GfK-Studie

Hier leben die kaufkräftigsten Deutschen

Die Kaufkraft in Hamburg ist erstmals höher als in Bayern. Jeder Bürger kann 2012 rund 400 Euro mehr ausgeben – wäre da nicht die Inflation.

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Einzelhändler, die auf Nummer sicher gehen wollen, sollten einen Standort in der Nähe der Kaiser-Friedrich-Promenade zu Bad Homburg im Taunus erwägen. Gut wäre auch ein Laden irgendwo nahe der Münchner Straße in Starnberg oder im nahen Umland der bayrischen Landeshauptstadt.

Denn in den Landkreisen Hochtaunuskreis, Starnberg und München sitzen die Menschen mit der höchsten Kaufkraft Deutschlands . Im Hochtaunus wird jeder der 227.000 Einwohner im kommenden Jahr im 29.285 Euro ausgeben können, am Starnberger See zwischen den sanften Hügeln des Alpenvorlandes werden es 29.142 Euro sein und in den Vororten Münchens 27.877 Euro.

Ein hartes Geschäft ist der Einzelhandel hingegen in den Landkreisen Görlitz (Sachsen) sowie Demmin und Uecker-Randow (beide Mecklenburg-Vorpommern). Beim Schlusslicht von 412 Land- und Stadtkreisen, Uecker-Randow, ist die durchschnittliche Kaufkraft gerade einmal halb so groß wie im Hochtaunuskreis: 14.949 Euro im Jahr. Damit erreicht der Flecken im Nordosten der Republik gerade einmal 74,7 Prozent des bundesdeutschen Durchschnitt.

Die Zahlen stammen aus der Studie „GfK Kaufkraft Deutschland 2012“, die die Marktforscher von Gfk Geomarketing erstellt haben und die Morgenpost Online vorab in Auszügen vorliegt. Auf den ersten Blick transportiert die Studie eine erfreuliche Botschaft. Im Durchschnitt wird jeder Deutsche im kommenden Jahr 413 Euro mehr ausgeben können, so die Berechnungen von Gfk Geomarketing.

Von höherer Kaufkraft bleibt kaum etwas übrig

Die Kaufkraft steigt somit im nächsten Jahr im bundesdeutschen Durchschnitt um etwa zwei Prozent im Vergleich zu diesem Jahr. Allerdings wird davon kaum etwas übrig bleiben. Schuld daran sind die steigenden Preise. Die Inflation – nach Schätzung der Bundesbank wird die Teuerung nächstes Jahr bei 1,8 Prozent liegen – wird den Zuwachs zunichte machen.

„Die reale Kaufkraft der Deutschen wird in 2012 voraussichtlich nahezu stagnieren“, sagt Simone Baecker-Neuchl, Projektleiterin der Kaufkraft-Studie. „Die Wachstumschancen für die Wirtschaft, insbesondere des Einzelhandels, hängen damit weiterhin direkt von der Stimmung und dem Vertrauen der Konsumenten ab.“

Bislang lassen sich die Deutschen trotz anhaltender Euro-Krise nicht die Kauflust verderben . Der Binnenkonsum ist eine Stütze der Konjunktur und das ist durchaus anders als zu anderen Krisenzeiten, wo die Bundesbürger dazu neigten, bei den ersten Krisensymptomen ins Angstsparen zu verfallen. Auch die Prognosen für das aktuelle Weihnachtsgeschäft sind durchaus optimistisch. Wenngleich an den ersten Adventswochenenden sich die Erwartungen der Ladenbesitzer noch nicht erfüllt haben . Erst am vergangenen Wochenende äußerte der Handelsverband Deutschland (HDE), dass der „Knoten noch nicht geplatzt“ sei.

Immerhin: In den Einkaufsmeilen deutscher Großstädte war das Treiben am dritten Adventswochenende durchaus lebhaft. Angesichts der wirtschaftlichen Großwetterlage – Eurokrise, wackelige Weltkonjunktur – kann man die Daten aber auch als ermutigend deuten. Zwar wird es real kaum Zuwächse geben. Aber die Deutschen müssen trotz der vielen Risiken auch im nächsten Jahr keinen Kaufkraftverlust befürchten.

Hamburg löst Bayern erstmals an der Spitze ab

Bemerkenswert ist die Veränderung in der Rangliste der kaufkräftigsten Bundesländer. Hier hat Hamburg zum ersten Mal den Freistaat Bayern abgelöst. Laut GfK GeoMarketing verzeichnen die drei Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen die deutlichsten Verbesserungen im Vergleich aller Bundesländer.

Das hat, wie Studienleiterin Baecker-Neuchl erklärt, mit den besonderern Merkmalen von Großstädten zu tun, wo überdurchschnittlich viele Menschen von Transfers leben, so dass nicht nur die gestiegenen Einkommen die Veränderung positiv beeinflussen. „Transferleistungen wie Kindergeld, Renten und Bafög sind gestiegen – das schlägt sich in höherer Kaufkraft nieder“, sagt Baecker-Neuchl.

Die deutschen Metropolen sind naturgemäß ein Magnet für Menschen mit hohem Einkommen, woraus zwangsläufig Kaufkraft resultiert. Am liebsten wohnen sie am Rand der Großstädte. Die Rangliste der kaufkräftigsten Kreise liest sich demzufolge wie ein Register der Speckgürtel. Unter den Top 25 aller 412 Landkreise dominieren die Umlandgemeinden von München, Frankfurt/Main und Hamburg sowie die Städte München, Frankfurt und Düsseldorf. Sie alle liegen mit ihrer Kaufkraft deutlich über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Und wie in anderen Rankings, die letztlich Wohlstandsfaktoren auflisten, zeigt sich auch im Kaufkraft-Ranking.

Am besten dran ist der Südwesten der Republik. Die letzten Plätze hingegen, sowohl bei der Rangliste der Landkreise als auch bei den Bundesländern, sind von Ostdeutschland belegt. Aber immerhin: Der Osten holt auf, wie Baecker-Neuchl registriert hat.

„Die Spreizung ist von Jahr zu Jahr etwas geringer geworden.“ Trotzdem liegen selbst die ostdeutschen Landkreise mit der besten Kaufkraft noch unter dem gesamtdeutschen Niveau. Die Berliner Speckgürtel-Gemeinden Potsdam-Mittelmark, Stadtkreis Potsdam und Oberhavel liegen auf den Rängen Rang 165, 187 und 241.

Allerdings relativiert sich der Rückstand der Ostdeutschen, wenn man auf die Kaufkraft-Definition schaut. Gfk versteht darunter das verfügbare Nettoeinkommen inklusive Transferzahlungen wie Renten, Arbeitslosen- und Kindergeld, das für Konsum, Miete und andere Lebenshaltungskosten ausgegeben werden kann. Und Mieten sind im Osten wesentlich niedriger als im Westen.