Nach dem Stresstest

So versuchen die Banken Milliardenlöcher zu stopfen

Viele Banken versuchen nach dem Stresstest, verzweifelt ihre Risiken abzubauen. Die Unternehmensverbände fürchten eine Kreditklemme.

Foto: zgb grafik DWO

Die Banker geben sich nach den Stresstests betont gelassen. Die europäische Bankenaufsicht (EBA) hatte den deutschen Instituten zwar einen Kapitalbedarf von satten 13,1 Milliarden Euro attestiert, aber die Branche verweist darauf, dass die Pläne zur Kapitalstärkung längst in ihren Schubladen liegen.

Weniger gelassen hingegen reagieren Mittelstand und Industrie auf die Vorgänge in der Bankenbranche. Denn jene Pläne, die die Banker hegen, bereiten ihnen zunehmend Kopfzerbrechen. Denn auch wenn es im ersten Moment so klingt, als würden die Banken bis Juni Milliardenbeträge generieren, wird auf den zweiten Blick klar, dass das Gegenteil der Fall ist: Die Banken schrumpfen sich gesund, um den hohen Anforderungen der EBA gerecht zu werden.

Da werden Beteiligungen verkauft, Neugeschäfte eingestellt, Wertpapiere verhökert – und, so die Angst der Unternehmer, bei den Kreditbüchern der Rotstift angesetzt. „Ich rechne nach diesen Entwicklungen fest mit einer Kreditverknappung“, sagt etwa Brun-Hagen Hennerkes, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen.

Schon 2008, nach dem Lehman-Debakel hätten sich die Auslandsbanken aus dem deutschen Kreditgeschäft zurückgezogen, beobachtet er. Auch die Landesbanken und die IKB hätten so sehr mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen, dass für Unternehmenskredite kaum noch Luft sei.

Hennerkes ist mit seinen Sorgen nicht allein: Auch die Großindustrie schlägt Alarm. „Wenn von den Banken erwartet wird, dass sie ihre Eigenkapitaldecke bis Mitte 2012 massiv stärken, darf dies auf keinen Fall dazu führen, dass die Kreditbasis für die Industrie verkürzt wird“, sagt Matthias Wissmann, Präsident des Verbands der Automobilindustrie.

Noch ist von einer Kreditklemme nichts zu spüren. Ein vom Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut ifo entwickelter Kredithürden-Indikator ging sogar im November zurück. „Noch immer profitiert der deutsche Kapitalmarkt davon, dass die Anleger in der Krise den sicheren Hafen suchen“, sagt ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Doch auch das könnte sich ändern, wenn sich die Schuldenkrise weiter zuspitzt. Und so sehen die Pläne der Banken nach den Stresstests im Einzelnen aus:

Deutsche Bank

3,2 Milliarden Euro sind eine stolze Summe – auch für das größte deutsche Geldhaus. Im Gegensatz zu anderen Banken hält sich das Haus von Josef Ackermann bedeckt, wie sie die Kapitallücke schließen will. Bekannt ist lediglich eine Zahl aus dem Oktober: Damals kündigte Finanzvorstand Stefan Krause an, dass das Management eine Summe von 800 Millionen Euro hereinholen will, indem es einerseits Risiken abbaut und andererseits Kapitalmaßnahmen durchführt. Doch das reicht nicht.

Die Bank wies bei der Veröffentlichung der Stresstest-Ergebnisse darauf hin, dass sie nun auf ihren „Werkzeugkasten“ zurückgreifen will. Das könnten Kostensenkungen sein, ein weiterer Abbau von Risiken in der Bilanz oder eine Schmälerung der Dividende.

Auch einbehaltene Gewinne könnten die Kapitalbasis stärken. Im laufenden und den beiden kommenden Quartalen könnte die Bank immerhin 2,8 Milliarden Euro verdienen, schätzen Analysten. Doch die Bank will nicht bis Juni warten, sondern ihre Hausaufgaben bereits bis Ende des Jahres erledigen. Zum 31. Dezember 2011 will sie die Zielmarke der EBA bereits erreicht haben – erklärtermaßen ohne an der Kreditvergabe den Rotstift anzusetzen.

