Ausblick gesenkt

Die S&P-Androhung an die Euro-Länder im Wortlaut

Die Ratingagentur S&P warnt die Euro-Zone vor einer Herabstufung ihrer Kreditwürdigkeit. Ihr Bericht spart nicht mit deutlichen Worten.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat am Montagabend damit gedroht, die Kreditwürdigkeit sämtlicher Euro-Länder (außer Zypern und Griechenland) herabzustufen. Die Nachrichtenagentur dpa dokumentiert die Erklärung in Auszügen:

„Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat heute seine langfristigen Ratings für 15 Mitglieder der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion (EWU oder Eurozone) zur Beobachtung („CreditWatch“) mit negativen Auswirkungen angesetzt (...)

Die heutigen Platzierungen zur Beobachtung sind angespornt von unserem Glauben, dass systemische Stressfaktoren in der Euro-Zone in den vergangenen Wochen zugenommen haben in dem Ausmaß, dass nun Druck auf die Bonität im gesamten Euro-Raum ausgeübt wird.

Wir glauben, dass sich dieser systemische Stress von fünf zusammenhängenden Faktoren ableitet:

1) Straffere Kreditkonditionen quer durch die Euro-Zone;

2) Deutlich höhere Risikoprämien für eine wachsende Zahl von Euro-Ländern, darunter einige, die bislang mit „AAA“ bewertet sind;

3) Anhaltender Streit unter europäischen Entscheidungsträgern, wie die unmittelbare Vertrauenskrise an den Märkten bekämpft werden kann und wie langfristig mehr wirtschaftliche, finanzielle und steuerliche Annäherung in den Euro-Staaten gewährleistet werden kann;

4) Hoher Grad der Staats- und Haushaltsverschuldung quer durch weite Teile der Euro-Zone; und

5) Das steigende Risiko einer Wirtschaftsrezession im gesamten Euro-Raum 2012. Momentan erwarten wir, dass die Wirtschaftsleistung kommendes Jahr in Ländern wie Spanien, Portugal und Griechenland zurückgeht, aber wir weisen nun einem Rückgang in der gesamten Euro-Zzone eine 40-Prozent-Wahrscheinlichkeit zu. (...)

Wir rechnen damit, unsere Überprüfung der Ratings der Euro-Länder sobald wie möglich im Anschluss an den EU-Gipfel am 8. und 9. Dezember 2011 abzuschließen. (...) Wir glauben, dass die Ratings für Österreich, Belgien, Finnland, Deutschland, Niederlande und Luxemburg um eine Stufe herabgesetzt werden könnten und für die übrigen Staaten um zwei Stufen. (...)“

Speziell zu Deutschland teilte S&P mit: „(...) In dem Maß, wie diese Euro-Zonen-weiten Probleme dauerhaft die Verfügbarkeit von Krediten an die Wirtschaft einschränken, könnten Deutschlands Wachstumsaussichten – und damit die Perspektiven für eine anhaltende Verringerung des öffentlichen Schuldenstands – in Mitleidenschaft gezogen werden (...)“