Sanierungsprogramm

Air Berlin stellt sich auf Turbulenzen ein

Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn spricht mit potenziellen Investoren und treibt sein Sanierungsprogramm für das angeschlagene Unternehmen weiter voran.

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Bis zum Abend saßen am Mittwoch die Verwaltungsräte der Air Berlin zusammen. Es ging um die Zukunft des angeschlagenen Unternehmens. Und dazu gehörte wohl auch die Frage, wie die finanzielle Stabilität für die nächsten Monate sichergestellt werden kann. Air Berlin fliegt mit Verlust, leidet stark unter der Luftverkehrsabgabe und seinen hohen Schulden.

Dazu muss nach einer starken Wachstumsphase das Geschäft saniert, das heißt geschrumpft werden. Und noch ist überhaupt nicht absehbar, wie sich die Konjunktur entwickeln wird. Die Lufthansa stellt sich bereits darauf ein, dass 2012 ein sehr hartes Jahr für Airlines werden könnte. Eine weitere Eskalation der Staatsschuldenkrise dürfte die Branche tief in die roten Zahlen reißen, kündigte der Chef der Weltluftfahrt-Organisation IATA, Tony Tyler, in Genf an. Auch bei den deutschen Pauschal-Reiseveranstaltern, für die Air Berlin viel unterwegs ist, zeigt sich derzeit bei den Vorausbuchungen eher ein Trend nach unten. Sorgen macht den Airline-Managern auch der hohe Kerosinpreis. Der neue Air-Berlin-Chef Hartmut Mehdorn spricht deshalb auf der Suche nach zusätzlichem Kapital wohl seit Wochen mit möglichen Investoren. In Industriekreisen heißt es, die Berliner könnten zwischen 150 und 250 Mio. Euro gebrauchen, um die nächste Zeit gut über die Runden zu kommen.

Angeblich ist Mehdorn sogar schon erfolgreich gewesen. In Medienberichten hatte es in dieser Woche geheißen, die arabische Fluggesellschaft Etihad stehe kurz vor einem Einstieg bei der deutschen Nummer zwei. Geplant sei die Ausgabe neuer Aktien, also eine Kapitalerhöhung. Die staatliche Fluglinie des Emirats Abu Dhabi wies dies allerdings umgehend zurück. Zwar könnte eine engere Zusammenarbeit zwischen den Berlinern und den Arabern durchaus Sinn machen - wenn die Etihad mit ihren Flugzeugen also auf dem neuen Großflughafen "Willy Brandt" landen könnte und deren Gäste dann mit der Air Berlin zu ihren Zielen in Deutschland und Europa weitertransportiert würden. Aber dazu bedarf es keiner Beteiligung. Das wäre einfacher über Verträge zum beiderseitigen Nutzen zu regeln. Und ganz übernehmen darf die Etihad als Unternehmen mit Sitz außerhalb der EU die Air Berlin auch nicht. Denn dann gehen deren wertvolle Start- und Landerechte verloren oder müssten komplett neu verhandelt werden.

Realistischer ist derzeit wohl, dass die British Airways der Air Berlin im Notfall finanziell zur Hilfe kommen könnte. Die Berliner wollen im Frühjahr in das Luftfahrtbündnis "Oneworld" um BA und American Airlines aufgenommen werden.

An der Börse ist die gesamte Air Berlin gerade noch gut 200 Mio. Euro wert und hat zudem mit der TUI und der türkischen Esas-Holding zwei Großinvestoren, die sicher nicht daran interessiert sind, dass der Wert ihres Investments durch eine Kapitalerhöhung verwässert wird.

Es sind also kreative Lösungen gefragt. Wie diese aussehen könnten, ist wohl auch von den Verwaltungsräten diskutiert worden. Branchenkenner halten es durchaus für denkbar, dass sich Etihad über eine konstruierte Finanzhilfe für Air Berlin enger an das weltumspannende Netz der "Oneworld" anbinden will. Doch bis dahin gäbe es noch jede Menge Gesprächs- und Koordinierungsbedarf. Das Management der Air Berlin macht derweil seine Sanierungshausaufgaben. Dortmund und Erfurt werden zur Wintersaison 2012/2013 aus dem Liniennetz gestrichen.