Lack. Aber wir haben dadurch keine Schwierigkeiten. Wir hängen nicht von einer Technologie und von einem Unternehmen ab.“ Bei den überwiegend kleinen Technologiefirmen in Adlershof arbeiten mehr als 5000 Menschen.

Solon, einst ein Vorzeigeunternehmen der deutschen Photovoltaik-Branche, leidet seit 2009 unter der schwachen Nachfrage in wichtigen Absatzmärkten und dem anhaltenden Preisdruck. Probleme bereitet der heimischen Solarindustrie vor allem die Billigkonkurrenz aus China. In den vergangenen Monaten bemühte sich Solon um eine Restrukturierung und Kostensenkung. Mit Banken, Bürgen und Investoren seien Gespräche geführt worden. Die Verhandlungen über eine einvernehmliche Lösung seien aber gescheitert, teilte Solon mit.

Im Sommer hatte sich Vorstandschef Stefan Säuberlich noch zuversichtlich gezeigt, bis Jahresende mit den Banken zu einem Abschluss zu kommen. Konkret wurde über die Verlängerung von Krediten in Höhe von 275 Millionen Euro verhandelt. Für die ersten neun Monate dieses Jahres hatte Solon einen Verlust auf Konzernebene in Höhe von 208 Millionen Euro verbucht. Die Nettoverschuldung lag Ende September bei 396 Millionen Euro.

Die 430 Unternehmen im Wissenschafts- und Technologiepark Adlershof konnten 2011 insgesamt wieder zulegen. Der Umsatz stieg nach Strunks Angaben um sieben bis acht Prozent auf gut 620 Millionen Euro. Im Vorjahr hatte das Wachstum bei 16,9 Prozent gelegen. Photovoltaik ist nur eins der Geschäftsfelder. Weitere sind die Photonik und Optik, Mikrosysteme und Materialien, Informationstechnik und Medien, Biotechnologie und Umwelt.

Die Mitarbeiter des Solarmodulherstellers Solon glauben trotz der Zahlungsunfähigkeit an eine Rettung der Berliner Firma. „Es besteht immer noch die Möglichkeit, dass die Investoren einsteigen und wir die Insolvenz so überstehen“, sagte die Betriebsratsvorsitzende Sabine Lutze am Mittwoch. Bis vor kurzem sei Solon mit zwei interessierten Investoren in Verhandlungen gewesen, sagte eine Firmensprecherin. Diese Gespräche seien jedoch vorerst gescheitert. Solon hatte am Dienstag beim Amtsgericht Charlottenburg Antrag auf Insolvenz gestellt.

Die Stimmung im Unternehmen sei sehr angespannt, sagte die Betriebsratschefin. „Die Kollegen sind enttäuscht und ängstlich, dass sie, gerade jetzt vor Weihnachten, kein Geld mehr bekommen“, erklärte Lutze.

Deutschlandweit beschäftigt das Unternehmen nach eigenen Angaben derzeit 530 Mitarbeiter, 510 davon am Standort Berlin. Auch für die Tochtergesellschaften Solon Photovoltaik und Solon Investments in Berlin sowie die Greifswalder Solon Nord hat die Gruppe Insolvenz beantragt. Am Mittwochnachmittag sollte der Insolvenzverwalter in Berlin eintreffen.

Bis Ende September hat der Konzern in diesem Jahr bei einem Umsatz von 358,2 Millionen Euro bereits einen Verlust von 208,3 Millionen Euro erwirtschaftet. Zu diesem Zeitpunkt wies Solon im Zwischenbericht eine Nettoverschuldung von 396 Millionen Euro aus.

Kurs der Solon-Aktien stürzt ab

Solon-Aktien büßten an der Börse an die 60 Prozent ihres Wertes ein. Auch auf die Kurse weiterer Solarfirmen strahlte die Insolvenz ab. Die Papiere des ebenfalls angeschlagenen Solarzellenherstellers Q-Cells lagen am Nachmittag mit über vier Prozent im Minus, Conergy-Aktien verloren rund drei Prozent. Der Kurs des Konkurrenten Solarworld, eine der größten deutschen Solarfirmen, legte hingegen zwischenzeitlich mit einem Plus von mehr als sechs Prozent kräftig zu.

Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Solarwirtschaft, bedauerte die Solon-Insolvenz und forderte Planungssicherheit für die Branche. „Der Markt ist in Bewegung, und es wird zum Teil mit harten Bandagen gekämpft“, teilte Körnig mit. Umso wichtiger seien jetzt verlässliche Rahmenbedingungen. „Was die Solarindustrie momentan am wenigsten gebrauchen kann, ist eine erneute Förderdebatte“, sagte er mit Blick auf den Vorschlag von Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), den Ausbau neuer Photovoltaik-Anlagen auf 1.000 Megawatt jährlich zu begrenzen.

Experte rechnet mit weiteren Pleiten

Volker Quaschning, Professor für regenerative Energien an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin, rechnet nach der Solon-Insolvenz mit weiteren Pleiten in der Branche. „Im nächsten Jahr wird es ganz klar zu einer Marktbereinigung kommen“, sagte er der Nachrichtenagentur dapd. Zum 1. Januar 2012 sinke erneut die Vergütung für Solarstrom in Deutschland. Statt 28,74 Cent bekommen Besitzer einer Photovoltaikanlage nur noch 24,43 Cent für jede Kilowattstunde, die Sie ins Netz einspeisen. Laut Quaschning gibt es kaum eine Branche mit höherem Preisverfall.

Langfristig ist der Experte jedoch optimistisch. „In etwa fünf Jahren erwarten wir einen konsolidierten Markt, zwar mit weniger, dafür aber mit größeren Wettbewerbern“, sagte Quaschning.