Blohm + Voss

ThyssenKrupp findet Käufer für Traditionswerft

Der Stahl- und Industriegüterkonzern ThyssenKrupp verkauft den zivilen Teil der Hamburger Werft Blohm + Voss an den britischen Finanzinvestor Star Capital. Der Vertrag sei am Sonntag unterzeichnet worden. Die IG Metall Küste forderte prompt den Erhalt der rund 1500 Arbeitsplätze.

Foto: dapd / dapd/DAPD

Die IG Metall Küste hat vom Käufer der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss ein klares Bekenntnis zu den norddeutschen Standorten des Unternehmens gefordert. „Wir erwarten von Star Capital Partners, dass sie sich zu Hamburg und Kiel bekennen sowie für alle Betriebe eine Perspektive bieten“, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken, am Montag in Hamburg. Die rund 1500 Arbeitsplätze in Hamburg und Kiel müssten erhalten bleiben.

Nur so könne der britische Finanzinvestor beweisen, dass es ihm nicht allein um eine kurzfristige Rendite und einen schnellen Weiterverkauf geht, sagte Geiken. Auch ThyssenKrupp sei weiterhin in der Pflicht: „Der Konzern trägt Verantwortung für die Beschäftigten und Betriebe. Der Verkauf darf nicht auf dem Rücken der Kollegen ausgetragen werden“, sagte der Gewerkschafter.

Der Stahlkonzern ThyssenKrupp hatte am Wochenende nach langer Suche doch noch einen Käufer für den zivilen Bereich der Traditionswerft gefunden. Das Geschäft mit dem Bau von Megajachten, die Reparaturwerft und die Blohm + Voss-Maschinenbausparte werden von der britischen Beteiligungsfirma Star Capital übernommen. Der Kaufvertrag sei am Wochenende unterschrieben worden, teilte ThyssenKrupp am Montag mit. Der Kaufpreis soll sich nach Angaben aus Unternehmenskreisen auf einen dreistelligen Millionenbetrag belaufen.

Betroffen vom Verkauf sind rund 1.500 Mitarbeiter, die zuletzt einen Umsatz von knapp 500 Millionen Euro erwirtschaften. Der Vorstandsvorsitzende von ThyssenKrupp MarineSystems, Hans Christoph Atzpodien, sagte: „Die Arbeitsplätze sind sicher. Sonst hätten wir diese Transaktion nicht gemacht.“ Der Verkauf sei eine wichtige Weichenstellung zur Sicherung der Zukunft des Schiffsbaus in Hamburg-Steinwerder.

ThyssenKrupp selbst will sich künftig auf den Marineschiffbau konzentrieren. Im Konzern bleiben deshalb der U-Bootbauer HDW und die auf Überwasser-Marineschiffe spezialisierte Blohm + Voss Naval sowie eine auf den Marineschiffbau spezialisierte schwedische Werft. Insgesamt beschäftigen sie zusammen rund 3.700 Mitarbeiter.

Blohm + Voss Naval werde künftig ähnlich wie ein Anlagenbauer ohne eigene Fertigung am Markt agieren und sich auf die Konzeption der Schiffe, den Einkauf der benötigten Systeme und die Steuerung des Baus konzentrieren. Die eigentliche Fertigung könne dann auf einer Werft im Lande des Bestellers erfolgen, betonte Atzpodien.

Blohm + Voss ist eine der traditionsreichsten Werften Deutschlands. Erst kürzlich war dort der Luxusliner „Queen Mary 2“ wieder auf Vordermann gebracht worden. ThyssenKrupp geht davon aus, dass der Verkauf bereits im ersten Quartal 2012 abgeschlossen werden kann.