Ex-Kommissionschef Prodi

"Deutschland hat in der Krise immer zu spät gehandelt"

Der frühere Präsident der EU-Kommission, Romano Prodi hat Berlins Krisen-Politik scharf kritisiert. Griechenland hätte früher Hilfe benötigt.

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Der ehemalige italienische Ministerpräsident und frühere EU-Kommissionschef Romano Prodi tadelt Deutschlands Politik während der Schuldenkrise. „Ich werfe Deutschland, einem Land, das ich zutiefst bewundere, vor, dass es in der gegenwärtigen Krise immer zu spät und unzureichend gehandelt hat“, sagte er im Deutschlandfunk.

Man hätte Griechenland frühzeitig Haushaltsdisziplin verordnen und mit einer kleinen Geldsumme helfen sollen . Es sei zwar richtig, andere Staaten zu Haushaltsdiziplin zu drängen. Jedoch erinnerte Prodi daran, dass die EU-Kommission einst „zum Schweigen gebracht“ worden sei, als sie von Deutschland, Frankreich und Italien verlangt hatte, weniger Schulden zu machen.

Zuletzt hatte auch Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker die Deutschen in der Diskussion über die Schuldenkrise zur Zurückhaltung aufgefordert. Die Debatte in der Bundesrepublik sei zum Teil störend, sagte der luxemburgische Regierungschef dem Bonner „General-Anzeiger" vor einigen Wochen.

Er halte die Höhe der deutschen Schulden für besorgniserregend. Der Schuldenstand der Bundesrepublik übertrifft deutlich die Maastricht-Grenze . Im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt ist die Bundesrepublik höher verschuldet als etwa das Euro-Sorgenkind Spanien.