VW-Rivale

Thailand-Flut verdirbt Toyota das Geschäft

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Der japanische Autohersteller Toyota muss nun wegen der Produktionsausfälle durch die Thailand-Flut seine Prognose erneut senken. Dadurch kommt VW in Schlagweite.

Für Toyota ist 2011 ein Katastrophenjahr: Während die Konkurrenz glänzend verdient, muss der durch Tsunami und den starken Yen bereits gebeutelte japanische Vorzeigekonzern seine Gewinnerwartungen nun auch wegen der Thailand-Flut herunterschrauben. Für das im März zu Ende gehende Geschäftsjahr rechnet der VW-Rivale nur noch mit einem Betriebsgewinn von 200 Milliarden Yen (1,9 Milliarden Euro) - halb so viel wie zuletzt erwartet und 57 Prozent weniger als vor einem Jahr, wie der Vorstand am Freitag in Tokio bekanntgab.

Die Fluten in Thailand führten dazu, dass Toyota-Fabriken in zehn Ländern nicht rechtzeitig mit Bauteilen beliefert wurden. Den Produktionsausfall schätzt Toyota auf mehr als 200.000 Einheiten.

Seine Absatzprognose verringerte der Konzern deshalb deutlich. Zudem droht Toyota nun, den Kontakt zur Weltmarktspitze zu verlieren. Der Vorstand geht davon aus, in diesem Geschäftsjahr weltweit 7,38 Millionen Fahrzeuge verkaufen zu können. Bisher hatte Toyota 7,6 Millionen Einheiten angepeilt.

Damit dürfte der einstige Weltmarktführer auf Rang drei hinter Volkswagen landen. Zudem spürt das Unternehmen nun immer stärker den Atem von Hyundai im Nacken, der mächtig aufholt. Der koreanische Konzern, zu dem auch die Schwestermarke Kia gehört, könnte in diesem Jahr weltweit bis zu 6,7 Millionen Einheiten absetzen, schätzt Frank Schwope, Autoanalyst der NordLB.

Volkswagen peilt mehr als acht Millionen Auslieferungen an. An die Weltmarktspitze zurückgekehrt ist die Opel-Mutter General Motors, der Analysten in diesem Jahr neun Millionen verkaufte Fahrzeuge zutrauen.

Experten gehen davon aus, dass sich Toyota im nächsten Jahr dank neuer Modelle wie dem Mittelklassewagen Camry erholen wird. Ins Rennen um die Weltmarktkrone dürfte der japanische Konzern spätestens 2013 als ernstzunehmender Konkurrent zurückkehren, schätzen Analysten.

In den meisten Regionen fahren die Japaner inzwischen wieder eine normale Produktion. Noch in diesem Monat soll auch in Thailand wieder alles nach Plan laufen. Angesichts des starken Yen erwägt das Unternehmen jetzt deutliche Preiserhöhungen in einigen Regionen - selbst, wenn so weniger Autos verkauft werden sollten.

Seine eigene Gewinnprognose hatte Toyota bereits während der Flutkatastrophe vor einigen Wochen kassiert. Mit einer neuen Vorsage wollte sich das Management Zeit lassen, bis der Schaden absehbar war. Demnach fällt der operative Gewinn wegen der schlimmsten Flut in Thailand seit 50 Jahren um umgerechnet 1,2 Milliarden Euro niedriger aus als zuletzt prognostiziert.

Noch mehr, nämlich umgerechnet 1,8 Milliarden Euro schlagen wegen des starken Yen zu Buche, der die Exporte behindert. Dem stehen ertragsfördernde Maßnahmen von gut einer halben Milliarde zu Buch.

Alles in allem fällt die neue Prognose damit um 2,4 Milliarden Euro niedriger aus im August. Damals hatte der Konzern noch einen operativen Gewinn von deutlich mehr als vier Milliarden Euro in Aussicht gestellt. Im Frühjahr war Toyota bereits durch die Dreifach-Katastrophe aus Erdbeben, Tsunami und Atom-GAU aus der Bahn geworfen worden.