Commerzbank

Der Satz ist fast schon zum Mantra geworden: „Wir schaffen es ohne Staatshilfe“, sagen Martin Blessing und seine Vorstandskollegen immer und immer wieder. Und so bekräftigte Finanzvorstand Eric Strutz nach Vorlage der Stresstestergebnisse diese Aussage erneut. Er fügte aber auch hinzu: „Wir sind uns unserer Verantwortung für die Kreditversorgung der deutschen Wirtschaft bewusst.“

Immerhin muss die zweitgrößte deutsche Bank ein Kapitalloch von 5,3 Milliarden Euro schließen. Sie hat deswegen angekündigt, jegliches Kreditgeschäft, das nicht im Zusammenhang mit den Kernmärkten Deutschland und Polen steht, zurückzufahren.

Zudem darf ihre Immobilientochter Eurohypo kein Neugeschäft mehr machen. Insgesamt will die Commerzbank 30 Milliarden Euro an Risiken abbauen. Wie Morgenpost Online exklusiv berichtet hat, legte das Management dem Aufsichtsrat bereits eine ganze Palette an Maßnahmen vor, um die Kapitalquote zu stärken. Unter anderem wird überlegt, die Eurohypo ganz oder teilweise an den Bankenrettungsfonds SoFFin zu verkaufen. Zudem könnte die Bank erhebliche Bestände an Hybridkapital in hartes Kapital umwandeln.

NordLB

Das ging schnell: Noch im Oktober sah das Kapitalloch mit 660 Millionen Euro überschaubar aus. Kaum zwei Monate später standen 2,4 Milliarden Euro auf dem Papier. Allerdings auch nur dort, denn der Löwenanteil dieser Veränderung basiert auf einem rein technischen Effekt: Die EBA hat jenes 1,7 Milliarden Euro schwere Kapitalstärkungspaket – anders als in der ersten Runde – nicht eingerechnet, weil es erst nach dem festgelegten Stichtag in die Wege geleitet wurde.

Zieht man diesen Effekt ab, bleibt noch immer ein Loch von rund 800 Millionen Euro, das die Landesbank stopfen muss. Man sei auf gutem Wege, verschiedene Kapitaleinlagen in hartes Kernkapital zu wandeln, heißt es aus Finanzkreisen.

Die bereits vollzogenen und noch ausstehenden Umtauschaktionen bleiben nicht ohne Wirkung: Da sie vor allem das Land Niedersachsen trägt, verwässern die Anteile der übrigen Eigentümer. In Zukunft werden die Sparkassen wohl nicht mehr die Hälfte, sondern knapp 40 Prozent halten. Auch der Anteil von Sachsen-Anhalt wird schrumpfen, Niedersachsen hingegen dürfte auf rund 55 Prozent kommen.

DZ Bank

Das genossenschaftliche Spitzeninstitut wird seine Kapitallücke von 353 Millionen Euro durch den Abbau von nicht-strategischen Geschäften schließen. In Frage kommen vor allem Wertpapierbestände.

Helaba

Bei der Hessisch-Thüringischen Landesbank ist die Kapitallücke eine reine Formalie: Die Umwandlung der Stillen Einlage in Höhe von 1,9 Milliarden Euro des Landes Hessens ist bereits unter Dach und Fach – und damit ist die Kapitallücke von 1,5 Milliarden Euro geschlossen.

WestLB

Die WestLB stand nur noch pro forma auf der Liste der 13 deutschen Banken. Die Zerschlagung des Düsseldorfer Instituts ist längst beschlossene Sache, nur noch wenige Details sind offen. Schon nächste Woche wird sich die Helaba entscheiden, ob sie das Verbundgeschäft der WestLB übernehmen will. Am 20. Dezember will dann EU-Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia seine Entscheidung offiziell bekannt geben.