Stahlproduzent

ThyssenKrupp verbucht drastische Verluste

Der größte deutsche Stahlhersteller ThyssenKrupp hat im vergangenen Geschäftsjahr massive Verluste hinnehmen müssen. Vor allem der Neubau eines Stahlwerks in Brasilien und die Edelstahlsparte bescheren Konzern tiefrote Zahlen.

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Gigantische Kostenüberschreitungen beim Neubau eines Stahlwerks in Brasilien und Wertberichtigungen bei der Edelstahltochter Inoxum sorgen für Milliardenverluste bei ThyssenKrupp. Unter dem Strich wies Deutschlands größter Stahlproduzent am Freitag für das Geschäftsjahr 2010/2011 einen Verlust von knapp 1,8 Milliarden Euro aus. Im Vorjahr hatte der Konzern noch einen Gewinn von 927 Millionen Euro gemacht. Die Aktie verlor nach Bekanntgabe der Zahlen gegen den Dax-Trend zeitweise mehr als zwei Prozent.

Ausschlaggebend für den Gewinneinbruch waren nach Angaben des Unternehmens Wertberichtigungen von insgesamt 2,9 Milliarden Euro bei der Tochter Steel Americas und im Edelstahlgeschäft. Der Löwenanteil der Wertberichtigungen entfiel dabei mit 2,1 Milliarden Euro auf das Amerika-Geschäft. Hier kämpft der Konzern gleich mit einer ganzen Serie von Problemen.

Beim Bau eines neuen Stahlwerks in Brasilien sind die Kosten völlig aus dem Ruder gelaufen, außerdem hat sich der Hochlauf des Werkes verzögert. „Diese Mehrkosten können kurzfristig nicht kompensiert werden“, erklärte das Unternehmen. Außerdem machte die Stärke der brasilianischen Landeswährung ThyssenKrupp einen Strich durch die Ergebnisrechnung. Die aktuelle Schwäche der Absatzmärkte in den USA und Europa erschwere außerdem den Markteintritt für die Produkte der neuen Stahlwerke.

Positive Umsatzentwicklung

Eine deutliche Verbesserung der Situation in Brasilien sei erst im zweiten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres zu erwarten, wenn die dritte Batterie der Kokerei in Betrieb genommen werde, teilte das Unternehmen mit. Doch auch auf die Edelstahlsparte, von der sich der Konzern bis zum Herbst nächsten Jahres trennen will musste ThyssenKrupp Wertberichtigungen in Höhe von 800 Millione Euro vornehmen.

Das operative Geschäft abseits von Steel Americas entwickelte sich dagegen positiv. So konnte der Konzern seien Umsatz um 15 Prozent auf 49 Milliarden Euro und den Auftragseingang um 22 Prozent auf 50,2 Milliarden Euro steigern.

Aufgrund der durch die Schuldenkrise ausgelösten konjunkturellen Unsicherheiten wagte der Konzern keine Prognose für das Geschäftsjahr 2011/2012, sondern lediglich für das erste Quartal. Hier rechnet der Konzern mit einem operativen Ergebnis (Ebit), das „deutlich niedriger“ als im Vorjahresquartal ausfällt.

Der Konzern erwarte auf der einen Seite Verluste bei Steel Americas sowie Mengen- und in Folge Ergebnisrückgänge bei Steel Europe und Material Services. Auf der anderen Seite würden die Technologie-Geschäfte weiter verlässliche Ergebnisbeiträge bringen.