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Für Moody's sind EU-Gipfelbeschlüsse nicht genug

Belastet von einem weiteren negativen Rating-Kommentar ist der deutsche Aktienmarkt am Montag schwach in die neue Woche gestartet. Viele Beschlüsse des EU-Gipfels seien nicht neu, kritisierte Moody's. Der Dax reagierte umgehend und verlor am Montagmorgen 1,09 Prozent auf 5921 Punkte.

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Nach den EU-Gipfelbeschlüssen vom Freitag notierten die Aktienmärkte in Fernost am Montag fester, nur Schanghai lag im Minus.

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Trotz der weitreichenden Beschlüsse zur Haushaltskontrolle hat die Ratingagentur Moody's ihre Warnung an die EU-Staaten bekräftigt. Die Kreditwürdigkeit aller EU-Staaten werde im ersten Quartal 2012 einer genauen Prüfung unterzogen, teilte die Agentur am frühen Montagmorgen mit. Moody's hält damit an der Warnung von November fest.

Die Beschlüsse des jüngsten EU-Krisengipfels von Ende vergangener Woche gehen der Agentur nicht weit genug. Vor allem kurzfristige Maßnahmen zur Stabilisierung der angespannten Kreditmärkte fehlten. Die Eurozone und die gesamte EU stünden weiter unter Druck.

Darüber hinaus zeigt sich die Ratingagentur auch von den konkreten Beschlüssen der europäischen Staats- und Regierungschefs nicht überzeugt. Nur wenige der angekündigten Krisenmaßnahmen seien neu, vieles ähnele frühen Ankündigungen. Ungeachtet der Beschlüsse habe die europäische Schuldenkrise eine kritische Phase erreicht: Die Kreditmärkte für Banken und Staaten seien nach wie vor anfällig gegen Schocks.

Selbst unter der Annahme, dass es in der Eurozone zu keinen weiteren Solvenzproblemen auf staatlicher Ebene komme, seien Bonitätsabstufungen in den kommenden Monaten möglich. Je länger die zögerliche Reaktion der Politik auf die Krise anhalte, desto größer werde das Risiko ungünstiger Entwicklungen mit möglichen Staatspleiten, heißt es bei Moody's.

Die US-Ratingagentur hatte bereits im November vor einem Zerfall der Eurozone gewarnt. Seinerzeit nannte sie nicht zuletzt politische Unsicherheiten in Griechenland und Italien als Risiken. Nach der Bildung neuer Regierungen besserte sich die Lage dort zuletzt wieder etwas. Darüber hinaus sieht Moody's trübe Wachstumsaussichten für den Euroraum, was die Staatshaushalte zusätzliche belasten würde.

Der deutsche Aktienmarkt reagierte indes negativ auf das neuerliche Rating-Kommentar von Moody's und startete schwach in die neue Woche. Der Dax verlor in den ersten Minuten 1,14 Prozent auf 5918 Punkte. In der Vorwoche hatte der deutsche Leitindex insgesamt 1,54 Prozent verloren, konnte aber mit einem Plus von fast zwei Prozent am Freitag versöhnlich ins Wochenende gehen. Der MDax mittelgroßer Werte fiel am Morgen um 0,64 Prozent auf 8711 Punkte, und der TecDax gab 0,39 Prozent auf 676 Punkte ab.

Nach einer zunächst positiven Erwartung für den Börsenauftakt versalzten neue Aussagen von Moody's den Handelsstart. Dagegen hatte etwa Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer am Wochenende noch lobende Worte für den Gipfel gefunden: „Es ist der erste der europäischen Krisengipfel, nach dem die Finanzmärkte nicht sagen werden: Zu wenig und zu spät.“ Es sei auch der erste Gipfel gewesen, der nicht aktuelles Krisenmanagement betrieben, sondern nach vorne geblickt habe.