Facebook-Aktion

Sparkassen wollen mit Occupy-Anhängern reden

Biedere Sparkassen-Banker und Occupy-Demonstranten: Das sind bislang völlig getrennte Welten. Doch nun gehen die Sparkassenbanker und ihre Kritiker zu.

Foto: Welt Online

Das ist nun wirklich nicht ihre Welt: Wenn sich Banker unter die Occupy-Demonstranten mischen, reiben sie sich bisweilen erstaunt die Augen: Da wedeln die jungen Leute mit den Händen mal nach oben, mal nach unten – und das eine Zeichen heißt ja, das andere nein? Für jemanden aus der Welt der penibel erstellten Abstimmungsvorlagen sprechen die Demonstranten eine schwer verständliche Fremdsprache.

Nun wollen die Sparkassen zwischen den beiden Welten vermitteln. Ab diesem Montag ist eine Facebook-Seite freigeschaltet, auf der die Sparkassen die Bewegung zum Dialog einladen. Unter www.facebook.com/sparkassen.im.dialog sollen alle Interessenten jederzeit mit Vertretern der Finanzgruppe debattieren können – transparent und zu jeder Tages- und Nachtzeit einsehbar. Das Portal ist das Ergebnis eines wochenlangen Dialogs zwischen der Pressestelle des Deutschen Sparkassen und Giroverbandes (dsgv) und einzelnen Vertretern von Occupy und anderen Bewegungen.

Eigentlich wollten die Sparkassenvertreter in physischen Kontakt mit den Demonstranten treten und eine Art Versammlung abhalten. Doch da stieß der Verband an die Grenzen des Möglichen: Occupy hat keinen Chef, der verbindliche Zusagen machen kann. Zudem hätte ein fester Termin bedeutet, dass nicht alle hätten teilnehmen können, und das sei undemokratisch, fand ein Sprecher der Bewegung „Anonymous“ .

Deshalb entstand die Idee für den Dialog im Internet, der mit einem Video-Interview mit dsgv-Pressesprecher Christian Achilles startet. „Die Sparkassen sind ursprünglich von Menschen gegründet worden, die mit den damaligen sozialen Verhältnissen nicht zufrieden waren. Deshalb sind wir sehr daran interessiert, mit Occupy und anderen über deren Kritik an der Finanzwirtschaft zu sprechen“, sagt Achilles.

Dass die Occupy-Anhänger hinterfragen, ob die Sparkassen diese gesellschaftskritische Rolle noch ausfüllen, ist den Sparkassen durchaus klar. Denn schon jetzt haben sich aus dem E-Mail-Kontakt viele Themen herauskristallisiert, die den jungen Leuten Sorgen machen: „Beteiligen sich die Sparkassen an Spekulationen auf Nahrungsmittel oder Rohstoffe?“, „Warum kosten Guthabenkonten Kontoführungsgebühren?“

Antworten auf derartige Fragen wird das Presseteam geben, aber auch direkte Anfragen an dsgv-Chef Heinrich Haasis sollen möglich sein. Doch das Interesse daran soll gar nicht so groß gewesen sein, heißt es aus dem Verband. Denn die Occupy-Anhänger geben nicht viel auf Hierarchien. Sie seien mehr an Inhalten interessiert, das habe man schon gelernt in den Wochen des E-Mail-Verkehrs.