Eigenkapitaldecke

Commerzbank kommt einer Verstaatlichung zuvor

Um ihr Eigenkapital zu stärken, kauft die Commerzbank eigene Papier am Markt auf. Andernfalls droht ein Eingreifen des Rettungsfonds SoFFin.

Die Bundesregierung schließt nach Informationen des „Spiegels“ eine Verstaatlichung der Commerzbank nicht aus. Wenn es das zweitgrößte deutsche Kreditinstitut nicht schaffe, sich bis zum nächsten Sommer genug Kapital zu beschaffen, werde Berlin den Bankenrettungsfonds SoFFin reaktivieren und weitere Aktien des Finanzkonzerns übernehmen, zitierte das Magazin einen Bericht aus Regierungskreisen.

Man gehe davon aus, dass dem Bund bei einer Kapitalerhöhung die Mehrheit der Anteile zufallen würde. Berlin lehnt es laut „Spiegel“ ab, lediglich die angeschlagene Commerzbank-Tochter Eurohypo zu übernehmen.

Kauf eigener Papiere

Nun schlägt die Bank einen anderen Weg ein. Zur Stärkung der Kapitaldecke kommt die angeschlagene Commerzbank den Vorschriften der europäischen Bankenaufsichtsbehörde EBA entgegen und kauft eigenkapitalähnliche Papiere zurück. Insgesamt stellt das Institut dafür 600 Millionen Euro zur Verfügung, um dieses sogenannte Hybridkapital aus dem Markt zu nehmen, wie die Commerzbank am Montag in Frankfurt mitteilte.

Da diese Papiere seit der Ausgabe deutlich an Wert verloren haben, kauft die Bank sie unter ihrem Nennwert zurück. Dadurch entsteht ihr ein Buchgewinn. Die EBA erkennt Hybridkapital nicht als hartes Eigenkapital an. Bereits im Januar hatte die Bank solche Papiere zurückgenommen, dafür aber eigene Aktien ausgegeben. Insgesamt hat das Geldhaus nominal noch 2,23 Milliarden Euro Hybridkapital ausstehen.

Bei der Commerzbank fehlen Gerüchten zufolge bei dem aktualisierten Stresstest der EBA bis zu fünf Milliarden Euro, um die Kapitalauflagen erfüllen zu können.

SoFFin soll wiederbelebt werden

Die Bundesregierung wird angesichts der Kapitallücke deutscher Geldhäuser voraussichtlich noch vor Weihnachten den Anstoß zur Reaktivierung des Bankenrettungsfonds SoFFin geben. Nach Angaben aus Koalitionskreisen ist geplant, einen Kabinettsbeschluss dazu noch vor den Feiertagen zu fassen.

Damit könnte nach dem Jahreswechsel in Bundestag und Bundesrat das Gesetzgebungsverfahren stattfinden. Mit dem SoFFin hatte die Bundesregierung in der Finanzkrise 2008/09 unter anderem die Commerzbank und den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate mit Milliardensummen gerettet. Der SoFFin hatte Ende 2010 seine Tore für neue Hilfsanträge geschlossen.