Benelux-Grossbank

Die Dexia-Krise entstand durch Gründung und Gier

Belgien, Frankreich und Luxemburg stellen der Dexia-Bank Milliarden an Garantien zur Verfügung. Doch das ist nur eine Atempause. Die Probleme sind zu groß.

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Bis Mai kann die angeschlagene Bank Dexia erst einmal durchatmen: Belgien, Frankreich und Luxemburg haben dem Geldhaus eine milliardenschwere Überbrückungshilfe zugesichert. Bis Ende Mai könnten unter der Vereinbarung bis zu 45 Milliarden Euro des Finanzbedarfs abgedeckt werden, teilte das belgisch-französische Institut mit.

Der Entwurf für die Vereinbarung sei an das eigene Führungsgremium und die EU-Kommission weitergeleitet worden. Nun muss Brüssel noch grünes Licht für die Hilfen geben. Die Garantien würden demnach für Papiere und finanzielle Vereinbarungen mit einer Laufzeit von bis zu drei Jahren gegeben. Im Gegenzug müsste Dexia für einen Teil der Papiere Sicherheiten hinterlegen, einen Beitrag von 225 Millionen Euro entrichten sowie monatliche Gebühren bezahlen.

An der Börse reagierten Investoren erleichtert auf den Fortschritt bei den Rettungsversuchen. Dexia-Papiere legten mit zeitweise über sieben Prozent stärker als der Markt zu. Allerdings sind die Garantien noch nicht in Kraft, was Spekulationen schürte, es komme noch zu einer Rangelei über die Verteilung unter den drei beteiligten Staaten.

Dexia war als erste Bank der europäischen Staatsschuldenkrise zum Opfer gefallen. Das Institut hatte noch im Juli den EU-Stresstest für Banken überstanden. Und doch kam die Not des belgisch-französischen Geldhauses für Branchenkenner nicht überraschend. Denn die Bank entging bereits während der Finanzkrise 2008 nur dank einer staatlichen Rettungsspritze in Höhe von 6,4 Milliarden Euro der Pleite.

Experten kritisierten im Oktober, dass Dexia nicht unter der schlechten Konjunktur, sondern unter strukturellen Problemen leide. Denn es habe innerhalb des Instituts zu viele unterschiedliche Aktivitäten ohne finanzielle oder geografische Kohärenz gegeben. Kritiker bemerken, dass die drei Länder Dexia deshalb bereits 2008 hätten zerschlagen sollen. Die Probleme reichen bereits bis zur Gründung der Bank zurück, die 1996 aus der Fusion der auf die Finanzierung von Gebietskörperschaften spezialisierten Institute Crédit Communal de Belgique und Crédit Local de France entstand.

Denn hinter den Kulissen kam es schnell zu Spannungen zwischen der belgischen und der französischen Seite. Dazu kam eine zu ehrgeizige Expansionsstrategie. So kaufte Dexia neben anderen Aktivitäten im Jahr 2000 die US-Kreditversicherungsgesellschaft FSA. Diese wurde so hart von der Subprime-Krise getroffen, dass Belgien, Frankreich und Luxemburg zu Hilfe eilen mussten.

Riskantes Geschäft mit Staatsanleihen

Zudem hatte sich Dexia darauf spezialisiert, den Kauf langfristiger Staatsanleihen mit kurzfristigen Krediten zu finanzieren . Ein riskantes Geschäft, das seit 2008 nicht mehr funktioniert. Obwohl Dexia den Bedarf an kurzfristigen Krediten zuletzt stark zurückgefahren hat, wurden sie ihr im Oktober zum Verhängnis. Denn belgische Sparer zogen massenhaft ihr Geld ab, nachdem die Ratingagentur Moody’s die Bank Anfang Oktober abstufte.

Frankreich, Belgien und Luxemburg hatten sich im Oktober auf die Zerschlagung des Instituts geeinigt. So soll Belgien für vier Milliarden Euro die im Privatkundengeschäft starke Dexia Banque Belgique übernehmen, während die auf die Finanzierung von Gebietskörperschaften spezialisierten Aktivitäten in Frankreich an die staatliche französische Bank Caisse des Dépôts et Consignations und die staatliche französische Postbank gehen. Zudem vereinbarten die Länder, Staatsgarantien für Dexia zu übernehmen. Belgien soll davon mit 60,5 Prozent den größten Anteil tragen, Frankreich 36,5 Prozent und Luxemburg drei Prozent.

Die EU-Kommission hat der geplanten Aufspaltung bereits zugestimmt, muss jedoch noch den Rest des Rettungsplans absegnen. Belgien soll jedoch vor ein paar Wochen auf Neuverhandlungen gedrängt haben, da sich die Finanzierungsbedingungen für das Königreich seit Oktober drastisch verschlechtert haben. Dem Vernehmen nach soll sich jedoch Frankreich quergestellt haben, da es den Verlust seiner AAA-Note bei den Ratingagenturen fürchtete.

Mit der nun gefundenen Übergangslösung soll die Abhängigkeit der Dexia von der Europäischen Zentralbank (EZB) reduziert werden. Die Dexia ist jedoch nicht die einzige Bank, die mit der Refinanzierung Schwierigkeiten hat: Am Montag legten die eintägigen Einlagen bei EZB weiter kräftig zu. Sie stiegen von 313,8 Milliarden Euro am Freitag auf zuletzt 332,7 Milliarden Euro. Dies ist der höchste Wert seit rund eineinhalb Jahren. Die Mittel, die sich die Geschäftsbanken über Nacht von der EZB ausleihen, verringerten sich hingegen von 8,6 Milliarden Euro am Freitag auf sieben Milliarden Euro.

Die eintägigen Einlagen und Ausleihungen der Banken bei der EZB gelten als Misstrauens-Indikator: Denn sie zeigen, dass sich die Banken untereinander so wenig über den Weg trauen, dass sie lieber schlechtere Konditionen bei der EZB in Kauf nehmen, statt sich das Geld gegenseitig zur Verfügung zu stellen. Doch ohne eine Lösung der Schuldenkrise ist kaum davon auszugehen, dass das Vertrauen an den Märkten zurückkehrt.