Stephan Engels

Commerzbank holt Daimler-Manager an Bord

Der Aufsichtsrat der zweitgrößten deutschen Bank wählt Stephan Engels als neuen Finanzvorstand. Auf ihn wartet eine Mammutaufgabe.

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Wer Karriere machen will, darf sich von großen Herausforderungen nicht abschrecken lassen. Und Stephan Engels ist kein Zauderer. Gerade einmal drei Jahre nach seinem Studienabschluss stieg er beim Automobilkonzern Daimler schon zum Abteilungsleiter auf. Schritt für Schritt erklomm er die Karriereleiter bis knapp unter den Vorstand. Doch die Herausforderung, die er jetzt angenommen hat, gleicht einer Mammutaufgabe: Als neuer Finanzvorstand der Commerzbank muss Stephan Engels nichts Geringeres tun, als das Fünf-Milliarden-Kapitalloch der Commerzbank zu stopfen – und das in nur wenigen Monaten.

An diesem Freitag hat der Aufsichtsrat der zweitgrößten Bank des Landes grünes Licht für die Umbesetzung des Vorstands gegeben. Engels folgt demnach auf Eric Strutz, dessen Vertrag Ende März 2012 ausläuft. Der scheidende Vorstand hatte im August angekündigt, vom nächsten Frühjahr an eine berufliche Pause einlegen zu wollen.

Bezahlung unterliegt einem Gehaltsdeckel

Dass die Bank einen externen Manager gewinnen konnte, ist eine Überraschung: Lange Zeit wurde über interne Kandidaten spekuliert, da die Bank noch immer einer Gehaltsgrenze von 500.000 Euro unterliegt. Der Commerzbank-Vorstand kann nur dann wieder auf Millionengehälter hoffen, wenn die Bank keine Verluste mehr schreibt oder die Staatshilfen zurückgezahlt hat. Beides wird angesichts der erhöhten Kapitalanforderungen der EU-Aufsicht schwieriger.

Und trotzdem hat es Klaus-Peter Müller, Aufsichtsratschef der Commerzbank, nun also geschafft, ein ganz neues Gesicht ins Unternehmen zu holen. Engels ist Automobilmann durch und durch: Gleich nach dem Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaft begann der Hamburger 1988 bei dem Stuttgarter Konzern als Trainee und bewies dem Haus eiserne Treue.

Erst vor kurzem hatte er sein 25-jähriges Firmenjubiläum. Derzeit berichtet er als Finanzvorstand der Sparte Mercedes-Benz Cars, Van & Corporate an Daimler-Konzern-Finanzvorstand Bodo Uebber. Dass Uebber nur zwei Jahre älter ist als er, dürfte ihn auch zu der Überlegung gebracht haben, dass ein Weiterkommen bei Daimler schwierig wird. Auch mit dem kleineren Gehalt soll Engels keine Probleme haben. Mit dem Satz „Geld ist nicht alles“, soll der 49-Jährige die Frage parieren, warum er sich freiwillig darauf einlasse, einen schlechter bezahlten Job anzunehmen.

Bislang kennt der Automobilmanager nur einen einzigen Arbeitgeber: Daimler. „Seine enorme Umsetzungsgeschwindigkeit hat mich stets beeindruckt“, sagt Deutz-Managerin Margarete Haase, die Engels kennt, seit die beiden gemeinsam das Trainee-Progamm absolviert haben. „Er ist Zahlenmensch und guter Kommunikator zugleich. Ich bin sicher, dass er die neue Aufgabe hervorragend meistern wird“, sagt seine ehemalige Kollegin. Seine Mitarbeiter beschreiben ihn als Teamspieler und als jemanden, der auch dann noch Nerven bewahrt, wenn es heiß her geht.

Engels war Finanzvorstand der Daimler Bank

Dass eine seiner Karrierestationen der Posten des Finanzvorstands der Daimler Bank und später Finanzvorstand der Konzernsparte Financial Services war, hat den Sprung in die Frankfurter Hochfinanz erleichtert: Denn damit dürfte der Genehmigung der Personalie durch die Bankenaufsicht Bafin nichts mehr im Wege stehen. Somit kann Engels voraussichtlich ohne zeitliche Verzögerung bei der Commerzbank beginnen.

Eine Verzögerung hätte die Bank auch nicht dulden können: Schließlich muss sie nach den Vorgaben der EU-Bankenaufsicht EBA bis Ende Juni 2012 unter Stressszenarien eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent erreichen. Kommende Woche sollen die finalen Zahlen der EBA bekannt gegeben werden. In Finanzkreisen geht man davon aus, dass das Kapitalloch der Commerzbank fünf Mrd. Euro beträgt.

Commerzbank plant umfangreiches Maßnahmenpaket

Wie die „Morgenpost Online“ am Freitag berichtete, wurde im Aufsichtsrat ein umfangreiches Maßnahmenpaket besprochen , wie die Bank diese Lücke schließen kann – ohne Staatshilfe. Im Gespräch ist, rund eine Mrd. Euro an Gewinn einzubehalten. Hinzu kommt der Abbau von risikogewichteten Aktiva in Höhe von rund 30 Mrd. Euro. Den Informationen zufolge könnte die Bank zudem allein fünf bis sechs Mrd. Euro an zusätzlichem Kernkapital gewinnen, indem sie Hybridkapital umwandelt. Bisher war nur von bis zu einer Mrd. Euro die Rede. Diesen Plan umzusetzen ist ab April auch die Aufgabe von Stephan Engels.

Die Bank streute ihm vorab Blumen: „Wir heißen Stephan Engels in unserem Team herzlich willkommen und freuen uns auf die Zusammenarbeit“, sagte Commerzbank-Chef Martin Blessing. Er ist Engels nicht erst in den Personalgesprächen begegnet – die beiden Manager kennen sich schon aus Studienzeiten. Beide haben gleichzeitig an der Schweizer Elitehochschule St. Gallen studiert.