Bundesnetzagentur

Stromnetze geraten an den Rand ihrer Belastbarkeit

| Lesedauer: 2 Minuten

Foto: picture alliance / dpa

Die Hälfte aller dringend benötigten Ausbauprojekte an Stromnetzen verzögern sich, stellt die Netzagentur fest. Engpässe seien die Folge.

Die Stromnetze entwickeln sich zur Achillesferse der Energiewende – das geht aus dem Monitoringbericht 2011 der Bundesnetzagentur hervor, aus dem das "Handelsblatt" vorab zitierte.

Von 24 besonders eilbedürftigen Ausbauprojekten im Stromnetzbereich seien zwölf verzögert, berichtete die Zeitung unter Berufung auf den Bericht, der in der kommenden Woche veröffentlicht werden soll. Der Zeitverzug liege zwischen einem und vier Jahren.

Die Netzagentur bezieht sich in ihrem Bericht auf Stromleitungen, die mit der Einführung des Gesetzes zum Energieleitungsausbau im August 2009 als vordringlich eingestuft wurden. Erst 214 Kilometer von 1807 Kilometern, die in das Gesetz aufgenommen wurden, seien bislang fertiggestellt worden. Vertreter der Energiebranche waren seit Monaten vor erhöhten Blackout-Gefahren.

Aus Sicht der Bundesnetzagentur ist der Neubau der Leitungen dringend geboten. Die bestehenden Netze seien "durch die Vielzahl der in den letzten Jahren zu erfüllenden Transportaufgaben und die Veränderung der Erzeugungsstruktur am Rand der Belastbarkeit angekommen", heißt es in dem Bericht weiter.

Stromnetz ist auf Atomkraftwerke ausgerichtet

Das Netz in Deutschland steckt noch im Atomzeitalter, der Fokus liegt auf Großkraftwerken. Diese stehen vor allem in der Nähe von Ballungszentren. Heute wird aber auch vor der Küste oder auf den grünen Wiese Strom produziert, was mehr Flexibilität erfordert. Gerade zwischen Norden und Süden fehlen Stromautobahnen, um künftig Windstrom von der Küste in den Süden zu transportieren, wo große Atomstromkapazitäten wegfallen werden.

Nach Schätzung der Deutschen Energie-Agentur sind bis zu 4450 Kilometer neue Stromautobahnen bis 2020 notwendig, etwa um Windstrom, der vor den Küsten produziert wird, in den Süden zu bekommen. Experten betonen, es gehe auch mit weniger, wenn mehr Windräder im Süden aufgestellt werden, also dort, wo bisher mehr als die Hälfte des Stroms aus Atomkraftwerken kam.

Mit einer besseren Steuerung der Lasten und der Verstärkung bestehender Trassen mit leistungsfähigeren Leitungen könnte der Ausbaubedarf ebenfalls gemindert werden.

Speicherkapazitäten fehlen

So oder so gibt es einen massiven Bedarf an neuen Verteilnetzen, also Leitungen der unteren Spannungsebenen, um den plötzlich überall produzierten Ökostrom zu verteilen.

Wenn aber überschüssiger Ökostrom verstärkt gespeichert werden kann, dürfte dies das Netz entlasten, weil dann nicht mehr bei Sonne und Wind plötzlich viel Ökostrom in das strapazierte Netz hineinströmt. Insgesamt umfasst das deutsche Stromnetz mit allen Ebenen zusammen rund 1,7 Millionen Kilometer.